. . . und dort wird gerade eine Landstraße „sortiert“

Foto: Wolfgang BeckerDie Geschäftsführer Frank Baesel (links) und Marco Weinberg stehen vor der Kulisse ihres Stein-Reichs in Georgswerder. Foto: Wolfgang Becker

Georgswerder: Nord-Stein handelt mit neuen und gebrauchten Natursteinen – Besuch bei Frank Baesel und Marco Weinberg.

Quarzit, Basalt, Schiefer, Travertin, Sandstein, Porphyr und Granit in allen Farben, dazu geschichtsträchtiges Kopfsteinpflaster aus alten Straßen sowie Stelen, Platten und Bordsteine wie die „Hamburger Kante“ – wer ein Faible für Natursteine hat, findet in Georgswerder das Stein-Paradies. Auf 33 000 Quadratmetern Fläche lagern an der Müggenburger Straße Steine aus aller Welt, um von der Elbinsel an Baustoffhändler, Garten- und Landschaftsbauer, Straßenbauer und Kommunen ausgeliefert zu werden. Wenn Geschäftsführer und Gründer Frank Baesel einen Gast über das Gelände führt, dann ist das wie eine Reise um die Welt. Hier liegt Granit aus China, dort lagern Quarzit-Platten aus Brasilien. Und in der Lagerbox dort hinten „wird gerade eine ehemalige Landstraße sortiert“. Von Hand, versteht sich. Frank Baesel kennt die Geschichten hinter den Steinen – eine spannender als die andere.

Das Unternehmen Nord-Stein handelt mit dem ältesten Material der Welt, ist aber selbst noch relativ jung. 1989 begründeten Frank Baesel, sein Vater Lothar Baesel und Günter Richters das Unternehmen – auf einer gerade mal 2500 Quadratmeter großen Fläche lagerten die ersten Steine. Mittlerweile ist mit Marco Weinberg ein weiterer geschäftsführender Gesellschafter hinzugekommen. Er und Frank Baesel leiten heute das operative Geschäft der Nord-Stein GmbH sowie weitere Schwesterfirmen wie beispielsweise die Stein-Welt in Berlin-Reinickendorf.


50 000 Tonnen Material

In den zurückliegenden fast drei Jahrzehnten hat sich die Nord-Stein GmbH zu einer der Top-Adressen der Branche entwickelt. Beste Kontakte zu den Lieferanten sichern den Nachschub von Natursteinen, von denen viele auch aus Europa stammen. Auf dem Gelände in Georgswerder lagern permanent schätzungsweise 50 000 Tonnen Material verschiedenster Herkunft auf Paletten und in 70 Lagerboxen, die per Radlader bedient werden. Frank Baesel: „1989 haben wir zu dritt angefangen, heute beschäftigen wir 20 Mitarbeiter.“

So richtig ins Schwärmen kommt der Harburger, wenn es nicht um neue Ware aus den Steinbrüchen dieser Welt, sondern um alte Steine geht: „Wir kaufen ganze Straßen auf, die saniert oder abgebaut werden sollen. Häufig stoßen die Baufirmen dabei unter altem Asphalt auf Kopfsteinpflaster, das als Tragschicht einfach liegen gelassen wurde. Dann kaufen wir das Abrissmaterial auf und separieren die alten Steine. Sie werden von Hand gereinigt, sortiert und wieder verkauft.“ Besonders in den Hansestädten finden sich bis heute Kopfsteinpflasterstraßen, die in der Zeit der Industrialisierung, also zwischen 1850 und 1900, gebaut wurden. Die Steine zeichnen sich durch eine glatte Oberseite aus. Weinberg: „Dieser Schliff ist durch die eisenbeschlagenen Räder der Fuhrwerke entstanden. Damit lassen sich tolle Flächen anlegen.“ Der historische Schliff hat zwei weitere Vorteile: Die Struktur der Steine kommt besser hervor, und die Poren schließen sich. Kurz: „Rotwein hinterlässt auf der Terrasse keine Spuren.“