Der lange Weg zu den Fördertöpfen

Foto: Wilfried StiefHandwerkskammer, IHK und das Land Niedersachsen hatten im Flur der Stader Hochschule PFH Beratungsinseln geschaffen.

Premiere in Stade: Wirtschaftsministerium und Unternehmerverbände veranstalten ersten Wirtschaftsfördertag – Unternehmer berichten.

Um das Abwandern von Unternehmen in andere Bundesländer zu verhindern, lockt Niedersachsen mit verschiedenen Fördertöpfen. Wer allerdings jemals so einen Topf anzapfen wollte, der weiß: Allein der bürokratische Aufwand ist immens. Die Bedingungen haben es ebenfalls in sich. Trotzdem wirbt das Land mit monetärer Unterstützung. Mehr noch: Um das Thema zu präsentieren und zu diskutieren, wurden jetzt erstmals Wirtschaftsförderungstage ins Leben gerufen – veranstaltet vom Wirtschaftsministerium und den Unternehmerverbänden. Die Premiere ging mit Podiumsdiskussion und Info-Ständen im Hansecampus Stade über die Bühne.

Mit Fördermitteln bis zu einer halben Million Euro verschaffte sich Ralf Borchers, im niedersächsischen Wirtschaftsministerium für den Mittelstand zuständig, die Aufmerksamkeit der etwa 100 Unternehmer, die den Weg zum Hansecampus gefunden hatten. Dafür müsse dann aber auch eine geballte Ladung Innovationskraft in die Waagschale geworfen werden können, so Borchers. Kurz: Das Land will fördern, aber wenn schon, dann doch eher innovative Geschäftsmodelle und Projekte. Es geht auch niederschwelliger: Ein neues Programm fördert die niedersächsischen Klein-Unternehmer. Das sei bereits bereits 100 Firmenchefs zugutegekommen, so Borchers. Auch die Startups, die sich mit neuen Geschäftsmodellen auf dem Markt etablieren wollen, bräuchten Geld für risikoreiche Unternehmungen und erhielten Förderung.


Drei geförderte Unternehmer standen bei der Podiumsdiskussion im Hörsaal der PFH Rede und Antwort und berichteten von ihren Erfahrungen mit den Fördertöpfen. „Wir haben alles angezapft, was geht“, sagte Christian Schönborn von SugarShape, einem Anbieter von BHs und Bademoden für „Frauen mit Kurven“. Auch der Innovationstopf sei dabei gewesen, berichtete der Geschäftsmann, der sein Unternehmen mit zwei Frauen schmeißt. Der Förderantrag habe mit seinen 30 Seiten allerdings schon ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit und Beschäftigung abverlangt. Aber bei allem Formalismus – das klappe schon, so Schönborn versöhnlich.

Ärger mit dem Breitband

Fabio Tinagli kann den umfangreichen Bewerbungsunterlagen durchaus etwas Positives abgewinnen. Man müsse sich viele Gedanken über sein Unternehmen machen und auch über „Eventualitäten“ nachdenken, meinte der Unternehmer, der mit seiner Firma Helekta in Tostedt innovative Beleuchtungstechnik vertreibt. Sebastian Roux, in Nordholz in der IT-Branche unterwegs, empfahl seinen Unternehmerkollegen, das Gespräch mit Beratern zu suchen. „Die kennen sich aus und zeigen die beste Fördermöglichkeit auf“, so seine Erfahrung.

In einer weiteren Fragerunde bekannten sich alle drei zum Wirtschaftsstandort Niedersachsen. Der Standort sei preislich attraktiv, die Nähe zu Unis in Hamburg, Bremen und Hannover ebenso. Nur der Ausbau des Breitbandnetzes sei ein Negativpunkt. Der habe zu spät begonnen und sei nicht richtig koordiniert worden, so IT-Experte Roux. Schlechte Erfahrungen mit einem lahmen Internetzugang vermeldete auch Christian Schönborn aus Stelle: „Es geht, wenn auch schlecht.“

Dass die Landesregierung ein Auge auf die Rahmenbedingungen habe, betonte Ralf Borchers. Der Breitbandausbau sei von 40 Prozent auf 75 Prozent in den vergangenen vier Jahren gestiegen, sagte er. Auch das sei Wirtschaftsförderung, die der Gesamtheit der 304 000 Unternehmen in Niedersachsen nütze.