Die Quadratur der Stader Wirtschaftsförderung

Vier „Ecken“, vier Mitarbeiter: Mannschaft verstärkt – Neues Förderkonzept – Neue Zuständigkeiten

Vier Ecken

Vier „Ecken“, vier Mitarbeiter: Mannschaft verstärkt – Neues Förderkonzept – Neue Zuständigkeiten

Eine Befragung von rund 500 Unternehmen in der Hansestadt Stade brachte es zutage: Die Arbeit der Wirtschaftsförderung wird zwar positiv bewertet, ist aber in Teilen des Mittelstandes noch unbekannt – und damit ungenutzt. Da traf es sich gut, dass der Stadt-rat bereits vor einem Jahr einstimmig ein neues Konzept beschlossen hatte. Unter anderem sah dieses Konzept eine personelle Verstärkung der Mannschaft um Thomas Friedrichs vor. Der Leiter der Wirtschaftsförderung präsentierte jetzt im Gespräch mit Business & People das neue Team und den neuen Zuschnitt der Aufgaben. Ziel ist es, noch näher an die überwiegend mittelständischen Unternehmen heranzurücken und den Wirtschaftsraum weiter zu stärken.


Künftig teilt sich die Arbeit der Wirtschaftsförderer in vier Bereiche auf – die vier Ecken des Quadrats: Stade Nord (Chemische Industrie und Hafen), Stade Süd (CFK Valley und neue Technologien), Mittelstandslotse (Mittelstand und Handel) sowie den Bereich Regionalmanagement und Fachkräfte. Aktiv werden die Förderer in den Handlungsfeldern Bestandspflege- und -entwicklung heimischer Unternehmen, Unternehmensansiedlung und Existenzgründungen, Stand-ortentwicklung und Standortmarketing. Dabei suchen die handelnden Personen den direkten Draht zum Unternehmen und bieten eine „neue Form der Rundum-Betreuung“ an. Das Angebot richtet sich an rund 4500 Unternehmen (nur in der Hansestadt Stade!) mit 24 200 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen (Stand Ende 2013). Thomas Friedrichs: „Darunter sind 500 Unternehmen mit mehr als zwei Beschäftigten.“ Im Umkehrschluss: Es gibt jede Menge Ein-Personen-Unternehmen beziehungsweise Gesellschaften, die nur durch eine Person vertreten werden.

Was hier so theoretisch klingt, lässt sich in konkrete Maßnahmen fassen. Unter anderem soll der Kontakt zu den Unternehmen verstärkt werden – eine Erkenntnis aus der Befragung. Es geht zudem um den Ausbau des Netzwerkes chemcoastpark stade, um das Projekt „Ausbildungszentrum chem-coastpark stade“, die aktive Unterstützung der Unternehmen bei der Sicherung der Fachkräfte am Standort, den Ausbau des CFK-Valleys und die Entwicklung eines Konzeptes für Standortmarketing, aber auch um kommunale Bodenvorratspolitik, Baulückenaktivierung, Ansiedlungskonzepte sowohl für den Industriepark chemcoastpark stade als auch das CFK-Valley, Gründungsberatung speziell für Migranten, die Vernetzung der Hochschulangebote (PFH Hansecampus Stade) und der örtlichen Gründungsförderung, die Entwicklung der Infrastruktur (begleitend), die Unterstützung der Hafenentwicklung, die Verbesserung der Breitbandversorgung (schnelles Internet) und vieles mehr. Neu im Team sind seit Anfang Oktober je mit einer halben Stelle Marco Dibbern und Sophie Hagebölling. wb

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(v.l.n.r) Thomas Friedrichs (52) ist seit März 1997 Wirtschaftsförderer der Hansestadt Stade und seit April 2003 zusätzlich vom Rat bestellter Geschäftsführer der Stadt Stade Beteiligungsgesellschaft mbH. Thomas Friedrichs hat ein Studium an der Universität Dortmund als Dipl.-Ing. Raumplanung abgeschlossen. Er leitet die Stabsstelle und kümmert sich insbesondere um die Unternehmen im Stader Süden und im CFK-Valley. Darüber hinaus ist bei ihm der Bereich Innovationsförderung angesiedelt.

Unterstützt wird das Team durch die Projekt­assistentinnen Bettina Cordes (46) und Inge Schuh (60), die auf dem Foto fehlt. Neu dabei: Sophie Hagebölling (25) absolvierte 2011 an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften ein Bachelorstudium im Fach Stadt- und Regionalmanagement sowie 2013 den Masterstudiengang strategisches Management. Ihre Masterarbeit schrieb sie bei der Wirtschaftsförderung der Hansestadt Stade. Seit Februar 2014 ist sie Projektmanagerin bei der Projektentwicklung Stade GmbH & Co. KG und betreut das Projekt Länderübergreifendes Regionalmanagement für den Wirtschaftsraum Unterelbe. Seit dem 1. Oktober ist Hagebölling ebenfalls mit einer halben Stelle zusätzlich Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung der Hansestadt Stade. Hier ist sie Ansprechpartnerin für den Bereich Regionalmanagement und kümmert sich um das Thema Fachkräfte in Stade.

Torsten Kramer (44) ist seit 1989 bei der Hansestadt Stade und seit 2006 in der Wirtschaftsförderung tätig. Er hat bei der Hansestadt eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht und eine Fortbildung zum Verwaltungsfachwirt beim Niedersächsischen Studieninstitut in Hannover abgeschlossen. Kramer ist stellvertretender Leiter der Wirtschaftsförderung und als „Mittelstandslotse“ seit dem 1. Oktober Ansprechpartner für alle Belange der kleinen und mittleren Unternehmen in Stade.

Neu dabei: Marco Dibbern (31) ist gelernter Bankkaufmann und absolvierte 2008 an der Hochschule 21 in Buxtehude ein Ingenieursstudium im Fachbereich Bau- und Immobilienmanagement sowie 2012 ein berufsbegleitendes Betriebswirtschaftsstudium an der PFH Göttingen. Nach zwei Stationen in der Immobilienprojektentwicklung in Frankfurt und Hamburg wurde Dibbern 2011 als Mitarbeiter der städtischen Projektentwicklung Stade GmbH & Co. KG zum Leiter des stade-project 2021. Seit dem 1. Oktober ist er zusätzlich mit einer halben Stelle Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung der Hansestadt Stade und betreut alle Themen rund um Infrastruktur, Industrie und Dienstleister im Stader Norden (chemcoastpark stade und Seehafen Stade). Außerdem wurde er in die Geschäftsführung der Stadt Stade Beteiligungsgesellschaft mbH berufen.

>> Web: www.stade.de

Info: Wirtschaftsstandort Stade
Das sagen die Unternehmen

Unternehmensbefragungen ha-ben es in sich, denn häufig ist der Rücklauf von verschickten Fragebögen eher schwach. In Stade hatte die Wirtschaftsförderung 500 Unternehmen mit mehr als zwei Mitarbeitern angeschrieben – und 191 Rücksendungen erhalten – 39 Prozent, das kann sich sehen lassen. Die Ergebnisse:

  • Zwei Drittel der Unternehmen sehen Wachstumsperspektiven am Standort Stade
  • Fast 60 Unternehmen wollen ihren Betrieb in Stade erweitern.
  • Einige Unternehmen denken über Erweiterung an einem neuen Standort nach – genannt wurden Hamburg, Buxtehude und Horneburg.
  • 60 Betriebe wollen ihre Belegschaft vergrößern.
  • 39 Unternehmen haben einen erhöhten Flächenbedarf.
  • Insgesamt werden Flächen und Gebäude mit einem Gesamtumfang von fast 300 000 Quadratmetern benötigt.
  • Jeder zehnte befragte Betrieb hat Flächen abzugeben – insgesamt etwa 80 400 Quadratmeter.

In der Regel bewerten die Unternehmen ihren Betriebsstandort positiv. Bei den weichen Standortfaktoren schnitten die „Nähe zu Kammern und Verbänden“ sowie die „medizinische Versorgung“ eher gut ab, dagegen werden die „überregionale Verkehrsanbindung“, die „Breitbandversorgung“ und das „Fachkräfteangebot“ eher kritisch gesehen. Wichtigster Standortfaktor ist die Verkehrsinfrastruktur – ein allgemein problematisches Thema für Stade. Gut für die Wirtschaftsförderung: 83 Prozent der antwortenden Unternehmen sind mit den Leistungen zufrieden bis sehr zufrieden. Aber: 13 Unternehmen wussten gar nicht, dass es die Wirtschaftsförderung gibt – was sich durch die Befragung nun geändert hat. Hier will das Team um Thomas Friedrichs verstärkt ansetzen und die Ergebnisse der Befragung zum Anlass nehmen, um mit den Unternehmen in Kontakt zu treten. wb