Die magische Grenze: 7 Grad Celsius

Foto: Wolfgang BeckerMathias Burmeister und Kerstin Witte in der Werkstatt: Hier in Jesteburg werden auch Fahrzeuge anderer Hersteller repariert.

Jesteburger Autohaus Kuhn+Witte bereitet sich auf den großen Ansturm vor – Mehr als 20 000 Winterräder müssen montiert werden.

Für die Mitarbeiter ist es ein Ausnahmezustand – der allerdings zwei Mal im Jahr eintritt: Im Winter und im Sommer steht der Reifenwechsel an. Für das Jesteburger Autohaus Kuhn + Witte beginnt jetzt ein Service-Marathon, der zehn Wochen lang alle Kräfte fordert. Geschäftsführerin Kerstin Witte: „Wir tauschen in dieser Phase mehr als 5000 Rad-Sätze aus.“ Weil das den normalen Werkstattbetrieb zu sehr belasten würde, hat sich die Geschäftsführung den „Boxenstopp“ einfallen lassen. An zehn Samstagen stehen bis zu 20 Mechaniker sowie fünf Serviceberater und zwei Serviceassistentinnen jeweils bis etwa 14 Uhr im Autohaus bereit, um die Autos der Kunden fit für den Winter zu machen.

Serviceberater Mathias Burmeister: „Pro Fahrzeug kalkulieren wir eine Stunde Arbeit. Es ist ja nicht damit getan, mal eben vier Räder zu wechseln. Wichtig ist eine gründliche Reinigung der Radnaben, damit sich die frisch montierten Räder nicht lockern. Natürlich werden die Reifen kontrolliert. Außerdem müssen die Reifendruckkontrollsysteme eingestellt werden. Dann machen wir auf jeden Fall eine Probefahrt.“ 2700 Radsätze hat Kuhn+Witte in einer eigenen Halle eingelagert, noch einmal dieselbe Menge bringen die Kunden zum Boxenstopp mit.


Tipp: Wenn die Temperatur unter sieben Grad Celsius sinkt, beginnt die Gummimischung der Sommerreifen hart zu werden. Die Reifen haben dann nicht mehr die optimale Bodenhaftung. Der Bremsweg verlängert sich, was bei einem Unfall lebensentscheidend sein kann. Da das Wetter unkalkulierbar ist, gilt für den Wechsel die Regel „Von O bis O“ – von Oktober bis Ostern sollten Winterreifen aufgezogen sein.

Der Reifenwechsel-Marathon gehört zum umfangreichen Service-Konzept, mit dem Kuhn+Witte erfolgreich am Markt ist. Kerstin Witte: „Wir haben in unserem Unternehmen 36 Mechaniker beziehungsweise Mechatroniker sowie Karosseriebauer und Karosseriemechaniker, wie es heute heißt. Darunter sind sechs Servicetechniker, also Mitarbeiter, die sich ein Jahr lang direkt beim Hersteller – VW oder Audi – in verschiedenen Kursen weiterqualifiziert haben.“ Burmeister: „Die Herausforderungen werden immer größer. Themen wie Fehlerdiagnose, Multimedia, Internet im Auto und die Elektronik im Allgemeinen erfordern spezielle Kenntnisse.“ Die Kurse werden mit einer IHK-Prüfung abgeschlossen.

Ganz speziell geht es auf dem Feld der E-Mobilität zu. Burmeister: „Da hier mit hohen Stromstärken gearbeitet wird, darf so ein Fahrzeug nur von Fachkräften betreut werden. Dazu ist die Ausbildung zum Hochvolt-Techniker nötig. Unter der Motorhaube warnt ein Schild vor der hohen Spannung. Das kann lebensgefährlich sein.“

Die üppig ausgestattete Werkstatt von Kuhn+Witte ist übrigens nicht nur den eigenen Audi- und VW-Kunden vorbehalten, wie Kerstin Witte betont: „Wir übernehmen den Service auch, wenn das Auto nicht bei uns gekauft wurde. Unsere Karosseriewerkstatt ist in der Lage, alle normalen Unfallschäden zu beheben. Wir sind zudem Alu-Schweißstützpunkt und verfügen über eine elektronische Richtbank.“ Für Lackierarbeiten steht neben anderen Betrieben in Harburg Stadt und Land als Partner der ersten Stunde das Unternehmen Grundt in Buchholz bereit.

Einen speziellen Service für Fahrzeugflotten von Firmen bietet Kuhn+Witte ebenfalls an. Das betrifft die normale Wartung ebenso wie den Reifenwechsel im Herbst und im Frühjahr. Das Spektrum reicht vom Einsatz vor Ort bis hin zum Hol- und Bringedienst, den das Autohaus selbstverständlich auch für Privatkunden bereithält. Acht bis zehn Mitarbeiter erledigen diese logistische Aufgabe. Außerdem stehen in Jesteburg rund 80 Mietwagen bereit, um dem Kunden Mobilität zu garantieren.

Tipp: Firmenfahrzeuge müssen zusätzlich zur Hauptuntersuchung einmal pro Jahr zur UVV-Untersuchung – UVV steht für Unfallverhütungsvorschrift. In diesem Fall wird das Fahrzeug gezielt unter Sicherheitsaspekten unter die Lupe genommen (Gurte, Licht und Ähnliches). In der Regel erledigen die Werkstätten das mit. Ein gelbes Siegel am Holm der Beifahrertür gibt Auskunft, ob die Überprüfung stattgefunden hat. Fehlt das Siegel, kann es im Schadensfall Komplikationen geben – vor allem, wenn Menschen betroffen sind.

Ob Blechschaden, Scheibenreparatur (zu denselben Konditionen wie Carglas), Räderservice oder schwerer Unfallschaden – Kuhn+Witte ist speziell im Karosseriebereich gut ausgerüstet. Die Achsvermessungsbühne ist ebenso für Modelle aller Marken (bis 7,5 Tonnen) geeignet wie die elektronische Richtbank, die viele Werkstätten nicht vorweisen können. Das Jesteburger Autohaus ist Unfallspezialist für Audi und VW, aber Kerstin Witte sagt: „Wir ziehen hier auch einen BMW wieder gerade . . .“ wb

Web: www.kuhn-witte.de

Info: Tag der offenen Tür

Oldtimer-Ausstellung: So feierte Kuhn+Witte den fünfzigsten Geburtstag.

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Harald WitteBeim Tag der offenen Tür anlässlich des 50-jährigen Jubiläums hatte Kuhn+Witte auch ein paar „Altstars“ eingeladen – Fahrzeuge aus der Zeit, als sich Unternehmensgründer Harald Witte selbstständig machte. Für B&P setzte er sich noch einmal in den alten Käfer, mit dessen Verkauf die Erfolgsgeschichte des Unternehmens damals begonnen hatte. Zahlreiche Besucher nutzten den strahlenden Sommertag, um auf dem Firmengelände in Jesteburg einmal hinter die Kulissen zu schauen. wb