Qualität und Quantität: Die Universität auf Wachstumskurs

INTERVIEW Sechs Fragen an den neuen TU-Präsidenten Ed Brinksma

Der neue Präsident der TU Hamburg: Der Holländer Prof. Dr. Ed Brinksma tritt sein Amt mit einer kooperativen Grundhaltung an. Foto: TUHH/Eva Häberle

Der neue Präsident der TU Hamburg: Der Holländer
Prof. Dr. Ed Brinksma tritt sein Amt mit einer kooperativen
Grundhaltung an. Foto: TUHH/Eva Häberle

Der vorherige TUHH-Präsident Garabed Antranikian hat seinem Nachfolger auf dem Stuhl des Präsidenten der Technischen Universität Hamburg ein bestelltes Haus inklusive Wachstumsstrategie hinterlassen: Prof. Dr. Ed Brinksma (60) hat das Amt des TUHH-Präsidenten zum Jahresbeginn übernommen. Er war Rektor der Technischen Universität Twente und dort Informatik-Professor. Er baut zukünftig auf qualitatives Wachstum und setzt auf Kooperationen. B&P-Redakteur Wolfgang Becker traf ihn im Präsidentenbüro der TU Hamburg.

Als neuer Präsident der TU Hamburg werden Sie sicherlich auch ein paar Dinge verändern. Haben Sie sich schon einen Überblick darüber verschafft, was das sein könnte?
Mir ist es wichtig, erst einmal mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TUHH vor Ort ins Gespräch zu kommen, um ihre Arbeit zu erleben und direkt ihre Einschätzung wahrzunehmen. Zudem wird es ja ein Wachstumskonzept für die Universität geben und damit auch eine Richtung, in die wir gehen werden. Es finden sich eine Reihe von Ansätzen, die wir weiterverfolgen werden. Wichtige Themen bleiben unsere Kompetenzfelder wie Luftfahrt und Maritimes, Life Science, Green Technologies und auch das Thema Nachhaltigkeit. Ein wichtiger Punkt ist natürlich auch die Produktionstechnologie. Darauf werden wir weiter aufbauen.

Das Wachstumskonzept ist auf jeden Fall eine tolle Steilvorlage für einen neuen Präsidenten . . .
Hamburg verändert seinen Fokus. Früher war für Hamburg vor allem der Hafen wichtig. Die Universitäten, die Wissenschaft und Forschung spielten eine nicht so große Rolle in der strategischen Ausrichtung der Stadt. Mittlerweile hat sich das grundlegend geändert. Das Wachstumskonzept bietet uns eine chancenreiche Ausgangslage, um die TUHH quantitativ und vor allem auch qualitativ weiter nach vorne zu bringen.

Werden sich Schwerpunkte in den Studieninhalten ändern?
Ganz wichtig ist das Thema Digitalisierung. Das gilt für alle Bereiche, da sie alle Bereiche tangiert. Das Thema ist klar erkannt, aber für die Bedarfe der Zukunft müssen wir uns verstärken und besser profilieren.

Stichwort Luftfahrt: Wir haben die Nähe zu Airbus. Es gibt eine Menge Zulieferer, mehrere Institute der TUHH und eine Verzahnung mit dem DLR und Fraunhofer. Welchen Stellenwert geben Sie diesem Themenkomplex?
Mit Blick auf die weltweite Konkurrenz müssen wir in diesem Kompetenzfeld stark engagiert bleiben. Das gilt ebenso für urbane Lufttransportsysteme, wie beispielsweise Drohnen im städtischen Lieferverkehr. Das schließt auch die Beantwortung von Fragen im gesellschaftlichen Kontext ein. Solche Fragestellungen und das Bewusstsein um Auswirkungen von neuer Technik werden auch für die TUHH einen höheren Stellenwert bekommen.

Wie offen sind Sie für die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten?
Ich bin Holländer, und Holländer sind kooperationsfähig und -freudig. Wenn man aus einem kleinen Land kommt, dann muss man zusammenarbeiten, will man für sein Unternehmen oder seine Universität eine Wirkung erzielen. Das ist meine Grundhaltung. Ich denke, dass wir in einer zunehmend globalisierten Welt Herausforderungen nicht mehr alleine bewältigen werden, dafür sind die gesellschaftlichen und technologischen Anforderungen zu komplex und vielschichtig. Wir sind natürlich für die Zusammenarbeit. Dafür stehen zum Beispiel verschiedene Kooperationen mit der MINT-Fakultät der Universität Hamburg, der Leuphana in Lüneburg, der HAW und auch der HSU. Genauso bleiben wir auch im Gespräch mit den außeruniversitären Einrichtungen wie dem DESY oder dem Helmholtz-Zentrum in Geesthacht (Materialforschung, Anm. d. Red.). Und die TUHH ist nicht erst seit dem Wachstumskonzept eine attraktive Partnerin.

Letzte Frage: Kochen Sie eigentlich auch so gerne wie Ihr Vorgänger?
Ja! Es scheint, Kochen ist heutzutage ein beliebtes Hobby bei Hochschulpräsidenten!