„Wir sind Ansprechpartner in der Metropolregion“

Dr. Annika B. Schröder ist seit 2012 Geschäftsführerin des Branchennetzwerks foodactive e.V.

foodactive e.V. ist das Netzwerk der Ernährungsbranche Gespräch mit Geschäftsführerin Dr. Annika B. Schröder

Branchennetzwerk, Erfahrungsaustausch, politische Kontakte, Gespräche auf Entscheiderebene, Beratung, Integration von Flüchtlingen – es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen, sich dem Verein foodactive anzuschließen. Diese Aussage gilt für etwa 400 Unternehmen der Ernährungswirtschaft in der Metropolregion Hamburg. 60 Betriebe sind in dem Netzwerk, das seinen Ursprung 2009 auf niedersächsischer Seite hatte, bereits organisiert. Seit 2013 ist foodactive ein eingetragener Verein, initiiert von der Süderelbe AG, und das offizielle Branchennetzwerk der Hamburger Ernährungswirtschaft. Geschäftsführerin Dr. Annika B. Schröder: „Wir sind der Ansprechpartner der Ernährungswirtschaft in der Metropolregion.“

2009 hatte die Süderelbe AG EU-Mittel für die Förderung der Ernährungswirtschaft in den Landkreisen Harburg, Lüneburg, Stade, Uelzen und Lüchow-Dannenberg bekommen und für den Job eine versierte Projektmanagerin gefunden: Annika Schröder, bis dato in Diensten der foodRegio in der Region Lübeck, die mittlerweile als Branchen-Netzwerk für ganz Schleswig-Holstein aktiv ist. Die Mitgliederstruktur von foodactive ist vielfältig. Da finden sich Erzeuger und Verarbeiter ebenso wie Handelsunternehmen, Dienstleister aus dem Logistik-Bereich und wissenschaftliche Institutionen wie die HAW Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Studiengang Food Science Master) und das DIL Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück. Letzteres macht deutlich, dass foodactive eine beträchtliche Reichweite hat. Annika Schröder: „Der Ketchup-Produzent Zeisner sitzt beispielsweise vor den Toren Bremens. Wer sich der Branche zugehörig fühlt und bei uns mitmachen möchte, ist willkommen.“ Eine Chance zum Kennenlernen bietet die zweite Maibock-Veranstaltung, zu der food­active für den 18. Mai Mitglieder und Interessenten ins Blockbräu (Hamburger Landungsbrücken) einlädt. Unter anderem geht es dort um Trends auf ausgewählten Agrarrohstoffmärkten – und natürlich um das Netzwerken.

Permanent überprüft

Annika Schröder: „Unser Verein richtet sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen. Es gibt aber durchaus auch Projekte mit den Großen der Branche.“ Die jüngsten Neuzugänge kommen aus dem Norden und Osten Hamburgs: Grossmann Feinkost aus Reinbek und Hansa Mineralbrunnen (Hella) aus Rellingen.

Die Mitglieder auf einen Blick: http://www.foodactive.de/foodactive-ev/mitgliedsunternehmen-foodactive-ev.html

Insgesamt betrachtet ist die Ernährungswirtschaft in Deutschland in einer widersprüchlichen Situation: Zum einen stellen die Verbraucher höchste Ansprüche an Qualität und Sicherheit, zum anderen zahlen die Deutschen im europäischen Vergleich die geringsten Preise. Das setzt die gesamte Branche unter einen erheblichen Wettbewerbsdruck, wie Annika Schröder bestätigt. Erschwerend kommt hinzu, dass es eher negative Geschichten sind, die den Weg in die Öffentlichkeit finden – Stichworte: Pestizidbelastungen, EHEC (siehe auch Seite 21), Massentierhaltung und Vogelgrippe. Annika Schröder: „Dabei produziert gerade die deutsche Ernährungsbranche extrem hochwertige Lebensmittel. Die Unternehmen werden hoch- und runterzertifiziert und permanent überprüft. Es geht qualitativ einfach nicht besser. Aber das wird nur selten kommuniziert.“

Dass es in der Branche auch „schwarze Schafe“ gibt, räumt die foodactive-Geschäftsführerin ein. Umso wichtiger sei es aus Sicht der „weißen Schafe“, für Transparenz zu sorgen und zu zeigen, wie produziert wird, woher die Rohware stammt und wie für 1A-Qualität gesorgt wird. Die eingangs beschriebene Unwucht zwischen den Ansprüchen und den niedrigen Preisen kommentiert sie so: „Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Deshalb ist es wichtig, dass die Verbraucher umdenken und auch bereit sind, höhere Preise in Kauf zu nehmen.“

Voneinander profitieren

foodactive ist in diesem Spannungsfeld ein Mittler: „Wir sorgen dafür, dass kein Unternehmer für sich allein bleiben muss. Bei uns können sich die Entscheider austauschen und auch von den Erfahrungen anderer lernen .“ Und sogar geeignete Nachwuchskandidaten finden, wie Annika Schröder sagt: „Wir haben einen Talent-Pool gebildet. Da können Unternehmen geeignete Bewerber beispielsweise für Ausbildungsplätze melden. Manchmal gibt es ja durchaus zwei, drei tolle Bewerber, aber nur eine Stelle. Unser Ziel ist es, die Talente in der Region zu halten. Deshalb haben wir den Pool eingerichtet. Das entspricht unserem Netzwerkgedanken.“
Der Verein engagiert sich auch bei der Flüchtlingsintegration und wird speziell in diesem Bereich von Hamburg gefördert. Die Praxistage Food dienen dazu, Menschen mit Migrationshintergrund den Einstieg in die Berufswelt zu eröffnen

Web: www.foodactive.de