Per Mezzanine in die Serienfertigung

Foto: Wolfgang BeckerMittlerweile hat AFS-Gründer Hans-Peter Jungmann (rechts) die Serienfertigung für die Systeme Agua­Clean und AguaSave aufgebaut. Steffen Wilcke, Bereichsleiter Firmen- und Unternehmenskunden bei der Sparkasse Lüneburg, unterstützt ihn mit seinem Team dabei auf der finanziellen Seite. Foto: Wolfgang Becker

Beispiel AFS Solutions: Sparkasse Lüneburg fördert innovative Unternehmungen mit innovativen Methoden

Er ist im elterlichen Betrieb mit dem Thema Wasseraufbereitung groß geworden und hat die Prägung zur Profession gemacht: Hans-Peter Jungmann (57) gründete 2012 das Unternehmen AFS Solutions. Seine Entwicklung, die unter anderem Heizungssysteme vor Schäden schützt, überzeugte auch die Sparkasse Lüneburg, mit der Jungmann eng zusammenarbeitet. B&P traf ihn und Steffen Wilcke, Bereichsleiter Firmen- und Unternehmenskunden, auf dem Puhst-Gewerbehof in Hittfeld. Dort baut AFS das ausgeklügelte Agua-Filtrationssystem.

Hochsensible 
Heizungstechnik

Filtriertes Wasser wirkt sich nicht nur positiv auf die Lebensdauer von Heizungsanlagen und Rohrsystemen aus, es findet auch vielfältige Anwendungen in der Industrie – zum Beispiel bei der Reinigung von Pfandflaschen (Getränkehersteller), in Kühlsystemen auf Wasserbasis und beim Betrieb von Dampfgarern in der Gastronomie beziehungsweise Lebensmittelindustrie. Der Grund: Viele Geräte vertragen nur „weiches Wasser“. Ist das Wasser zu „hart“, setzen sich Inhaltstoffe ab und mineralisieren. Die möglichen Folgen: verstopfte Leitungen, technische Ausfälle. AFS Solutions bietet die Technik, genau dies zu verhindern.

Jungmann: „Früher haben es die Heizkessel auch im privaten Bereich eher vertragen, wenn die Anlagen mit Leitungswasser befüllt wurden. Doch die Technik hat sich massiv verändert. Moderne Heizungsanlagen entsprechen der Formel 1 im Fahrzeugbau. Das sind hochsensible Geräte, die empfindlich reagieren, wenn die Wasserqualität im Heizkreislauf nicht stimmt.“ Und: „Das Wasser hätte sich quasi mitentwickeln müssen, hat es aber nicht. Heizungsanlagen werden von den Monteuren bis heute regelmäßig mit Leitungswasser aufgefüllt – was dazu führt, dass in diesem Moment die Gewährleitung für die Technik erlischt, denn in der Regel schreiben die Hersteller vor, dass die Anlage mit teilentsalztem Wasser befüllt werden muss.“ Das Handwerk sei verpflichtet, aufbereitetes Wasser einzusetzen, nach deutschem Recht werde aber nicht der Installateur, sondern der Betreiber dafür verantwortlich gemacht, dass das auch geschieht.

Während die Industrie und mittelständische Unternehmen das Thema im Blick haben, hat sich die Wasserhärte als Heizungskiller im privaten Bereich noch nicht sonderlich herumgesprochen. Offensichtlich tut sich hier jedoch ein Markt auf, der zunehmend wichtiger wird. Jungmann und seine Mannschaft haben deshalb ein modulares Filtersystem entwickelt, das sowohl für kommerzielle Großanlagen als auch für private Haushalte eingesetzt werden kann. Mehr noch: Die AFS-Technik kann sogar in bereits bestehende Anlagen Ablagerungen wieder sanft abbauen.
Für die Sparkasse Lüneburg ist dies ein innovatives Thema mit hohem Potenzial. So unterstützte Steffen Wilcke auch den nächsten Schritt in der Firmenentwicklung: den vergleichsweise teuren Sprung von der Einzelfertigung zur Serienfertigung. Jungmann nutzte dazu privates Kapital, Fördermittel und Kapital von der Sparkasse. Mittlerweile stößt die AFS-Innovation auch bei den Kesselbauern und Heizungsherstellern auf Interesse.

Strategische Partnerschaft

Nun sind Banken und Sparkassen gesetzlich gehalten, die Risiken zu minimieren. Das ist ein Grund dafür, dass Geld für innovative Geschäftsideen in der Regel schwer zu bekommen ist. Dazu hat sich die Sparkasse Lüneburg etwas einfallen lassen. Wilcke: „Wir verfolgen ein Drei-Säulen-Konzept: strategische Partnerschaft mit dem Unternehmer, Transparenz in den Entscheidungsprozessen und Verzicht auf eine klassische Bankfinanzierung. Hier ist kein Kredit nötig, sondern etwas Eigenkapitalähnliches. Das setzen wir ein, wenn uns ein Unternehmer von seiner Idee überzeugt.“ Konkret geht es um das sogenannte Mezzanine-Kapital. Wilcke: „Wir bilden derzeit einen Topf für Mezzanine-Kapital.“ Auch Jungmann kam in den Genuss dieser 
Mischfinanzierungsart. Zudem fand er über das Business-Angels-Netzwerk BANSON Kontakt zu sechs Investoren, die als Anteilseigner bei AFS eingestiegen sind (zehn Prozent). Sie gründeten die AFS Wasserfreunde GmbH & Co.KG. Der wichtige Schritt in die Serienfertigung steht also finanziell auf drei Beinen: der Sparkassen-Finanzierung, dem Mezzanine-Kapital (von der Sparkasse Lüneburg) und dem Kapital der Wasserfreunde. Die Sparkasse Lüneburg geht derweil aktiv auf Gründer und Innovatoren zu, sie hat sogar ein eigenes Kompetenz-Center geründet – mit Scout-Funktion.
Förderantrag zerrissen

Allein die öffentliche Förderung gestaltet sich umständlich. Jungmann: „Ich habe 45 Ordner im Rechner, um einen Antrag bei der N-Bank stellen zu können.“ Es ging um einen günstigen Förderkredit über 500 000 Euro. Der Unternehmer weiter: „Das war so bürokratisch, dass ich den Förderantrag am Ende zerrissen habe. Und ich muss sagen: Das tut richtig weh.“ Er schätzt es, dass seine Partner von der Sparkasse Lüneburg direkt vor Ort sind und sich ein Bild von der Lage verschaffen. Dazu kann Steffen Wilcke nur nicken: „Invest und Kapital sind Themen, die mit Vertrauen zu tun haben.“ wb

Stichwort Mezzanine

Mezzanine-Kapital oder Mezzanine-Finanzierungen (italienisch mezzo ‚halb‘) beschreibt als Sammelbegriff Finanzierungsarten, die in ihren rechtlichen und wirtschaftlichen Ausgestaltungen eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellen. Dabei wird in der klassischen Variante einem Unternehmen wirtschaftliches oder bilanzielles Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern Stimm- oder Einflussnahmerechte wie den echten Gesellschaftern zu gewähren. Zugleich kann dadurch die klassische Kreditfinanzierung angehoben werden. Quelle: Wikipädia