Die Harburg Vision 4.0 steht

Schlossinsel-Marina Das war die Harburger Perspektive 2011 – durch ein Eisentor am Harburger Schloss betrachtet. Die Brachflächen sind längst bebaut. Das Schloss ist saniert. Und die Schlossinsel-Marina wird nun in einem zweiten Anlauf vermarktet. So rasant wie der Binnenhafen entwickelt sich Harburg in Gänze zwar nicht, aber der Wirtschaftsverein arbeitet an mehreren Fronten, um das aufzuholen.

Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden  ordnet die Aktivitäten für weitere drei Jahre – Neu dabei: das Thema Innovation.

Jürgen Winand


Jochen Winand, Vorsitzender des Wirtschaftsvereins für den
Hamburger Süden, erläuterte die Drei-Jahres-Strategie des
Wirtschaftsvereins unter dem Titel Harburg Vision 2020/50.
Fotos: Wolfgang Becker

Mit der dritten Fortschreibung der Harburg Vision 2020/50 setzt der Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden einen neuen Schwerpunkt. Als weiteres Arbeitsfeld ist das Thema Innovation hinzugekommen, das von Martin Mahn verantwortet wird. Der Geschäftsführer der TuTech Innovation GmbH ist in den Vorstand aufgerückt und hat sogleich einen neuen inhaltlichen Akzent gesetzt. Wie sich der Verein für die nächsten drei Jahre aufstellt, erläuterte der Vorsitzende, Jochen Winand, im Gespräch mit B&P.

Alle drei Jahre setzt sich der Verein intensiv mit der Harburg Vision auseinander, die in den Jahren 2008 und 2009 entwickelt wurde, um wirtschaftliche Perspektiven für Harburg aufzuzeigen. Gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft und der Wirtschaft wurde damals ein Papier vorgelegt, das Themenfelder definiert und die Vorstandsmitglieder in die Pflicht nimmt. Sie leisten diese Arbeit ehrenamtlich. Dieser Aufgabenkatalog steht im Drei-Jahres-Rhythmus auf dem Prüfstand.

2016 ist wieder ein Drei-Jahres-Zyklus vorüber. Im Oktober beginnt nun die Harburg Vision 4.0. Ziel des Wirtschaftsvereins ist es, Akteure an einen Tisch zu bringen und Impulse zu setzen, denn einen dicken Millionen-Etat gibt es nicht. Es kann also nicht aktiv gehandelt, nur gemeinsam vorgedacht werden. Mittlerweile wurden zwei Projekte erfolgreich abgeschlossen.

Neu: Das Startup-Gateway

Unter der Überschrift Innovation will Martin Mahn eine gemeinsame Plattform für interessierte Existenzgründer, Startups und Jung-unternehmen entwickeln – das sogenannte Startup-Gateway. Ziel ist es, bestehende Angebote zu verknüpfen und zu ergänzen, für mehr Sichtbarkeit zu sorgen und neue junge Unternehmen anzuziehen. Parallel dazu soll das Thema Existenzgründungen für Zuwanderer angepackt werden, um gut ausgebildete Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ebenfalls in diesen Themenkomplex gehört die Gründung eines „Future Campus“ im Harburger Binnenhafen. Hier soll es um ein „begehbares und erlebbares Testfeld“ für neue Technologien gehen. Ein praktisches Beispiel ist der e-Roller, der hier zum Einsatz kommen soll. Winand: „Hier sollen neue Technologien konkret angewendet werden können. Auch testweise. So können wir den Hamburger Süden als Hightech-Standort positionieren.“

Das Themenbündel Industrie 4.0 & Technologie wird von Arnold G. Mergell verantwortet. Nach einer Bestandsaufnahme des Technologiesektors im Hamburger Süden soll unter dem Namen TecHub Harburg die Vernetzung der Technologie-Szene vorangetrieben werden. Dazu hatte es in der Vergangenheit bereits mehrere Anläufe gegeben, die aber zu Interessenskollisionen beispielsweise mit der Handelskammer Hamburg führten. Mittlerweile ist das Thema in der Wirtschaftsbehörde verortet. „Dort wird an der Umsetzung eines Konzepts gearbeitet, das auf den Harburger Aktivitäten basiert, mittlerweile aber auch drei weitere Technologiestandorte in Hamburg einbindet“, sagt Winand. Das Thema wird jetzt verstärkt unter dem Gründeraspekt betrachtet.

Das bisherige Thema Verkehrsinfrastruktur, verantwortet von Andreas Schildhauer, heißt jetzt Mobilität & Verkehr. Hier ist handfeste Lobbyarbeit gefragt, denn es geht nach wie vor um regionale und überregionale Verkehrsverbindungen und deren Ausbau. Aber: Schildhauer soll mit Unterstützung von Martin Mahn auch Themen wie e-Mobilität auf dem Wasser und die Errichtung einer Wasserstofftankstelle im Binnenhafen bearbeiten.

Gleich vier bisherige Themenblöcke – Cityentwicklung, Standortvermarktung, StudentenStadt und WohnStadt – sind unter dem Oberbegriff Urbane Mitte Harburg in die Obhut von Heinrich Wilke gewandert. Er ist ein ausgewiesener Immobilienexperte und soll ein „Bündnis für den Umbau der Harburger Mitte“ initiieren. Ziel ist es, private Investoren in die Innenstadt zu lenken. Wilke, der nicht im Vorstand des Wirtschaftsvereins sitzt, soll sozusagen eine Brücke zwischen potenziellen Investoren und den übergeordneten Stadtplanern sowie den Gremien aus Politik und Verwaltung schaffen. Weitere Wilke-
Themen sollen folgende sein: Digitalisierung in der City und Digitales Wohnen sowie die Weiterentwicklung beziehungsweise Neuinstallation von Business Improvements Districts (BID) als „Investitions-BIDs“.

Als einzige hat Franziska Wedemann, Stellvertreterin von Jochen Winand, ihr Arbeitsfeld, den Nachwuchscampus, behalten. Hier geht es im Wesentlichen um Schulkooperationen mit Unternehmen. Diese Form der Berufsorientierung ist offenbar sehr erfolgreich und soll künftig auch auf Handwerksbetriebe ausgeweitet werden. Besonders im Fokus stehen die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik/ IT/ Naturwissenschaften/
Technik). Für dieses Projekt hat die Wirtschaftsbehörde aktuell einen Förderbescheid über
20 000 Euro erteilt.

Winand: „Das gesamte Programm ist jetzt wieder auf drei Jahre ausgelegt. Danach ziehen wir Bilanz und schauen, wie es weitergeht.“