Der Hamburger Handel plant eine eigene Digital-Akademie

NordhandelVolker Tschirch (von links), Philipp Krupke und Heinrich Grüter vertreten zwar jeder einen eigenen Verband aus dem Wirtschaftsbereich Handel, sie nutzen aber unter dem Nordhandel-Dach gemeinsame Synergien und auch Schulungsräume, die mit digitaler Technik ausgestattet sind – wie mit diesem Whiteboard.

So reagieren die Handelsverbände auf die „Zeitenwende“ – Gespräch mit Volker Tschirch (AGA), Heinrich Grüter (VMG) und Philipp Krupke (CDH).

it dem AGA Norddeutscher Unternehmensverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung, dem VMG Verband der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels und der CDH im Norden – Wirtschaftsverband für Handelsvermittlung und Vertrieb, haben sich drei Hamburger Verbände unter dem Namen Nordhandel zu einer Kooperation zusammengeschlossen. Ein Thema, das alle gleichermaßen beschäftigt, ist die Digitalisierung. B&P-Redakteur Wolfgang Becker sprach darüber mit den jeweiligen Hauptgeschäftsführern Volker Tschirch (AGA), Heinrich Grüter (VMG) und Philipp Krupke (CDH).

In welcher Form begegnet Ihnen das Thema Digitalisierung im Handel?

Grüter: Die revolutionärste und eben auch einschneidendste Entwicklung seit Gründung der Warenhäuser vor gut 100 Jahren ist in der Tat der Online-Handel. Zurzeit hat er einen Marktanteil von zehn Prozent. Wir wissen, dass der Lebensmitteleinzelhandel gerade in den Anfängen steckt, mit einem Online-Anteil von etwa einem Prozent. Noch nicht nennenswert, aber das wird sich ändern. Aber beim innenstadtrelevanten Sortiment – Fashion, Bekleidung, Schuhe und so weiter – sieht das schon ganz anders aus: Gerade hat der Bundesverband des Textileinzelhandels aktuelle Zahlen auf den Tisch gelegt. Bei Damenkonfektion lag der Online-Anteil im vergangenen Jahr bei 29 Prozent. Herrenbekleidung bei 21 Prozent. Im Schnitt also 25 Prozent. Bis 2025, also etwa übermorgen, sollen es 36 Prozent sein. Fast ein Drittel des innenstadtprägenden Sortiments wird online abgewickelt.



Heißt das auch, ein Drittel der Läden wird verschwinden?

Grüter: Nein, das natürlich nicht. Denn Sie brauchen zum Online-Handel den stationären Auftritt. Selbst die puren Online-Händler fangen an, auf diesem Gebiet zu experimentieren. Aber: Die stationären Einzelhändler müssen, wenn sie überleben wollen, online präsent sein. Vielleicht nicht mal im Handel, aber sie müssen ihr Sortiment zeigen.

Was sagen Sie denn dem kleinen Einzelhändler, der zugleich auch Einzelkämpfer ist – wie soll der das schaffen? Ein paar gibt es ja noch.

Grüter: Da dürfen wir uns nichts vormachen. Die ganz kleinen Einzelhändler werden es nicht schaffen, die Kosten zu schultern. Die Ketten schaffen das – und werden ja auch immer zahlreicher. Das einzige, was Städte noch voneinander unterscheidet, ist die architektonische und städtebauliche Umfeldsituation. Dieser Aspekt wird für den Bestand des innerstädtischen Einzelhandels immer wichtiger! Je auswechselbarer die Sortimente sind und je stärker der Online-Handel wird, desto wichtiger wird Stadtraum als Qualitätsmaßstab für das innerstädtische Angebot. Auch das ist eine Folge des Online-Handels.