Harald Witte –Geschichte eines Pioniers

Foto: Wolfgang BeckerMit einem Käfer fing 1965 alles an, der ähnelte dem aktuellen Modell in der Kuhn + Witte-Ausstellung allerdings nur bedingt: Firmengründer Harald Witte mit Schwiegersohn Jan Rommel und Tochter Kerstin Witte. Beide sind geschäftsführende Gesellschafter. Foto: Wolfgang Becker

50 Jahre Kuhn+Witte in Jesteburg

Mitte der 60er-Jahre – das Wirtschaftswunder in Deutschland ist auf seinem Höhepunkt angekommen, die Ölkrise der 70er-Jahre noch nicht in Sicht. Es ist die Zeit der Pioniere. Mutige Männer, die den Traum von der Selbstständigkeit träumen. Die anpacken können. Und die sich etwas zutrauen. Harald Witte ist so ein Mann. Nach seiner Ausbildung zum Kfz-Schlosser bei Maack in Bendestorf, sieben Gesellenjahren bei Tesmer in Harburg und dem Betrieb einer freien Werkstatt in Hamburg bemüht er sich um einen Vertrag mit einem deutschen Hersteller. Ziel: die Eröffnung einer eigenen Vertragswerkstatt in Jesteburg. Witte gründet 1965 mit seinem Partner Eberhard Kuhn eine VW-Vertragswerkstatt in Jesteburg.

Witte, heute 79 Jahre alt, erinnert sich: „Wir durften reparieren und den Service für VW machen, aber nicht verkaufen. Uns war lediglich die Vermittlung von Verkäufen erlaubt.“ Das beliebteste Auto der Deutschen war damals der berühmte Käfer. Witte: „Na klar, das erste Auto, das wir an den Mann brachten, war ein Käfer. Im ersten Jahr vermittelten wir dann 120 Kaufverträge. Da hatte Volkswagen ein Einsehen – nach nur einem Jahr hatten wir den Händlervertrag. Das war 1967.“ 1974 folgte auf den Bestseller Käfer der erste Golf. Wieder ein Erfolgsmodell, das sich blendend verkaufte und dafür mitverantwortlich war, dass Kuhn+Witte beständig wuchs. Mitte der 70er-Jahre kam außerdem Audi als neue Marke unter dem Volkswagen-Dach hinzu, nachdem sich Mercedes von Audi-NSU getrennt hatte. Seitdem steht der Name Kuhn+Witte für den Verkauf und Service der Marken Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Audi.


Ab 1984 führte Harald Witte die Geschäfte alleinverantwortlich weiter, behielt den Firmennamen aber weiter – bis heute. Er sagt: „Die Entwicklung war rasant. Unser Firmensitz an der Harburger Straße war schon bald zu klein, sodass wir einen sehr großzügig dimensionierten Neubau im Gewerbegebiet am Allerbeeksring planten. Heute platzen wir schon wieder aus allen Nähten.“

Der gebürtige Westpreuße, der gegen Kriegsende als Neunjähriger mit seiner Mutter beim großen Treck gen Westen flüchtete, und später dem Vater beim Betrieb eines Fuhrunternehmens mit Pferd und Wagen half, hat seine Chance genutzt: „Ich würde es noch einmal genauso machen“, sagt er. „Die Entscheidung der Unternehmensgründung war richtig. Dass ich das so sagen kann, habe ich vor allem meiner Frau zu verdanken, die mir immer den Rücken freigehalten und alles mitgetragen hat.“ Urlaub hat Harald Witte in all den Jahren des Aufbaus selten gemacht – einmal jedoch richtig: „1972 wurden Eberhard Kuhn und ich von Volkswagen zu einem zweiwöchigen Urlaub nach Thailand eingeladen – ein Dankeschön, weil wir so viele Autos verkauft hatten, die mit der damals neuen Servolenkung ausgestattet waren. Ich muss schon sagen – das war mal ein Abenteuer.“

Seit zehn Jahren hat sich der Senior aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Seine Tochter Kerstin ist seit 1989 als geschäftsführende Gesellschafterin aktiv, ebenso Schwiegersohn Jan Rommel, der 2005 in die Geschäftsführung einstieg. wb

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