Ein moderner Ort der Identifikation 

Fotos: terraAus der Luft betrachtet: Das Bahnhofsviertel in dem Dreieck oberhalb der Gleise und des Kabenhofs besteht aus vielen Solitärgebäuden – ein Stil, den die Stadt gern erhalten möchte. Einige Häuser sollen abgerissen werden, andere sollen integriert werden, um eine Mischung aus Tradition und Moderne zu erreichen. Fotos: terra

Perspektive für Buchholz: terra Real Estate macht aus dem alten Bahnhofsviertel das neue Canteleu-Quartier.

Stadtentwicklung im Inneren hat in der Regel viel mit Nachverdichtung und Lückenbebauung zu tun. Großflächiges Wachstum findet nur in den neuen Wohngebieten in den Außenbereichen statt – eben dort, wo Platz ist. Das gilt durchweg auch für Buchholz. Vor diesem Hintergrund lässt ein Projekt der terra Real Estate GmbH, Immobilien-Tochter des gleichnamigen Logistikunternehmens unter der Führung von Andreas und Michael Tietz, aufhorchen. Beide sind heimatverbunden und investieren ganz bewusst in „ihre“ Stadt. Ihr Credo: „Werte sind wertlos, wenn man sie nicht erlebbar macht.“ Mit der Sanierung des Bahnhofviertels soll unter dem Namen Canteleu-Quartier ein moderner Ort der Identifikation entstehen, denn einst war die Bahnhofstraße das Zentrum der Stadt. Weitere Projekte in Buchholz und darüber hinaus sind in Planung beziehungsweise in der Umsetzung.

„Mosaik in Bewegung“

Als die ersten Pläne für das neue Quartier vor einem Jahr vorgestellt wurden, war das Erstaunen groß. Mittlerweile zeigt sich, dass die Lage zwischen den Gleisen das freie Planen auch einschränken kann. Themen wie Lärmschutz und Erschütterung, aber auch Vorstellungen von potenziellen Nutzern, beispielsweise eines Hotels, sind da nur einige Beispiele. Tari Van Noy, bei terra Real Estate verantwortlich für Marketing und Vertrieb, drückt es so aus: „Das Mosaik ist noch in Bewegung.“

Sie stehen für die Entwicklung von terra Real Estate: die Geschäftsführer Michael (links) und Andreas Tietz sowie Tari Van Noy, zuständig für Marketing und Vertrieb.

Sie stehen für die Entwicklung von terra Real Estate: die Geschäftsführer Michael (links) und Andreas Tietz sowie Tari Van Noy, zuständig für Marketing und Vertrieb.

Den Impuls, der in die Jahre gekommenen Bahnhofstraße ein neues Gesicht zu geben, hatte Andreas Tietz im Frühjahr 2014 bei einem Spaziergang mit seinem Sohn. Dabei fiel ihm auf, dass zwei Grundstücke zum Verkauf angeboten wurden. Das war der Beginn einer Idee und umtriebiger Kaufaktivitäten. Heute gehört terra inklusive des alten Bahnhofsgebäudes ein Großteil des Dreiecks zwischen den Gleisen und der Canteleu-Brücke. Tari Van Noy: „Das Obergeschoss des Bahnhofs wird zurzeit saniert. Dort wird ein Architektenbüro einziehen. Diese Gebäude verleihen dem Quartier seinen Charakter. Buchholz hat viel zu wenig alte Häuser. Hier in der Bahnhofstraße können wir Alt und Neu kombinieren und Buchholzer Atmosphäre schaffen.“ Das gilt auch für das sogenannten Willers-Haus in der Bahnhofstraße 12 (neben der Pagel-Immobilie). Es stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Eine umfassende Bauprüfung steht noch aus, deshalb ist der Zustand der Substanz nicht ausreichend bekannt. Ziel ist es aber, die markante Fassade zu erhalten.

Historische Bezüge

Mittlerweile gehören auch die Häuser 7, 9 und 11 sowie alle Häuser mit den geraden Hausnummern terra. Bis auf kleinere Flächen gibt es damit Planungsfreiheit im vorgegebenen städtischen Rahmen. Den abzustecken ist das Gebot der Stunde. Im Canteleu-Quartier dürfen etwa 27 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche gebaut werden – Wohnungen, Läden, Praxen, Gastronomie und weitere gewerbliche Nutzungen. Es ist auch der Bau eines Hotels vorgesehen, was manchen Buchholzer wundern mag, aber Tari Van Noy, die seit 2013 bei terra ist, sagt: „Das Haus Nummer 11 ist ein ehemaliges Hotel. Mit dem neuen Quartier wollen wir diese historischen Bezüge aufnehmen und den Bewohnern der Stadt ein neues Ziel mit hoher Lebensqualität bieten.“ Auch Mikrowohnungen (für Auszubildende, Studenten und Pendler) sowie altersgerechtes Wohnen sind Themen, die bewegt werden. Und: „Die Kaufkraft in Buchholz ist enorm hoch. Wir meinen, sie sollte in der Stadt bleiben! Die Buchholzer Familie Tietz handelt in diesem Sinne: ‚Wir leben in Buchholz, wir arbeiten in Buchholz – und wir investieren in Buchholz.‘“

Perspektivisch liegt das Bahnhofsviertel mitten in der Stadt – dann nämlich, wenn die südlich angrenzenden ehemaligen Rüttgers-Flächen jenseits der Bahngleise eines Tages bebaut werden. Im Gespräch ist dies seit Jahren. Baubeginn für das Canteleu-Quartier könnte 2018 sein. Die terra Real Estate baut zurzeit einen Immobilienbestand auf – auch als Reaktion auf die Wirtschafts- und Finanzkrise 2009. Üblicherweise werden Partner ins Boot geholt. Langfristig sollen etwa 30 Prozent der Projekte in einen eigenen Immobilienbestand münden. Andreas Tietz: „Wir denken nicht von Quartal zu Quartal, sondern von Generation zu Generation.“ wb

Kontakt: terra Real Estate,
Tari Van Noy,
Telefon: 0 41 81/300 31 14,
Mail: tari.vannoy@terra-real-estate.de


Info: Aktuelle Terra Projekte

Der „100-jährige“ in Hittfeld ist bislang nur ein Konzept, mit dem sich die Gemeindeverwaltung auseinandersetzen muss. Vorgesehen ist die Revitalisierung der Traditionsgastronomie. Dazu hat die terra Real Estate keinen Geringeren als Frank Wiechern gewonnen, der in Harburg erfolgreich den „Leuchtturm“ betreibt und seine hervorragende Küche zuvor in Hittfeld angeboten hatte. Der „100-jährige“ könnte eine neue Dependance am alten Ort werden. Zur Revitalisierung des 199 Jahre alten Gastronomiebetriebs der Familie Steinwehe könnte auch der Erhalt der historischen Destille zählen. Teil des Konzepts ist zudem der Bau von 50 bis 70 Eigentums- und Mietwohnungen im rückwärtigen Bereich von Edeka. Das „Quartier 100“ will terra mit weiteren lokalen Investoren stemmen. Allerdings ist noch das Konzept eines weiteren Investors im Gespräch.

Wohnungsbau in Buchholz ist bitter nötig, denn Wohnraum ist Mangelware. An der Schaftrift, Ecke Buenser Weg (Schulzentrum) beginnt terra 2017 mit dem Bau von 176 Wohneinheiten (Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen) – inklusive Kita und Ladenfläche beispielsweise für einen Bäcker. Die Erschließung soll noch in diesem Jahr beginnen.

Woolworth ist in Buchholz und Winsen vertreten – beide Immobilien wurden von terra und einem Partner gekauft und sollen jetzt saniert werden. In Winsen ist bereits begonnen worden, die Immobilie zu modernisieren. Das Haus bekommt zudem eine neue gefällige Fassade. Ein komplettes Geschoss (etwa 1700 Quadratmeter) ist bereits an den Landkreis Harburg vermietet. Weitere Flächen im ersten und zweiten Obergeschoss sind für Büros und Praxen vorgesehen. In Buchholz sind die Gespräche über die Sanierung der Woolworth-Flächen noch im vollen Gange. wb