Reine Handarbeit und ein Wettlauf mit der Zeit

Julia BalzerVater Hans- Jürgen Werner (links) und sein Sohn Christoph Werner führen das Unternehmen gemeinsam. Hier stehen beide vor dem Hofladen in Deinste, einer alten Hofstelle mit Fachwerkhaus aus dem Jahr 1848. Fotos: Julia Balzer

Auf dem Spargelhof Werner in Deinste werden an Spitzentagen bis zu 100 Kilogramm Spargel gestochen pro Erntehelfer

Sie kommen aus Polen und Rumänien – und stechen in Deinste, was der Spargel hergibt: Seit vielen Jahren ist das Erntehelfer-Team am Start. Paul ist der Dienst­älteste, der seit Beginn des Spargelanbaus 1984 auf dem Spargelhof Werner dabei ist. Er kommt wie viele seiner Kollegen jedes Jahr wieder und fühlt sich in diesen Wochen wie in einer großen Familie. „Inzwischen arbeiten auch viele Kinder unserer Erntehelfer auf den Feldern oder in der Produktionshalle“, sagt Christoph Werner, der für den Verkauf des Spargels sowie der Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und Kirschen zuständig ist. Zehn Jahre nach Beginn des Spargelanbaus ist sukzessiv der Anbau von Beerenfrüchten hinzugekommen. Seit 2013 produziert Werner auch Kirschen.
Die Erntesaison startet mit dem Spargel. Auf insgesamt 180 Hektar in einem Umkreis von zehn Kilometern rund um Deinste wird das Edelgemüse angebaut. Zur Ernte reisen ab Ende März 200 polnische Helfer an, die wenige Wochen später mit Beginn der Beerenernte nach und nach von 400 rumänischen Erntehelfern ergänzt beziehungsweise abgelöst werden. „Für viele ist es immer ein großes Wiedersehen“, freut sich Christoph Werner, denn dass sich die meisten aus den Vorjahren kennen, sorgt für einen reibungslosen Arbeitsablauf. Meistens jedenfalls. Es kommt auch mal Stress auf, aber das ist angesichts der Kürze der Erntezeit verständlich.
Bei gutem Wetter wächst der Spargel fünf bis zehn Zentimeter pro Tag. Das bedeutet, dass er an solchen Tagen zweimal gestochen werden muss – ein Wettlauf mit der Zeit nicht nur für die Feldarbeiter, sondern auch für alle anderen Hilfskräfte in diesem Produktionsprozess. 17 Fahrer touren mit ihren Sprintern bis zu zwei Mal täglich auf festen Routen durch das gesamte Elbe-Weser-Dreieck, um alle Verkaufsstellen, den Lebensmittel-Einzelhandel und die Gastronomie mit feldfrischen Produkten zu beliefern.

Hoffest mit 
allen Mitarbeitern


Der gezahlte Mindestlohn ist für einen Zehn-Stunden-Tag bei einer Sechs-Tage-Woche die Entlohnung für die anstrengende Arbeit.
Es gilt aber auch das Leistungsprinzip: Wer mehr als die geforderte Mindestmenge an Spargel sticht, wird extra entlohnt. Das ist für viele ein Ansporn, zumal die besten Spargelstecher beim sogenannten Bergfest feierlich gekürt werden. Dieses Hoffest ist zu einer liebgewonnenen Tradition in der Saisonmitte geworden, zu deren Anlass alle Erntehelfer, Verkäufer, Fahrer und Büromitarbeiter eingeladen werden. Hier wurde nicht nur schon einmal der Rekord im Spargelstechen gefeiert (29 Tonnen an einem Tag!), das Zusammentreffen dient auch dazu, jeden Mitarbeiter mit den Abläufen des Produktionsprozesses vertraut zu machen: Verkäufer erfahren zum Beispiel, dass das Spargelstechen nicht nur einiges Geschick erfordert, sondern auch körperliche Anstrengung bedeutet. Die Fahrer lernen, dass in der Produktionshalle vor dem Packen der Kisten jede Spargelstange nach Größe, Farbe und Krümmung sortiert, gewaschen und geschält wird. Auch über den aufwändigen Anbau, die Pflege und mühevolle Ernte der Beerenfrüchte berichtet Christoph Werner und stellt fest: „Die Mitarbeiter sind immer wieder erstaunt darüber, wie viel Fleiß, Zeit und Arbeit es kostet, bis ein Bund Spargel oder eine Schale gut schmeckender Erdbeeren in den Verkaufsständen landet.“
Nur mit sorgfältiger Planung, logistischer Weitsicht und fundiertem Know-how ist es möglich, ein Produkt so frisch vom Feld aus der Nachbarschaft in den Einkaufskorb zu bringen. „Aus der Region für die Region“ lautet die Philosophie auf dem Spargelhof Werner. Das Unternehmen setzt auf den Direktvertrieb durch sechs Hofläden, Verkaufserdbeeren und zahlreiche Verkaufsstände vornehmlich im Lebensmitteleinzelhandel, um den Anspruch an Frische und Regionalität zu erfüllen. Dass auch die Spitzengastronomie zu Werners Kunden zählt, spricht für eine hohe Qualität der Produkte. bal

Kontakt: Spargelhof Werner Kirchweg 6, 21717 Deinste 
Telefon: 0 41 49/93 48 40 
Mail: info@werner-spargel.de

Web: www.werner-spargel.de