So geht digital – top concepts baut Online-Shop für Stahlhändler

Der Blick in das Zentrallager der Voß Edelstahlhandel GmbH & Co.KG in Neu Wulms­torf: Das Unternehmen ist Vorreiter im Online-Handel. Foto: Voß

B&P-GESPRÄCH Henrik Steffen über Chancen und Herausforderungen im Groß- und Außenhandel

Henrik Steffen ist geschäftsführender Gesellschafter von top concepts und gefragter Experte im Handel. 
Foto: top concepts

Progressive Zeiten machen auch vor konservativen Branchen nicht Halt. Der Handel mit Stahl gehört sicherlich zu den wirtschaftlichen Aktivitäten, die zurzeit noch eher traditionell abgewickelt werden – wäre da nicht zum Beispiel die Voß Edelstahlhandel GmbH & Co.KG in Neu Wulmstorf, die zu den wenigen Stahlhandelsbetrieben gehört, die ihre Ware im Online-Shop anbieten. Voß gilt damit als Vorreiter und „Online-Innovator“, wie es in einer Fallstudie des AGA Unternehmensverbands unter dem Titel „Geht Stahlhandel auch online?“ heißt. Beim 7. Norddeutschen Großhandelstag wurde der Fall Voß auf dem Podium mit Henrik Steffen und Sven Tietje diskutiert. Beide sind Gesellschafter des Harburger Unternehmens top concepts, das den Online-Shop für Voß und viele weitere namhafte Kunden konzipiert und realisiert hat. Voß wurde mit diesem Schritt zum Vorreiter der Branche und ist zugleich ein Beispiel dafür, dass der Online-Handel auch in unerwartete Wirtschaftszweige vorstößt.

Henrik Steffen gründete top concepts 1996 und beschäftigt heute 20 Spezialisten, von denen 16 im Channel-Tower (Harburger Binnenhafen) arbeiten, vier weitere in Warschau. Dort wird vor allem programmiert. Mittlerweile fokussiert sich top concepts stark auf Kunden im Bereich Groß- und Außenhandel. 2009 wurde für den Neu Wulmstorfer Elektrogroßhandel Zajadacz die Online-Shop-Lösung angeschoben. Steffen: „Seitdem bauen wir das System ständig aus und halten es auf modernstem Stand. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir langfristige Kundenbeziehungen haben.“ Über Zajadacz kam auch der Kontakt mit Voß zustande – beide Firmen sind Nachbarn.

Bestellung per App

Steffen: „Ein Großhandelsunternehmen wie Zajadacz hat etwa 270 000 Artikel im Sortiment. Wir bauten die digitale Architektur, die dafür sorgt, dass der Kunde seine Ware so schnell wie möglich erhält. Neu ist beispielsweise eine App, die der Handwerker auf seinem iPhone haben kann. Er kann dann auf der Baustelle beispielsweise den Barcode eines leer aufgefundenen Kartons scannen und sofort nachbestellen. Das erspart Wege und Zeit.“ Eine besondere Herausforderung beim Konzipieren der Online-Plattform sei zudem die Hinterlegung kundenspezifischer Preise. Überhaupt ist die Preisauszeichnung einer so großen Zahl von Artikeln ein besonderes Thema, da hier ständige Marktbewegungen für Veränderung sorgen. Das Preisgerüst ist nicht statisch, sondern wie ein lebender Organismus zu betrachten.
Steffen: „Den Voß-Online-Shop gibt es mittlerweile in sechs Sprachen. Wir haben hier sogar Bestellvorgänge mit Markierfunktionen hinterlegt, die es dem Kunden ermöglichen, individuelle Artikelnummern zu vergeben – ein Vorteil für die eigene Auftragsabwicklung.“ Und der Stahl-Shop kann noch etwas anderes: Er erstellt automatisch schematische Skizzen der Produkte anhand der hinterlegten Attribute, um so die Navigation zum gewünschten Produkt zu erleichtern. Steffen: „Mittlerweile haben wir weitere Kunden aus dem Stahlbereich gewonnen – allerdings eher aus Süddeutschland. Grundsätzlich gilt bei uns Exklusivität, denn wir bekommen durch unsere Arbeit tiefe Einblicke in die Unternehmen.“

Das System denkt mit

Was im digitalen Handel heute technisch möglich ist, zeigt auch das Beispiel Mager & Wedemeyer, einem Ersatzteilhändler aus Oyten, der sich auf Bau- und Landmaschinen spezialisiert hat und 3,5 Millionen (!) verschiedene Artikel anbietet. Steffen: „Im Online-Shop haben wir eine interessante Suchfunktion hinterlegt. Wer seinen Fendt-Traktor warten muss, gibt nur das Fabrikat ein – der Shop schlägt dann alle Teile vor, die für die Wartung nötig sind. Das ist ein toller Service und erspart dem Kunden viel Zeit und Recherche.“ Zeitaufwendige Anfragen (Wo ist meine Ware? Wie viel Stück sind auf Lager?) werden automatisiert beantwortet.

top concepts erarbeitet die kundenspezifischen Shop-Lösungen auf einer Oxid-Plattform. Die Freiburger Oxid eSales AG gilt als einer der renommiertesten Anbieter von E-Commerce-Lösungen im deutschsprachigen Raum. Steffen und sein Team übernehmen auch die Schnittstellenanpassungen, damit sich ein Shop in die bereits vorhandenen Kunden-IT-Systeme einpasst. Eine eigene Designabteilung sorgt für individuelle Optik, und der Kunde genießt Exklusivität.

Henrik Steffen reist mittlerweile durch die Republik und hält Fachvorträge beispielsweise für Verbände. Seine Expertise ist gefragt in einem Markt, der sich immer stärker anschickt, die digitalen Möglichkeiten auszuloten und auch zu nutzen. Ihn treibt ein anderes Thema um: „Wir haben zwar keine Vertriebsprobleme – der Flaschenhals ist aber auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Es gibt einfach kaum Web-Developer. ‚Was mit Medien machen‘ wollen viele junge Leute, aber wir programmieren halt keine Computer-Spiele. Was wir machen, ist anspruchsvoll und abwechslungsreich, aber nur wenige haben eine konkrete Vorstellung davon, was wir eigentlich genau tun. Wir bilden mittlerweile selbst aus, sind auf Nachwuchs-Börsen unterwegs und suchen Mitarbeiter – vor allem Entwickler, aber auch Fachinformatiker und Mediengestalter.“ wb

Web: www.topconcepts.de,
Die Fallstudie zum Thema 
Stahlhandel finden Sie unter 
topconcepts.de/aga16