Unsere Antwort auf den demografischen Wandel: Holt die Jugend ins Unternehmen

Kuhn + WitteAm Empfang bei Audi: Anna Sophie Voß (vorn) absolviert bei Kuhn + Witte ihr Praxisjahr, um anschließend ihr Fachabitur zu machen. Nele Winkelmann lernt den Beruf der Automobil-Kauffrau und ist im zweiten Lehrjahr.

So schafft es das Autohaus Kuhn + Witte, bereits frühzeitig Kontakt zu potenziellen Azubis herzustellen.

Nachwuchswerbung ist das Gebot der Stunde in vielen Branchen. Die demografische Entwicklung weist klar darauf hin, dass in den kommenden Jahren zig Tausende Stellen nicht besetzt werden können, weil auf dem Arbeitsmarkt schlicht kein Nachwuchs vorhanden ist. Besonders für das Handwerk ist die Prognose alarmierend, deshalb ist der frühe Kontakt zu den heranwachsenden Generationen ein Muss. Wie das geht, erläutert Kerstin Witte, Geschäftsführerin im Jesteburger Autohaus Kuhn + Witte: „Wir setzen bereits in der Grundschule an – und haben bis heute glücklicherweise noch keine Probleme, gute Auszubildende zu finden.“ Nun zählt das Kfz-Handwerk noch zu den besonders attraktiven Gewerken; andere Unternehmen, beispielsweise die Gebäudereiniger, klagen über absolute Flaute – die Bewerbungen bleiben schlicht aus.

Einstiegsfenster Praktikum

Kerstin Witte: „In Jesteburg sind wir zum Beispiel Kooperationspartner der Grund- und der Oberschule. Über die nationale Organisation ‚Wissensfabrik‘ unterstützen wir die Schulen dabei, das Thema Technik in die Klassenzimmer zu bringen – in diesem Fall in Form von Baukästen. Die Oberschule wurde 2015 als MINT-Schule ausgezeichnet, weil hier Fächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik im Fokus stehen. Dass wir dazu auch einen Beitrag leisten durften, hat uns natürlich sehr gefreut.“

Die Kooperationen und die guten Kontakte auch zu anderen Schulen führen dazu, dass Kuhn + Witte noch reichlich Bewerbungen für Praktikumsstellen bekommt – ein erstes Einstiegsfenster in die Branche. Aber die Nachfrage wird schwächer, wie Kerstin Witte sagt. Regelmäßig finden im Betrieb Führungen für ganze Schulklassen statt. Sogar Kindergärten kommen mit den Kleinen vorbei, um sich anzuschauen, wie eine Werkstatt von innen aussieht.

Fotos: Wolfgang Becker

Da kann es schon mal eng werden: Stefan Coordes (erstes Lehrjahr) lernt den Beruf des Karosseriebauers, Fachrichtung Instandhalter, und studiert „nebenbei“ BWL an der Hamburg School of Business Administration. Fotos: Wolfgang Becker

Grundsätzlich herrscht im Autohaus noch kein Mangel an Auszubildenden. 30 bis 35 Azubis (über alle Jahrgänge) sind im Betrieb unterwegs – künftige Automobilkaufleute, Mechatroniker, Lagerlogistiker und Karosseriebauer. Im vorigen Jahr wurden 15 Neue eingestellt. Durchschnittlich jeder zweite Auszubildende bleibt im Unternehmen, denn trotz der hohen Azubi-Quote sagt Kerstin Witte: „Wir bilden für den eigenen Bedarf aus.“

Wer in dem renommierten Betrieb lernen möchte, muss sich allerdings früh darum bemühen. Im Herbst 2016 beginnt die Einstellungsphase für den 1. August 2017. Die Unternehmerin: „Wir haben festgestellt, dass wir wirklich früh anfangen müssen – sonst sind die guten Bewerber weg.“ Wer in die engere Auswahl kommt, durchläuft ein eintägiges Assessment-Center – mit schriftlichem Test, praktischen Übungen und einem Blick auf das Auftreten, den Umgangston und die Organisationsfähigkeit. Kaufmännische und technische Bewerber werden getrennt unter die Lupe genommen.

Etwas fürs Leben . . .

Warum sollte ein junger Mensch bei Kuhn + Witte lernen? Diese Frage beantwortet Kerstin Witte so: „Zunächst natürlich, weil wir ein guter Ausbildungsbetrieb sind. Aber auch, weil die jungen Leute hier etwas fürs Leben mit auf den Weg bekommen. Hier übernehmen sie frühzeitig Verantwortung bis hin zum Kundenkontakt und dürfen erwachsen werden. Mein Vater betont immer, dass wir ein Dienstleistungsbetrieb sind . . .“

Ein Thema ist Kerstin Witte noch besonders wichtig: „Frauen in der Werkstatt! Wir haben eigentlich immer auch weibliche Auszubildende im technischen Bereich. Und machen damit sehr gute Erfahrungen. Und wir bieten allen ehemaligen Azubis gute Weiterbildungsmöglichkeiten – Richtung Meister, Techniker oder beispielsweise Bilanzbuchhalter.“ Bewerber sollten in der Regel den Realschulabschluss haben und autoaffin sein. wb