„Der Kunde mit Geld ist auf der Straße . . .“

Foto: Wolfgang BeckerSie wollen die Harburger Fußgängerzone Lüneburger Straße in Schwung bringen: BID-Koordinator Peter C. Kowalsky (von links), seine Kollegin Jana Braun, Marcel Sack (Kock & Sack) und Vermietungsspezialist Norbert Radszat. Foto: Wolfgang Becker

. . . nun muss er nur noch in die Läden gehen – Gespräch mit den Akteuren rund ums BID Lüneburger Straße

Die Meinungen über den Zustand der Harburger Fußgängerzone Lüneburger Straße gehen weit auseinander. Außenstehende bemängeln den schwachen Branchenmix und das fehlende Einzelhandelsniveau. Billigbäckereien und Ein-Euro-Shops dominieren in der Wahrnehmung. Doch was tut sich wirklich? B&P hat nachgefragt bei den Akteuren, die vermutlich am dichtesten am Thema sind: BID-Koordinator Peter C. Kowalsky von konsalt, seiner Kollegin Jana Braun und Vermietungsmanager Norbert Radszat.


Die vielleicht wichtigste Nachricht: „Die potenziellen Kunden aus dem Umland sind da – es muss nur gelingen, ihnen einen interessanten Branchenmix zu bieten“, sagt Radszat. „Die Parkhäuser sind hier morgens um 9.30 Uhr gut gefüllt. Wir schauen uns das ja an und wissen, woher die Menschen kommen. Gerade aus dem Umland kommen viele – weil sie in Harburg beispielsweise Dienstleistungen und medizinische Dienste in Anspruch nehmen, die sie im ländlichen Raum nicht bekommen. Oder weil sie hier arbeiten. Kurz: Der Kunde mit Geld ist auf der Straße.“

Aber eben nicht in den Läden. Das zu ändern ist das Ziel des Business Improvement Districts (BID), den das konsalt-Team koordiniert. Im Schulterschluss mit den etwa 120 Eigentümern – 20 haben sich jetzt bereit erklärt, konstruktiv am Branchenmix mitzuwirken – sollen nun abermals fast 700 000 Euro investiert werden, um die darbende Lüneburger Straße flott zu machen. Die leidet seit Jahren auch darunter, dass sich namhafte Filialisten im Phoenix-Center angesiedelt haben. Das Einkaufscenter an der Moorstraße, eines der wirtschaftlich erfolgreichsten in ganz Hamburg, zieht nach wie vor Kunden aus dem weiten Umkreis. Dazu passt die zweite wichtige Nachricht, die Peter C. Kowalsky parat hat. Er verweist auf den Durchführungsvertrag mit der Stadt. Danach verpflichtet sich der Betreiber des Phoenix-Centers, in neue Mietverträge oder in Nachträge zu bestehenden Verträgen keinerlei Klauseln aufzunehmen, die es dem Mieter verbieten, weitere Filialen in der Harburger Innenstadt zu betreiben.

Von der Idee zum Konzept: Pop-up-Stores in Harburg

Als im vorigen Jahr für zehn Tage eine „Plattenverkostung“ in einem leer stehenden Laden stattfand (es ging um Schallplatten), wurde schnell klar: Mit neuen Angeboten zieht man neue, besser: verlorene Besucher zurück in die Harburger Innenstadt. Diese These bewahrheitete sich, als der zweite Pop-up-Store mit einem Dutzend kreativer Frauen eröffnete und dank der großen Nachfrage seine auf 90 Tage begrenzte Lebensdauer sogar noch verlängern durfte. „neunzig tage“ steht noch immer über dem Ladengeschäft in der Bremer Straße 3. Nach dem Galerie-Intermezzo „Pink Paravent“ (Kunst auf Zeit) sollen in den nächsten Monaten weitere Kurzzeit-Handelsangebote folgen. Koordiniert werden die Pop-up-Läden von der konsalt GmbH als Aufgabenträger für das BID, in Person: von Jana Braun. Sie ist Ansprechpartnerin für Interessenten, die sich ebenfalls vorstellen können, zeitlich begrenzt einen Laden zu betreiben. In der Regel müssen nur die Betriebskosten bezahlt werden, in Einzelfällen wird auch eine umsatzabhängige Miete vereinbart. Jana Braun: „Das Konzept kommt gut an. Wir erreichen Kunden aus dem Umland, sogar aus dem Norden Hamburgs.“ wb

Kontakt: bidharburg@konsalt.de, Telefon: 0 40/28 78 78 98

Bislang war die Entwicklung eher entgegengesetzt – zuletzt hatte sich Douglas aus der „Lü“ verabschiedet. Doch Radszat und Kowalsky rechnen vor: „Konservativ betrachtet, haben wir es südlich der Elbe mit 300 000 Menschen zu tun – 180 000 im Hamburger Bereich, 120 000 im näheren niedersächsischen Bereich. So gesehen ist der Standort groß genug für zwei Filialen. Darauf setzen wir langfristig.“

Ungeachtet der theoretischen Planspiele gibt es derzeit ganz handfeste Nachfragen von Einzelhandelsunternehmen, die sich für Harburg interessieren, sagt Radszat. Darunter vor allem Unternehmen aus dem Bereich der Damenoberbekleidung. Auch in den Harburg Arcaden stehen größere Veränderungen an. Unter anderem soll hier mit rund 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche der größte Aldi-Markt nördlich der Linie Frankfurt/Main entstehen.

Mut macht das Engagement von Kock & Sack. Das Harburger Familienunternehmen, bekannt vor allem durch den Verkauf von Werkzeug und Eisenwaren, liegt etwas versteckt am Kleinen Schippsee. Jetzt rückt es mit dem Tochterunternehmen Alpha Workwear mitten hinein in die Fußgängerzone. Marcel Sack: „Wir wollten mit diesem Konzept eigentlich nach Norderstedt oder Lüneburg, doch dann ergab sich ein Kontakt zum City-Management.“ Citymanagerin Melanie-Gitte Lansmann gab den ersten Anstoß, dann konnte über das BID sehr schnell der passende Laden in der Bremer Straße 2 gefunden werde (ehemals Alster-Photo). Sack: „Wir möchten eine neue Klientel ansprechen, verkaufen moderne, man könnte auch sagen modische Arbeitskleidung mit einer Superqualität, die auch für den Bereich Outdoor und Freizeit passt. Modische Sicherheitsschuhe gehören ebenfalls dazu. Ich bin sicher: Der Markt ist da. Und wir wollen zeigen, was wir haben.“ Kock & Sack nimmt einen neuen Trend auf. Radszat: „Damit ist Harburg weit vorn.“ wb

Web: www.bid-lueneburgerstrasse.de (ab 1. April neu)