„Ansiedlung vor Umsiedlung“

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Logistikpark HUB + Neuland: Jetzt geht Hamburgs derzeit größte Gewerbefläche in die Realisierungsphase – Gespräch mit den HWF-Verantwortlichen Uta Stammer und Ulrich Roter.

Die Nachfrage zeigt, wie groß der Wunsch nach stadtnahen Logistikflächen in Hamburg tatsächlich ist: Die Ausschreibungsunterlagen für die Flächenvergabe des geplanten Gewerbe- und Logistikparks HUB + Neuland in Harburg sind fast 30 Mal angefordert worden – ein „sensationelles Ergebnis“, wie Uta Stammer, verantwortliche Bereichsleiterin bei der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung HWF, sagt. Sensationell allein schon deshalb, weil die 26,6 Hektar große städtische Fläche an der A1 an einen Bewerber oder eine Bietergemeinschaft abgegeben werden soll. 266 000 Quadratmeter am Stück – das ist das auf Jahre größte zusammenhängende Grundstück, das die Hansestadt derzeit zu bieten hat.

Warum die Fläche nicht parzelliert wird, erläutert Ute Stammer so: „Wir haben es hier mit einem Klimamodell-Quartier zu tun, an das hohe ökologische und gestalterische Anforderungen gestellt werden. Die Vorgaben des Bebauungsplans ließen sich kaum umsetzen, wenn wir die Fläche kleinteilig unter vielen Interessenten aufteilen würden. Deshalb ist es unser Ziel, das Areal einem Nutzer an die Hand zu geben.“

Unter anderem sieht der B-Plan vor, dass ein Grünstreifen mit Stieleichen angelegt wird, der das Grundstück einrahmt. HWF-Projektleiter Ulrich Roder: „Die Vergabefläche beträgt 26,6 Hektar brutto. Davon sind 20 Prozent für Grünflächen vorgesehen. Zusätzlich sind 90 Prozent der Dächer zu begrünen und großflächig mit Solartechnik auszustatten. Bei der Sichtung der Bewerbungen wird es also auch um das Thema gehen, wie nachhaltig künftige Nutzer planen.“

AKTUALISIERT

Nach zweieinhalbjähriger Konzept- und Planungsphase haben die Bauarbeiten zur Entwicklung und Erschließung des Logistikstandortes HUB+ Neuland westlich der Bundesautobahn A1 in Hamburg Harburg begonnen. Wirtschaftssenator Frank Horch, der Harburger Bezirksamtsleiter Thomas Völsch sowie der Geschäftsführer der HWF Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH Dr. Rolf Strittmatter vollzogen den 1. Spatenstich. Wirtschaftssenator Frank Horch: „Hamburg ist einer der dynamischsten Logistikstandorte Nordeuropas und in Deutschland der attraktivste Standort aus Logistik- und Logistikimmobiliensicht. Mit dem neuen Logistikstandort HUB + Neuland tragen wir zur Entspannung auf dem angespannten Markt für Logistikflächen im Stadtstaat Hamburg bei. Die Lage an den Toren der Stadt Hamburg und im Eingangsbereich des Bezirks eignet sich aufgrund der direkten Anbindung an die A1 und der Nähe zu den Containerterminals des Hamburger Hafens hervorragend für eine Logistiknutzung“. Und Harburgs Bezirksamtsleiter Thomas Völsch ergänzt: “ HUB+ Neuland ist eines von 19 Klima-Modellquartieren in der Stadt Hamburg. Die Planung und Entwicklung dieses attraktiven, städtebaulich hochwertigen sowie imagebildenden Logistikgebietes mit modernem Nachhaltigkeitsanspruch für Gewerbeimmobilien war eine besondere Herausforderung und wir freuen uns, dass dies in Harburg realisiert wird“.

Im Fokus: 1200 neue Jobs

Die Vergabe des Geländes erfolgt im Rahmen der Wirtschaftsförderung. Im ersten Schritt wird es laut Uta Stammer deshalb eine Anhandgabe des Grundstückes geben. Maßnahmen, die dem Klimaschutz zugutekommen, werden bei der Auswahl der Bewerber mit Bonuspunkten bedacht. Und: Zu den angrenzenden Wohngebieten werden Begrenzungskorridore eingerichtet, damit die Anwohner in Neuland sowie die Kleingärtner beispielsweise vor Lärm geschützt sind.

Der künftige Gewerbepark HUB + Neuland ist für Logistikunternehmen vorgesehen. „Oder aber für produzierende Betriebe mit einem sehr hohen Logistikanteil“, wie Uta Stammer sagt. Ein idealer Nutzer ist aus ihrer Sicht derjenige, der möglichst viele neue Arbeitsplätze für Hamburg mitbringt. „Mindestens 1200 Jobs sollen an dem Standort geschaffen werden“ sagt Ulrich Roder. Und da sind neue Arbeitsplätze allemal willkommener als solche, die durch stadtinterne Wanderungsbewegungen entstehen.

Auf den Punkt gebracht: „Ansiedlung vor Umsiedlung“, wie Uta Stammer bestätigt. Sie sagt: „Hamburg wächst zu 90 Prozent aus dem Bestand. Natürlich hoffen wir immer auf neue Unternehmen, die von außen kommen und sich in der Stadt niederlassen. Aber das sind eher die Ausnahmen. Im Fall Neuland besteht aber eine gute Chance, tatsächlich zusätzliche Jobs zu schaffen und nicht nur eine Verlagerung aus dem Hafen an den Stadtrand umzusetzen – auch wenn dadurch vielleicht mehrere kleine Flächen frei würden. Wir sind schließlich eine Investitionsagentur – wir investieren in neue Arbeitsplätze unter Erhalt des Bestandes.“ wb


Info: Gewerbegebiet mit „Schwamm“-Funktion

Die Ausschreibungsfrist für die Flächenvergabe für den Logistikpark HUB+ Neuland ist mittlerweile verstrichen. Wer den Zuschlag bekommt, ist noch offen. Mit der Herrichtung der Fläche wurde durch die Hansestadt bereits begonnen. Erstmals wird dabei ein besonderes Verfahren angewendet, denn die Fläche besteht aus moorigen Wiesen mit Torfanteilen im Untergrund. Kurz: 26,6 Hektar Land müssen bebauungsreif hergerichtet werden.

Und das geht so: Im ersten Schritt wird abschnittsweise eine fünf Meter hohe Sandschicht aufgebracht. Etwa einen Meter tief wird der Sand durch das hohe Gewicht in den Boden eindringen – die sogenannte Setzung, die laut Ulrich Roder etwa ein halbes Jahr dauern dürfte. Das dabei aus dem Untergrund austretende Wasser wird „gefasst und aufbereitet“. Anschließend wird so viel Sand wieder abgetragen, dass sichtbar eine verdichtete Sandschicht von etwa 1,2 Metern Höhe verbleibt – die Basis für das künftige Gewerbegebiet.

Die „Sandplatte“ wird also etwa  2,2 Meter mächtig sein und zur Hälfte im Boden stecken. Sie erhält einen dichtenden Randabschluss. In diesen Sandblock werden Kiesrigolen eingebaut – mit Kies gefüllte Zellen, die als Wasserspeicher fungieren. Der gesamte Einbau erfüllt damit die Funktion eines „Schwammes“, der sich bei starker Wasserzufuhr vollsaugt und das Wasser wieder abgibt, sobald es trockener wird. Das Konzept tritt an die Stelle der üblichen Regenwasser-Rückhaltebecken und soll vor allem auch die benachbarten Grundstücke vor Überschwemmungen schützen, da das gesamte Gelände ohnehin sehr feucht ist.

Da für die Herstellung rund 1,3 Millionen Kubikmeter Sand bewegt werden müssen, wurde beschlossen, die Lkw-Touren (etwa 100 pro Tag) über die A1 auf das Baugelände zu dirigieren. Die Zahl relativiert sich beim Blick auf die tägliche Auslastung des Autobahnzubringers Neuländer Straße: im Schnitt 25 000 Fahrzeuge. Die Erschließung soll bis 2019 abgeschlossen sein, sodass mit dem Betriebsstart des Gewerbegebietes für 2020/21 gerechnet wird. wb