„Den Porsche in der Garage . . .“

Bandbreite1Arnold G. Mergell (Mitte) diskutierte mit Stephan Neumann (von links) und Marco Müller sowie Jürgen Schneider (von rechts) und Dr. Carsten Brosda über die Internet-Infrastruktur. Auch die Zuhörer wurden involviert. Foto: Wolfgang Becker

Wirtschaftsverein diskutiert über das Thema Breitband-Versorgung Staatsrat Dr. Carsten Brosda referiert

Mangelnde Bandbreite in Zeiten wachsender Datenströme und steigender Vernetzungsaktivitäten ist ein bundesweit diskutiertes Thema. Hamburg nimmt dabei im Ranking der Bundesländer eine einsame Spitzenstellung ein, wenn es um die Versorgung privater und gewerblicher Kunden mit Netzkapazitäten geht. Unabhängig davon wird aber auch in der Hansestadt über zu hoch empfundene Kosten für Betriebe und die mangelnde staatliche Förderung diskutiert. Tatsächlich ist das Thema viel komplexer als gemeinhin sichtbar – das wurde jetzt bei einer gut besuchten Veranstaltung des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden in der ElbLOGE im Binnenhafen deutlich. Titel: „Genug Breite im Band?“

Mit Dr. Carsten Brosda hatte der Wirtschaftsverein den Mann als Impulsgeber eingeladen, der in Hamburg als Staatsrat in der Senatskanzlei die Bereiche Medien und Digitalisierung verantwortet. Arnold G. Mergell, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsvereins, betonte in seiner Einführung, auch Harburg sei ein Hochtechnologiestandort. Viele Firmen arbeiteten mit Hochdruck an ihrer Digital-Strategie – ein pulsierendes Quartier, leider mit einer lahmen Internet-Infrastruktur. Mergell: „Wir haben den Porsche in der Garage, wohnen aber in einer verkehrsberuhigten Zone . . .“

„Disruption“, so viel steht fest, ist das Wort des Jahres 2015 unter Deutschlands Geschäftsleuten. „Disruption“ ist immer und überall, alles und jedes wird „disrupted“, sogar der Tante-Emma-Laden um die Ecke, der sich eine App bastelt, kommt sich mächtig progressiv vor. Disruptiv halt.
Zitat aus der FAZ

Brosda benannte in seinem Eingangsreferat die drei Wellen der Digitalisierung, die es bislang gegeben habe: in den Bereichen Medien/Kommunikationstechnologie, Produktion/Logistik („Besonders im Hafenbereich ist Hamburg bundes-, wenn nicht europaweit der Hidden Champion.“) sowie Öffentlicher Raum/Infrastruktur. Die Disruptionsgefahr sei allerdings groß: „Erstaunlicherweise sind die derzeit erfolgreichen Unternehmen die letzten, die auf die Digitalisierung reagieren. Und damit den ersten Schritt in einen sich abzeichnenden Misserfolg setzen.“ Disruption (zu deutsch: Unterbrechung) benennt letztlich den Untergang ganzer Branchen durch das Aufkommen innovativer Technologien. Ein plastisches Beispiel ist der Weltkonzern Amazon, der sich anschickt den klassischen Buchhandel überflüssig zu machen.

Seit 2015 verfolgt der Hamburger Senat die Strategie der digitalen Stadt. Laut Brosda sind davon Regierungsdienstleistungen ebenso betroffen wie die öffentliche Infrastruktur (Stichwort Verkehrssteuerung) und Innovationsräume für Unternehmen. Kurz: Die Datenflüsse verstärken sich beständig – eine Herausforderung für die Netze. Brosda: „Die Bandbreiten-Situation in Hamburg ist gar nicht so schlecht.“ Zwar gebe es immer noch Regionen, in denen die privaten Versorger aus Kostengründen nicht aktiv werden – beispielsweise in den Vierländer Straßendörfern entlang der Elbe –, aber grundsätzlich sollen bis 2018 95 bis 98 Prozent der Haushalte und Unternehmen die Möglichkeit haben, sich an einen Anschluss mit 30 bis 50 Mbit/Sek. anzudocken. Der Staatsrat betonte allerdings auch, dass die Breitbandversorgung bewusst keine staatliche Leistung, sondern privatwirtschaftlich organisiert sei. Entsprechend kompliziert sei es, den Netzausbau staatlich zu fördern.

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Brosda, Marco Müller (Datec Pro GmbH), Stephan Neumann (German Fiber Solution) und Jürgen Schneider (Telekom) wurde das Thema von Mergell vertieft. wb