Bohren war gestern, jetzt wird gelasert

HerbstHerbst-Geschäfts­führer Philipp Herold (rechts) und sein Schwager Oliver Herold stehen vor den beiden neuen Maschinen und zeigen Bauteile, die per Laserschneid- und Abkanttechnik produziert wurden.

Neu im Hamburger Süden: Herbst Maschinenfabrik nimmt CNC-gesteuerte Laserschneid- und Abkanttechnik in Betrieb.

Mit einer Großinvestition hat sich die Herbst Maschinenfabrik in Buxtehude neu aufgestellt und bietet im Hamburger Süden eine besondere Form der Metallverarbeitung an. Einen hohen sechsstelligen Betrag hat der Familienbetrieb für den Kauf einer CNC-gesteuerten Laserschneidanlage und einer CNC-gesteuerten Abkantbank ausgegeben. Beide Maschinen arbeiten sozusagen Hand in Hand. Die neue Anlage am ebenfalls neuen Standort in der Rudolf-Diesel-Straße optimiert automatisch den Materialeinsatz und macht umständliche Schweißarbeiten beispielsweise an Edelstahlgehäusen und anderen Bauteilen überflüssig. Generell kann die Herbst Maschinenfabrik zudem sogenannte Baugruppen fertigen. Neben der Laserschneid- und Kanttechnik stehen hierfür vielfältige Bearbeitungstechniken, wie zum Beispiel verschiedene Schweißmethoden sowie Dreh- und Frästechniken und vieles mehr zur Verfügung.

Vorteil gegenüber der üblichen Plasmaschneidetechnik: Die Schnitte sind deutlich sauberer und filigraner. Oliver Herold (35), der diesen neuen Geschäftszweig betreut, hat sogar eine Firmen-Visitenkarte aus dünnem Blech lasern lassen – ein Werbe-Gag, der zugleich belegt, wie filigran die Anlage arbeitet.

Im Wesentlichen soll die Anlage für die eigene Produktion eingesetzt werden, aber Geschäftsführer Philipp Herold (38) betont, dass die freien Kapazitäten für Auftragsarbeiten aller Art zur Verfügung stehen. Mit der Laserschneidetechnik können „Bleche“ aus Stahl (bis zu 25 Millimeter), Edelstahl (20 Millimeter) und Aluminium (12 Millimeter) vollautomatisch geschnitten werden. Die computergesteuerte Maschine kann Platten von den Ausmaßen 1,5 bis drei Meter verarbeiten. Größere Bauteile werden in Sektionen zerlegt und anschließend aneinandergeschweißt.

Das Unternehmen Herbst musste entsprechende Bauteile bislang teuer einkaufen. Philipp Herold hatte sich deshalb auf dem Maschinenbau-Markt im Hamburger Süden umgesehen und festgestellt, dass es da vor allem im Landkreis Stade eine Lücke gibt, die die hohe Investition rechtfertigt.

Er sagt: „Wir haben aus der Branche bereits ein gutes Feedback und sind überzeugt, hier ein Angebot zu machen, das bislang fehlte.“

Und so funktioniert das Grundprinzip:  Am Rechner werden die Koordinaten programmiert, die der Laser auf der Metallplatte abfährt. Die zweidimensionalen Rohlinge werden leicht nachbearbeitet und bekommen die dritte Dimension dann ebenfalls computergesteuert durch die Abkanttechnik. Die Anlage kann das Werkstück auf sechs Achsen drehen und exakt nach Winkelvorgabe kanten. Heraus kommt beispielsweise ein Gehäuse, das früher aufwendig aus verschiedenen Bauteilen zusammengeschweißt werden musste.

Oliver Herold: „Die Laserschneidetechnik lässt sich vielfältig einsetzen – zum Beispiel für Bedienelemente von Schaltschränken. Löcher für Schalter und Displays mussten früher einzeln gestanzt oder gesägt werden. Jetzt schneidet der Laser einfach ein feines Loch in die Platte – fertig. Dasselbe gilt für Verkleidungen.“ Die neue Anlage steht seit Anfang des Jahres. wb

Kontakt:
Oliver Herold, Telefon
0 41 61/72 39-28,
Mail: o.herold@herbst-mischtechnik.de

Web: www.herbst-mischtechnik.de

Info: Die Herbst Maschinenfabrik – seit 1878

Der Name Herbst steht für ein deutsches Traditionsunternehmen, das 1874 in Halle an der Saale gegründet wurde. 1997 wurde es von dem Unternehmer Rainer Herold (+ 2013) übernommen und nach Buxtehude verlegt. Heute führen seine Kinder, Philipp und Anne Herold, die Geschäfte. Das Herbst-Logo findet sich vornehmlich auf Industrierührmaschinen, die beispielsweise in der chemischen Industrie, in der Labortechnik und vor allen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie eingesetzt werden. Herbst baut die Behälter und Rührwerke, programmiert die Steuerungen und steuert die Elektrotechnik bei. Produziert wird in der Regel nach den individuellen Vorstellungen der Kunden, die Rührmaschine aus dem Katalog ist eher die Ausnahme.

Die Herbst-Kunden kommen vielfach aus Deutschland sowie Europa und Nahost. Aber auch in China und auf dem amerikanischen Kontinent rührt Herbst. Zu den Kunden zählen beispielsweise Henkel, Nestlé, BASF, Airbus und Tesa. Von der Rührmaschine mit einem Fassungsvolumen von zwei Litern bis hin zu 15 Kubikmetern – technisch ist alles möglich. Auch die Viskosität spielt fast keine Rolle. Herold: „Wir rühren zum Beispiel auch hochviskose Schmierfette.“ Eingebaut werden hierfür beispielsweise Planetendisolverrührwerke. Eine besondere Herausforderung ist die Heiztechnik, wie Dr. Ralf Wicke sagt, Ingenieur für Verfahrenstechnik und Vertriebsmann. Dazu werden mehrwandige Behälter gebaut, die innen heizen, ohne dass sich jemand von außen die Finger verbrennen kann. Jetzt wird alternativ an der „Ohmschen Erwärmung“ geforscht – ein Verfahren auf elektrischer Basis. Wicke: „Wir nehmen regelmäßig an Forschungsvorhaben teil, machen zurzeit unser siebtes Projekt – da geht es um Gemüsetrocknung. Herbst baut den Trocknungsmischer.“

Die Herbst Maschinenfabrik beschäftigt 23 Mitarbeiter. Derzeit gesucht werden Industriemechaniker, die auch mit Zwei-Millimeter-Blechen umgehen können. wb