Das Wohin zählt

Andreas Kuttenkeuler

Andreas
Kuttenkeuler, verantwortlich für die
Handwerksförderung in den Bezirken

Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern, wo man hin will. So lautet ein Slogan aus der Imagekampagne (des Handwerks). Mit diesem Credo geht das Handwerk aktuell auch auf die Flüchtlinge zu. Denn viele Handwerksmeister suchen händeringend Lehrlinge – die Nationalität ist ihnen dabei egal. Sie sind bereit, jungen Flüchtlingen eine Chance zu geben – aus eigenem Interesse. Aber dazu gehören auch Mut und Geduld: Viele Flüchtlinge bringen für den deutschen Arbeitsmarkt nur schlechte Voraussetzungen mit.


Es kommt eben nicht (nur) der gut ausgebildete Arzt aus Syrien. Oft fehlen Sprachkenntnisse, Qualifikationen und Zeugnisse, manche haben in ihren Heimatländern und auf der Flucht Schreckliches erlebt und sind traumatisiert. Aber sie können trotzdem etwas vorweisen: ihre Tatkraft, ihre Leistungsbereitschaft und eine hohe Motivation. Und sie erhalten etwas Wertvolles zurück: eine gute und solide handwerkliche Ausbildung im Dualen System. Damit erarbeiten sich die jungen Leute selbst die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft.

Diese gibt es aber nicht zu Nulltarif: Sprachkenntnisse sind das A und O des Miteinanders. Sei es im Betrieb, im Kontakt zum Kunden oder in der Berufsschule. Denn es geht um Verstehen, Verständigung und Miteinander. Eines darf bei allem Engagement des Handwerks aber nicht vergessen werden: Eine Ausbildung ist für die Betriebe auch eine Investition, die sich lohnen muss.

In Deutschland wird viel über Integration und Willkommenskultur geredet. Das Hamburger Handwerk macht vor, wie das konkret aussehen kann, ganz pragmatisch und unspektakulär. Denn: Flüchtlinge sind wahrscheinlich nicht die Lösung des deutschen Fachkräfteproblems. Aber sie können einen Beitrag dazu leisten.

In der Reihe „Grenzenlos: Innovationen im Handwerk“ stellt das Wirtschaftsmagazin Business & People innovative Handwerksbetriebe aus dem Hamburger Süden vor.

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