Wieviel Kaimauer 
darf abgesenkt werden?

Diese neue Visualisierung gibt einen Überblick über das Hotel-Projekt. Hinter dem Hotel soll eine L’Osteria am Veritaskai eröffnet werden. In dem Bereich Lotsekai (nicht abgebildet) soll die Kaimauer abgesenkt werden. Visualisierung: Lorenz Gruppe

Mit gleich drei zum Teil großen Projekten startet die Lorenz Gruppe in den kalendarischen Frühling und leistet ihren Anteil am Harburger Bau-Boom. Am Veritaskai im Binnenhafen nimmt die Gestaltung des geplanten Hotelneubaus auf der ehemaligen Beachclub-Fläche immer konkretere Formen an, gleich gegenüber werden derzeit mehr als 700 Pfähle für das Brückenquartier gebohrt, und an der Seehafenstraße wird es staubig: Dort werden alte Industriegebäude abgerissen, um Platz für die Ansiedlung der Firmen Körbel (Spedition) und mateco (Hebebühnen) zu schaffen. Frank Lorenz, Projektentwickler und Investor, macht zwar äußerlich stets einen gelassenen Eindruck, aber im Gespräch wird deutlich, dass beim Bauen in der Stadt jede Menge Details zu beachten sind, die immer auch mal wieder zu zeitlichen Verzögerungen führen können. Bauen ist auch im gewerblichen Bereich reine Nervensache.

Ein neuer Ort zum
Verweilen am Wasser


Sein größtes Projekt ist derzeit der Bau des neuen Hotels am Lotsekanal. Hier gibt es auch spezielle Fragen, „aber die waren uns vorher bekannt und sind eingeplant“, sagt Lorenz. Konkret geht es um die Gestaltung der Kaimauer, die gehört nämlich nicht der Stadt wie sonst im Binnenhafen, sondern ist ausnahmsweise Privateigentum des jeweiligen Grundstückseigners. Und damit auch Privatsache, wenn es um die Belange des Denkmalschutzes geht. Wie auch andernorts im Binnenhafengebiet, ist die Kaimauer sichtbar in die Jahre gekommen und muss auf Kosten von Lorenz in Schuss gebracht werden. Wer hier bauen will, muss sich etwas einfallen lassen – zumal eine der Vorgaben besagt, dass Spaziergänger Zugang zum Wasser haben sollen. Das heißt: Ein Weg führt an eben dieser Kaimauer entlang rund ums Hotel.

Lorenz: „Wir haben das Thema auch schon beim KaiSpeicher gehabt und damals etwa 150 Meter Kaimauer saniert. Jetzt sind wir mit der Firma wieder in Kontakt. Es steht aber die Frage im Raum, wie weit wir Teile der Kaimauer absenken dürfen. Unsere Idee ist es, einen möglichst großzügigen Zugang zum Wasser zu schaffen und zwischen dem Hotel und dem KaiSpeicher eine einladende Terrassenanlage mit Schiffsanleger zu bauen. Ein Ort zum Verweilen am Wasser.“

Ob das gelingen kann, ist offen, denn noch gibt es keine behördliche Zustimmung. Aber Lorenz ist mit Blick auf den gegenüberliegenden Lotsekai optimistisch – dort endet die städtische Kaimauer in einer Terrassenanlage. Insgesamt schätzt Lorenz die Kosten für die Anlage am Veritaskai auf etwa eine halbe Million Euro. Der Bauantrag für das Hotel soll im Juni gestellt werden, mit dem Baubeginn rechnet Lorenz im Herbst. Die Entscheidung über die Fassade ist, wie bereits berichtet, gefallen. Der Wettbewerb zur Gestaltung der Außenanlagen inklusive der Kaimauer ist im Gange und wird insgesamt etwa sechs Wochen dauern.

Gegenüber auf der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs zwischen dem Östlichen Bahnhofskanal und der Theodor-Yorck-Straße ist ein großes, sauber geräumtes Baufeld entstanden. Der teils kontaminierte Aushub ist bereits entsorgt, jetzt werden Bohrpfähle gesetzt. Hier soll eine Tiefgarage für zwei Gebäude entstehen – ein Büro- und Geschäftshaus mit dem Ankermieter Edeka sowie ein Haus mit 51 Eigentumswohnungen. Lorenz: „Die Grundsteinlegung wollen wie Ende April feiern.“

Freie Bahn für
Körbels Tanklaster

An der Seehafenstraße wird zunächst nicht gebaut, sondern abgerissen. Altgebäude aus Phoenix-Zeiten weichen der Ansiedlung einer Spedition, die vor allem für die benachbarte Nynas-Raffinerie arbeitet. Für die Tankzüge wird Platz gebraucht. Außerdem wird ein kleines Bürogebäude neu errichtet. Eigentlich sollte hier schon mehr passiert sein, aber die Entscheidung der Hamburg Port Authority, auf das Vorkaufsrecht der an das Seehafenbecken 2 grenzenden Fläche zu verzichten, fiel erst Anfang März. Auf dem Grundstück will zudem das Unternehmen mateco seine Hamburg-Niederlassung neu aufstellen und dazu auch eine bestehende Halle nutzen. wb
Web: www.lorenz.hamburg