Gesucht: Eine sinnvolle Nutzung für das IBA-Pionierobjekt Hybrid House

2_Photo_Fasade_1Einst ein Vorzeigeprojekt im IBA-Kontext, jetzt schwer vermittelbar? Das Hybrid House in Wilhelmsburg ist ein wandelbarer Zweckbau. Trotzdem lässt sich nur schwer eine sinnvolle Nutzung finden.

Es war eines der ambitioniertesten Projekte der IBA Hamburg 2013: Errichtet von der Hamburger Otto Wulff Bauunternehmung GmbH & Co. KG, war das Hybrid House das erste Gebäude überhaupt, das im IBA-Kontext in der neuen Mitte Wilhelmsburgs eingeweiht wurde. Ein Haus neuen Typs, geeignet zum Wohnen und/oder Arbeiten, mit akzentuierter Farbgebung und einer warftähnlichen bepflanzten Sockelkonstruktion. Die Ausstellungsfläche im Erdgeschoss war später beliebter Treffpunkt für die Besucher der internationalen gartenschau igs, die Wilhelmsburg zeitgleich zum Präsentationsjahr der IBA ein Blumenmeer im neuen Inselpark bescherte.

Energetisch auf dem neuesten Stand


Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen und das Hybrid House steht komplett leer. Interessenten für die kleinteiligeren Flächen in den Obergeschossen gibt es zwar, aber große Sorgen bereitet explizit das Erdgeschoss. Was, so fragen sich Immobilienfachleute, ließe sich aus so einem Haus alles machen! Das Multifunktionshaus, energetisch auf neuestem Stand, optisch auffällig und prominent gelegen, könnte zu einem zentralen Anlaufpunkt auf der Elbinsel werden. Etwa 20 000 Wohnungen sollen dort in den kommenden Jahren entstehen (siehe auch Interview Seite 2) – brauchte es da nicht ein Kommunikationszentrum beispielsweise für die Bürgerbeteiligung oder ein Ausstellungszentrum für die Stadt? Eine andere Idee: Hamburg will Olympia-standort werden. Hier wäre ein zentraler Ort, um dieses Megaprojekt der Metropolregion zu organisieren und zu präsentieren.

Andere Überlegungen liegen ebenfalls nahe: Angesichts der massiven Flüchtlingsproblematik könnte die Hansestadt das Hybrid House als witterungsunabhängige Möglichkeit zur Flüchtlingsbetreuung, oder gar -unterbringung nutzen und damit ein klares Zeichen pro Integration setzen. Seiner Bestimmung entsprechend ließe sich das Hybrid House ohne großen Aufwand in Wohnungen mit je 120 bis 130 Quadratmetern umwandeln, in denen Wohngemeinschaften leben könnten.

Im Erdgeschoss ließe sich eine Beratungsstelle oder sogar eine Erstaufnahme unterbringen. Aus Harburger Sicht ließe sich dazu anmerken, dass ein leerstehendes Haus allemal die bessere Lösung ist als Flüchtlingsschiff mit Mietkosten in Millionenhöhe und mangelhafter Entsorgungsinfrastruktur, so wie es mitten im Binnenhafen liegt.

Die Frage nach der künftigen Verwendung treibt nicht nur die IBA-affine Szene um, sie stellt sich insbesondere den Eigentümern. Geschäftsführer Simon Vollmer: „Bisher war es schwierig, trotz der unterschiedlichen Ideen und Ansätze den richtigen Nutzer für die Räumlichkeiten im Erdgeschoss zu finden.“ Aktuell gebe es gute Gespräche mit einer Kindertagesstätte. wb