Spirulina macht das Eis blau

Das blaue Eis sticht farblich heraus. Hier kommt Spirulina zum Einsatz.

Thema Entwicklung: Eisbär Eis bringt pro Jahr etwa 60 neue Produkte auf den Markt

Blaues Eis? Das war bis vor ein paar Jahren noch undenkbar, wenn es zu den Vorgaben eines Unternehmens zählte, nur natürliche Farbstoffe zu nutzen. Dank Spirulina platensis, einer Blaualgen-Art, können Lebensmittel jetzt auf natürlichem Wege blau gefärbt werden. Für Martin Ruehs und Isabel Schuldt, Geschäftsführer von Eisbär Eis in Apensen, gehört die Farbe Blau deshalb zu einer festen Größe im Sortiment. Blau steht für ein Mischaroma, das geschmacklich am ehesten mit Kaugummi beschrieben werden kann und vor allem bei Kindern gut ankommt. Die Produktion von Speiseeis ist innerhalb der Lebensmittelindustrie ein spezielles Thema, denn Unternehmen wie Eisbär müssen sich ständig etwas Neues einfallen lassen, um den Markt zu bedienen. Manchmal sind dazu fast hellseherische Fähigkeiten erforderlich, denn wer weiß schon, welche Sorte im kommenden Sommer besonders gut ankommt und entsprechend nachgefragt wird.

Klassiker: 
Das Eisknusperhaus


Martin Ruehs: „Wir betreiben zwar keine eigene Forschung, aber wir schauen uns das Marktumfeld sehr genau an und wissen, was beispielsweise auf dem Süßwarenmarkt, im Segment Speiseeis allgemein und auch in den Bereichen Konditorei und Molkerei passiert. Daraus lassen sich dann durchaus gute Ideen entwickeln.“ Rund 300 solcher Ideen werden pro Jahr geboren. Seltener stehen dabei die eigentlichen Geschmacksrichtungen im Fokus, oft sind es die Darreichungsformen. Der Klassiker: Vor etwa 15 Jahren kam Helmut Klehn, Vater von Isabel Schuldt, auf die Idee, zu Weihnachten ein Eisknusperhaus auf den Markt zu bringen, eine 1,3-Liter-Eistorte in Form eines Lebkuchenhauses. Das Saisonprodukt wurde für einen Kunden aus der Heimdienstbranche entwickelt und wird mittlerweile europaweit verkauft.
300 Produktideen im Jahr sind dennoch ein hoher Wert. „Viele Ideen erreichen nicht den Projektstatus. Die Trefferquote liegt etwa bei 20 Prozent“, sagt Martin Ruehs. Was immerhin 60 Neuheiten pro Jahr entspricht. Bevor ein Produkt im Einzelhandel gelistet wird, hat es eine Menge Hürden hinter sich. Nicht jede geniale neue Geschmacksrichtung, die von dem Entwicklerteam (Ökothrophologen, Lebensmitteltechniker, Anwendungstechniker) in Apensen kreiert und auf die Produktionslinien zugeschnitten wird, erreicht den Gaumen des Eisgenießers, denn im Handel gelten andere Gesetze. Da kommt es beispielsweise darauf an, dass sich die Ware gut und schnell verkauft. Allein das Mindesthaltbarkeitsdatum sorgt für reichlich Zeitdruck. Und: Ein für die Weihnachtssaison produziertes Eis muss am 
24. Dezember verkauft sein – danach „läuft“ der Artikel nicht mehr. Folglich gibt es eine Tendenz zum Ordern klassischer Produkte, von denen bekannt ist, dass sie sich planmäßig verkaufen lassen.