Fakten haben auf dem Teller nichts zu suchen, gekauft wird emotional . . .

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Nachhaltigkeit, Mechanisierung, Automation und Schädlingsbekämpfung im Gemüseanbau – Gespräch mit Rudolf Behr, Gemüse-Produzent aus Ohlendorf

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Rudolf Behr ist der Vorstandsvorsitzende der Behr AG. Er führt das Unternehmen in vierter Generation.

Er ist ein Großer in der Branche und nimmt kein Blatt vor den Mund: Im Gespräch mit Business & People räumt Rudolf Behr, Aktionär und Vorstand der Behr AG in Thieshope/Seevetal, mit einigen Vorurteilen auf und überrascht mit Aussagen zum Thema Nachhaltigkeit und Regionalität, die zu denken geben. Mit einer Bewirtschaftungsfläche von 4000 Hektar gehört die Behr AG zu den großen deutschen Unternehmen im Bereich des Gemüseanbaus. Das Erfolgsrezept: konsequente Mechanisierung und Automation. Dazu hat Behr eigens das „Zwölf-Meter-System“ erfunden. Trotzdem geht er mit der eigenen Branche hart ins Gericht und sagt ironisch: „Wenn wir heute über die Entwicklung von neuen Sorten sprechen, dann gelten nicht die Regeln des guten Geschmacks, sondern eher die des Fußballs. Eine gute Züchtung muss vor allem trittfest sein und gute Flugeigenschaften haben . . .“

Mechanisierung ist nachhaltig

Wir treffen uns im Besprechungsraum auf dem Firmengelände in Ohlendorf. Rudolf Behr kommt gerade von einer Tagung und hat allerlei Zündstoff im Gepäck. Da geht es um globale Aspekte der Ernährung von sieben Milliarden Menschen, um das Thema Energie, um Flächenpolitik und das Wort des Jahrzehnts: Nachhaltigkeit. Behr: „Ein Beispiel: Wenn wir von Regionalität sprechen, tun wir das, weil wir vom Sinn regional erzeugter Produkte überzeugt sind. Der Konsument hält es vor allem für ökologisch sinnvoll, wenn beispielsweise die Transortwege kurz sind. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist die Regionalität im Gemüsebau wegen der dann zwingend kleinteiligen Produktion aber eine Katastrophe.“

Das muss erklärt werden. Behr weiter: „Es ist ja ungleich verteilt: Im Norden Deutschlands haben wir große Flächen, die einen hohen Mechanisierungsgrad erlauben, aber eine vergleichsweise dünne Besiedelung, also wenig Konsumenten vor Ort. Der Frucht- und Flächenwechsel durch die hohe Flächenverfügbarkeit garantiert einen ökologisch sinnvollen Anbau. Im Süden Deutschlands haben wir eine dichtere Besiedelung, aber überwiegend kleine Flächen und eine geringere Flächenverfügbarkeit und damit eine häufigere Belegung mit Gemüsekulturen, die bei geringem Mechanisierungsgrad intensiv bewirtschaftet werden müssen, um ausreichend Erträge zu erzielen. Ein hohes Maß an Mechanisierung erlaubt durch große Arbeitsbreiten und weniger Fahrspuren eine wesentlich höhere Stückzahl auf der Fläche, was im konventionellen Anbau zu geringerem Chemieeinsatz pro Pflanze führt.“ Seine Formel: Je größer die Flächen und die Arbeitsbreiten der Maschinen, desto nachhaltiger die Produktion.

Die Behr AG hat als Nutzerin großer Ackerflächen beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern das Zwölf-Meter-System entwickelt. Behr: „Eine Pflanzmaschine ist bei uns zwölf Meter breit. Dasselbe gilt für die Hackmaschine und die Erntemaschine. Bei dieser Breite haben wir nur zwei Fahrspuren für die Räder, in denen durch die Bodenverdichtung keine Pflanzen wachsen können, statt 6 Spuren in kleineren Einheiten. Im Vergleich zu den üblichen Maschinen bekommen wir
25 Prozent mehr Pflanzen auf die Fläche. Da die Flächen unabhängig vom Besatz immer gleich bewässert, gedüngt und gespritzt werden, heißt das im Umkehrschluss, dass wir 25 Prozent weniger Wasser, Dünger und Spritzmittel pro Pflanze verbrauchen.“ Aber: „Das funktioniert nur auf großen Flächen und im Rechteck.“ Anders ausgedrückt: Bei der einer kleinteiligen Ackerstruktur, die häufig  im Süden Deutschlands anzutreffen ist, kann das effektivere Verfahren nicht im großen Stil angewendet werden – was in der Gesamtbilanz zu einer höheren Umweltbelastung führt.

Hackmaschine mit 31 Kameras

Maschinen dieser Ausmaße haben einen Preis, der ebenfalls zu denken gibt. Sowohl die Ernte- als auch die Pflanzmaschine kosten zwischen 600 000 und einer Million Euro. Die mechanische Hackmaschine, die mit 31 Kameras ausgestattet ist und automatisch die Lücke zwischen zwei Salatköpfen erkennt, um dort den Boden so zu hacken, dass Unkraut keine Chance hat, kostet 800 000 Euro, führt aber zu einer deutlichen Senkung des Herbizid-Einsatzes. Derlei Investitionen lohnen nur, wenn große Flächen vorhanden sind und dementsprechend hohe Stückzahlen produziert werden können. Rudolf Behr hat bereits weitere Ideen, wie durch Maschinen beispielsweise der Einsatz von Spritzmitteln weiter reduziert werden kann. Er sagt: „Umweltgerechter Anbau ist nur durch Automation und Mechanisierung möglich. Wir setzen heute nur einen Bruchteil dessen um, was technisch machbar ist. Geeignete Flächen wären in Deutschland ausreichend vorhanden.“