„Frucht-Business“ – People-Business“

Sven Heinsohn (von links) hat das Unternehmen Global Fruit Point vor zehn Jahren mit seinen Partnern Rene Struve und Matthias Neuel gegründet. Thies Claußen leitet die Qualitätssicherung. Im Hintergrund sitzen Ein- und Verkäufer an ihren Bildschirmen. Foto: Andrea Heinsohn Photography

Global Fruit Point in Buxtehude: Sven Heinsohn und Thies Claußen über den schnellen Handel mit Traube, Mango & Co.

Nein, die Banane kommt nicht aus dem 3-D-Drucker. Und ebenfalls nein: Äpfel und Birnen wachsen nicht am selben Baum. Manchmal wundert sich Sven Heinsohn darüber, wie wenig junge Menschen, insbesondere Kinder, über das Metier wissen, in dem er zu Hause ist. Heinsohn ist Fruchthändler und hat vor zehn Jahren zusammen mit Matthias Neuel und Rene Struve in Buxtehude die Global Fruit Point GmbH gegründet. Das Unternehmen handelt mit Früchten, die überwiegend auf der Südhalbkugel wachsen, und sorgt dafür, dass es im Lebensmitteleinzelhandel das ganze Jahr über Traube, Mango & Co. zu kaufen gibt. Eigentlich wäre ein Im- und Export-Unternehmen dieser Art eher in Hamburger Hafennähe zu vermuten, aber mit der heutigen Technik ist der Standort völlig unerheblich. Die Gründer kommen aus der Region Buxtehude/Altes Land und haben den Anspruch, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen.

Der Slogan heißt „A passion for Fruit”, doch Früchte sind auf den ersten Blick gar nicht zu sehen: In den Räumen von Global Fruit Point dominieren Rechner und Bildschirme. Hier sitzen unter anderem die Ein- und Verkäufer – in der Regel gelernte Groß- und Außenhandelskaufleute mit Spezialwissen aus dem Fruchthandel. Das Unternehmen beschäftigt rund 30 Mitarbeiter, darunter sechs in Rotterdam sowie zwei in Prag, und macht einen Jahresumsatz von 120 bis 130 Millionen Euro. Beliefert wird der Lebensmitteleinzelhandel in ganz Deutschland, aber auch in Skandinavien, Österreich, Frankreich, Belgien und Osteuropa sitzen Kunden. Hinzu kommen Abnehmer aus den Bereichen Catering und Gastronomie sowie im Premiumsegment auch Kunden auf den Großmärkten in Deutschland.
Ganzjährig verfügbar


„Unser Ziel ist die ganzjährige Verfügbarkeit von Früchten im Handel“, sagt Thies Claußen, Agraringenieur und Leiter der Qualitätssicherung bei Global Fruit Point. „Wenn die mediterrane Saison für Zitrusfrüchte zu Ende geht, sorgen wir für Nachschub aus den Ländern der Südhalbkugel.“ Die Handelsagentur hat sich auf Erzeuger in Süd- und Zentralamerika, Süd- und Westafrika, der Karibik sowie Neuseeland spezialisiert, aber auch Indien, Ägypten und Israel zählen zu den Herkunftsländern.
China fehlt in der Auflistung. Der Grund: „Zu wenig Transparenz“, sagt Sven Heinsohn. „Wir sind dafür verantwortlich, dass einwandfreie Ware in den Handel kommt. Dazu pflegen wir enge Kontakte zu den Erzeugern. Wir reisen in alle Herkunftsländer. Wir können jede Frucht bis in die Plantage und die Reihe, in der der Baum steht, zurückverfolgen. Und wir sprechen dabei über eine Größenordnung von 200 bis 2000 Hektar Anbaufläche pro Betrieb.“ Der persönliche Kontakt zu den Erzeugern schafft Vertrauen. Thies Claußen: „Frucht-Business ist People-Business.“

Sven Heinsohn ist ein Freund hanseatischer Kaufmannstradition und bezeichnet sich selbst als Kaufmann alter Schule: „Bei uns werden Verträge noch mit Handschlag gemacht. Wir verkaufen nur Produkte, von denen wir wissen, wo sie herkommen, und die wir selbst auch essen würden.“ Gleichwohl ist die Kontrolle der Ware Pflicht. In der Abteilung von Thies Claußen befassen sich ein halbes Dutzend Mitarbeiter damit, den hohen Qualitätsstandard zu garantieren. Das heißt: Warenproben werden von Laboren getestet, bevor die Früchte in den Handel gelangen. Heinsohn: „Unsere größte Herausforderung: Wir haben keine Zeit, denn wir handeln mit leicht verderblicher Ware. Der Weg vom Erzeuger bis in die Auslage im Supermarkt muss möglichst schnell erledigt werden.“

Ware aus Übersee

Die frische Ware aus Übersee kommt in Containern per Schiff. Thies Claußen: „Etwa 80 Prozent des Fruchtimports wird über Rotterdam abgewickelt. Deshalb haben wir dort sechs Kollegen vor Ort, die die Ware in Empfang nehmen. Die Qualitätskontrolle im Labor machen Dienstleister für uns.“ Über den Hamburger Hafen importiert Global Fruit Point etwa 20 Prozent seines Gesamtvolumens.
An erster Stelle im Frucht-Ranking bei Global Fruit Point stehen übrigens Trauben – sie machen das größte Handelsvolumen aus. Sven Heinsohn: „Alle Sorten, alle Farben und überwiegend kernlos.“ Es folgen Birnen, Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Grapefruits und die sogenannten „Easy Peeler“ – die leicht zu schälenden Mandarinen und Clementinen), Steinobst (Pflaumen, Nektarinen) und Beerenobst sowie Äpfel (überwiegend Clubsorten wie zum Beispiel Pink Lady). Unter den mehr oder weniger exotischen Früchten finden sich Mangos, Avocados, Granatäpfel, Melonen (aus Brasilien und Zentralamerika), Sharon-Früchte, Litschis und Kiwis (Neuseeland). Die Auflistung zeigt auch: Der internationale Handel erfordert von den Mitarbeitern gute bis hervorragende Sprachkenntnisse. Sven Heinsohn: „Hauptsprachen sind Englisch und Spanisch, aber auch Französisch ist erforderlich.“ Bewusst wurden deshalb auch einige Muttersprachler eingestellt.

„Früchte sind sexy“

Sven Heinsohn sagt „Fruchtkaufmann“, wenn er nach seinem Beruf gefragt wird. Von Haus aus ist er Groß- und Außenhandelskaufmann. Über den Fruchthandelsverband gibt es die Möglichkeit einer Spezialisierung auf den Handel mit Früchten. Der Unternehmer bedauert, dass das Thema in den Medien eigentlich kaum vorkommt. Er sagt: „Dabei sind unsere Produkte wirklich sexy. Sie schmecken gut, machen fit, sind gesund, werden in Handarbeit geerntet. Und sie erzählen eine Geschichte. Deshalb finde ich es wirklich traurig, dass Eltern ihren Kindern so wenig zum Thema Obst und Gemüse vermitteln.“
So richtig auf die Palme brachte Heinsohn jüngst der Bericht einer Boulevard-Zeitung, die zum Thema Inflation vor allem die stark erhöhten Gemüse- und Obstpreise aufgeführt hatte: „Da fragt keiner nach den Gründen, aber auch die Verbände halten nicht dagegen – der Öffentlichkeitsauftritt unserer Branche ist verbesserungswürdig. Wenn man weiß, was vor einigen Wochen in Süd­europa los war – Kälte und Überschwemmungen –, dann kennt man die Gründe. Da sind ganze Ernten vernichtet worden. Deshalb sind die Preise temporär gestiegen.“ Es sei eben nicht selbstverständlich, dass gerade Obst und Gemüse ganzjährig im Handel verfügbar seien. Etwas mehr Wertschätzung für die Branche wäre manchmal schon wünschenswert – gerade in einem Land, das europaweit die niedrigsten Lebensmittelpreise hat.
Wertschätzung ist ein Thema, das die Ver­antwortlichen bei Global Fruit Point auch in entgegengesetzter Richtung verstehen. Konkret wird dies an dem sozialen Engagement in der Region, aber auch in den Erzeugerländern. Sven Heinsohn: „Wir un­ter­stützen Schulen und Kindergärten in einigen Herkunftsländern, ebenso Wohnprojekte und Ausbildungsinitiativen vor Ort.“ Und auch vor Ort in Buxtehude: Global Fruit Point ist Sponsor beim BSV-
Liga-Fußball . . . wb

Web: www.globalfruitpoint.de