Ein unternehmerisches Schwergewicht im Elbe-Weser-Raum

Foto: Hans-Lothar Kordländer/einIm Mischfutterwerk Apensen werden bis zu 70 000 Tonnen Getreide verarbeitet, das Landwirte aus der Region ernten.

Von der Kartoffelzucht zum breit aufgestellten Dienstleistungs- und Handelsunternehmen mit weltweiten Verbindungen: Die Stader Saatzucht

Die Stader Saatzucht zählt zu den größten Warengenossenschaften ihrer Art in ganz Deutschland. Mit 298 Millionen Euro wurde der Umsatz trotz eines insgesamt leicht rückläufigen Preisniveaus im vergangenen Geschäftsjahr erneut gesteigert. Inzwischen erstreckt sich das Unternehmen über den gesamten Elbe-Weser-Raum. Heute gehören der Genossenschaft mehr als 2000 Mitglieder an. Die Stader Saatzucht wurde 1918 gegründet. Ihre Aufgabe lag zunächst in der Beschaffung, Züchtung und Verwertung von Saatgut. 1921 begann die eigene Kartoffelzucht. Zehn Jahre später vermittelte die Saatzucht auch Düngemittel an die Landwirte. Mit dem Ertrag konnten wiederum Kartoffel-Neuzüchtungen finanziert werden.

Die bereits in den Anfängen erkennbaren Bemühungen, eine enge Abstimmung in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Stade und den berufsständischen Organisationen zu pflegen, sind bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. Dieses zweckmäßige und harmonische Miteinander dürfte wesentlich zur Entwicklung der Landwirtschaft im Stader Raum beigetragen haben.


Heute wird die Stader Saatzucht von Axel Lohse, Hans-Jürgen Brunkhorst und Ralf Löhden geführt – sie bilden den Vorstand. Die Stader Saatzucht erstreckt sich mittlerweile über sechs Landkreise in den Ländern Niedersachsen, Harburg und Bremen. Immernoch wird enger Kontakt zu der deutschen Ernährungswirtschaft, zu Unternehmen der Landwirtschaft und zu Nahversorgern der Bevölkerung gehalten.

Ein eigenes Tankstellennetz

Foto: Hans-Lothar Kordländer/ein

Vorstandsmitglied Axel Lohse freut sich über den hohen Anteil von Stammkunden bei der Stader Saatzucht. Foto: Hans-Lothar Kordländer/ein

Das Geschäftsfeld hat sich innerhalb der Saatzuchtgeschichte zunehmend erweitert. Nicht mehr wegzudenken sind das Energie-Geschäft und die Lieferung von Diesel und Heizöl an die Kunden. Außer Heizöl werden heute allerdings auch Holzhackschnitzel, Gas und Strom – somit auch leitungsgebundene Energie – angeboten. „Da passte irgendwann auch die Tankstelle hinein“, berichtet Axel Lohse. Heute umfasst das Unternehmen ein umfangreiches Netz von 23 Tankstellen. Lohse: „Wir sind ins deutsche Tankstellennetz TND integriert.“ Zusätzlich kamen im Lauf der Jahre Autowaschanlagen hinzu. Auch das zunächst zarte Pflänzchen der Raiffeisen-Märkte wuchs beständig. „Zuerst haben wir in den landwirtschaftlichen Standorten nur ein paar Gummistiefel nebenbei an die Landwirte verkauft“, erinnert Lohse an die Anfänge. Dann entwickelten sich erste Märkte in Fredenbeck und Harsefeld. Heute betreibt die Stader Saatzucht 18 Raiffeisen-Märkte mit inzwischen mehr als 120 Mitarbeitern.

Da Lastwagen ohnehin schon vorhanden waren, war es nur noch ein kleiner Schritt zum Baustoffhandel. Im Laufe der Zeit erfolgte eine Fusion mit anderen Baustoffunternehmen zum „Saatzucht – team baucenter“, das heute an sechs Standorten zu finden ist. Die Sparte Logistik wurde weiter ausgebaut. Auch im Viehgeschäft ist die Saatzucht aktiv.

Das von den Landwirten während der Ernte angelieferte Getreide wird insbesondere im Mischfutterwerk in Apensen zu hochwertigem Tierfutter verarbeitet. Inzwischen werden hier jährlich 100 000 Tonnen produziert. 60 000 bis 70 000 Tonnen von der Ernte der hiesigen Landwirte verbleiben in Futtermitteln, die regional verfüttert werden. Die Stader Saatzucht ist zu
20 Prozent an dem leistungsstarken Unternehmen HL Hamburger Leistungsfutter GmbH beteiligt, das auch international Misch- und Spezialfutter vertreibt und über ein eigenes Kraftfutterwerk im Hamburger Hafen verfügt (Harburg). Durch ständige Erweiterungen gehört das Werk in Apensen zu den Dauerbaustellen der Stader Saatzucht. Zurzeit werden gerade wieder zwei große Getreidesilos gebaut.

Nach den Worten von Lohse soll das ländliche Geschäft weiter vertieft werden. Im landwirtschaftlichen Bereich müsse verstärkt über neue Kooperationen nachgedacht werden. Axel Lohse freut sich: „Viele Kunden, die uns gefunden haben, werden zu Stammkunden.“ Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 450 Mitarbeiter.

Das Stader Unternehmen ist eine von vier Gesellschaftern der Europlant-Gruppe mit 14 Tochterunternehmen mit Zuchtstandorten in Mitteleuropa und Nordamerika. Insgesamt zehn der 21 bedeutendsten Kartoffelsorten in Deutschland werden von der Stader Saatzucht zusammen mit der Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion in Agathenburg und Freiburg angebaut.