Der Berg ruft – und zwar richtig!

Doku-Zentrum in fast 4000 Metern Höhe: Die Besucher der Cinema Lounge sitzen in beheizten Kokons vor der Präsentationswand.

Abgefahren: VAV Medientechnik baut Doku-Zentrum auf dem Matterhorn – Der mit 3883 Metern vermutlich höchste Showroom der Welt.

Das dürfte der höchste Showroom Europas, wenn nicht gar weltweit sein: Die VAV Medientechnik Gruppe mit Sitz in Landsberg, München und Buxtehude hat auf dem alpinen Heiligtum der Schweiz, dem Matterhorn, speziell entwickelte Projektions- und Audiotechnik installiert, um den Besuchern des legendären Berges auf 3883 Metern Höhe Einblick in die Welt der Alpen zu geben. Auftraggeber war die Zermatt Bergbahnen AG. Für Thomas Schwabel, Geschäftsführer der VAV Nord in Buxtehude, ist dieser Auftrag ein Referenzprojekt. Er stellte per Video-Konferenz den Kontakt zu Johannes Schimana her – VAV-Vertriebsmitarbeiter am Standort München. Er war für die Konzeption verantwortlich und berichtete B&P über den vielleicht ungewöhnlichsten Auftrag, den die VAV Medientechnik Gruppe jemals umgesetzt hat.

Stollen im Permafrost


Die Lage vor Ort: Als beliebte Touristenattraktion geht es von Zermatt aus mit der Gondel-Bahn über den Theodul-Gletscher hoch zum Matterhorn Glacier Paradise, einem Gletscherpalast zwischen dem Breithorn und dem mehr als 4400 Meter hohen Matterhorn-Gipfel. Über einen etwa 100 Meter langen Tunnel erreichen die Passagiere eine Aussichtsplattform mit einem grandiosen Panoramablick. Dass dabei viele Fragen aufkommen, liegt auf der Hand – und deshalb ließ die Bergbahnen AG einen kleinen Seitenstollen in den Permafrost schlagen, um dort 2014 ein audiovisuelles Informationszentrum zu realisieren. Den Zuschlag erhielt das deutsche Unternehmen VAV.

Schimana: „Man kann sich vorstellen, dass das eine ganz besondere Herausforderung war – sowohl technisch als auch arbeitstechnisch und logistisch.“ Vier Mal musste der Helikopter fliegen, um das Material auf den Berg zu schaffen. Zwei Wochen lang waren drei Monteure in dem eiskalten Stollen damit beschäftigt, die Technik einzubauen. Schimana: „In der dünnen Luft fällt jeder Handgriff schwer. Die Muskeln schmerzen. Die Arbeit strengt unglaublich an. Fast noch schlimmer: Man kann gar nicht mehr klar denken. Es stellen sich Kopfschmerzen ein. Das sind die Symptome der Höhenkrankheit, unter der vereinzelt übrigens auch Touristen leiden, wenn sie sich von Zermatt aus auf fast 4000 Meter transportieren lassen.“ Schimana weiter: „Nachts werden es da oben schon mal minus 40 Grad. Hier eine Deckenbefestigung für den schweren Projektor zu installieren, ist gar nicht so ohne, denn die Halterungen sitzen im Permafrost. Beheizen kann man die Geräte nicht, sonst lösen sich die Halterungen.“

Nur zwei Lampenwechsel

Auch technische Anlagen tun sich schwer, bei extremen Klimaschwankungen zwischen zehn Grad plus und zehn Grad minus zuverlässig zu funktionieren. Der lichtstarke Projektor, eigentlich ein Serienprodukt von Panasonic, wurde deshalb extra technisch auf die Klimaverhältnisse am Einsatzort angepasst und in einem Decken-Klimagehäuse untergebracht. Schimana: „Bis heute funktioniert er tadellos. Wir hatten lediglich zwei Lampenwechsel.“ Da der Raum auch für Events gebucht werden kann, wurde ein Wand-anschlussfeld montiert, über das Präsentationen vor Ort eingesteuert werden können. Per WLAN können Informationen von Notebooks, Tablets und Smartphones direkt auf die Leinwand gebracht werden. Die Steuerung erfolgt über ein Touchpanel.

In dem Seitenstollen ist eine fünf mal drei Meter große Projektionsfläche mit integrierter Beschallung aufgebaut, auf der Besucher Informationen über die alpine Welt bekommen. Dazu sitzen sie in sogenannten Kokons, eiförmigen Kapseln, die beheizt und mit Lautsprechern ausgestattet sind. Auftragsvolumen gesamt: rund 140 000 Euro.

Für VAV ist die Cinema Lounge Matterhorn Glacier Paradise ein Leuchtturmprojekt und der Beleg dafür, dass es eigentlich kaum eine Situation gibt, die technisch nicht zu meistern wäre. Und auch administrativ: Alpen-Fans wissen, dass Zermatt autofrei ist. Wer hier schweres Gerät mit dem Lastwagen anliefern will, braucht eine Ausnahmegenehmigung der Kantonsverwaltung. Schimana: „Wenn man weiß, wie die Regeln sind, läuft das in der Schweiz alles sehr akurat ab.“

Showroom in Hamburg

Die VAV Medientechnik Gruppe ist ein Unternehmensverbund der Unternehmen VAV Nord und VAV Süd mit insgesamt vier Standorten ab 2017. Die VAV Süd hat ihren Hauptsitz in Landsberg und betreibt einen weiteren Standort in München. Die VAV Nord hat ihren Sitz in Buxtehude und wird im Januar 2017 einen Standort in Hamburg-
Bahrenfeld eröffnen. Schwabel: „Wir brauchen einfach eine stärkere Präsenz bei unseren Kunden. Im Laufe des ersten Halbjahres werden wir eine innovative Ausstellung einrichten, um die jeweils neueste Technik unseren Kunden zeigen zu können.“ wb

Web: www.vav-medientechnik.de


VAV

Ein gestochen scharfes Bild auf dem Schirm, guter Sound, eine einwandfreie Videoübertragung, einfache Bedienung und – falls gewünscht – die passende Beleuchtung: Das ist das Metier, mit dem sich die Buxtehuder VAV Medientechnik Nord befasst. Das Unternehmen an der Rudolf-Diesel-Straße erledigt im digitalen Zeitalter das, wozu vor 30 Jahren noch der klassische Radio- und Fernsehmechaniker gerufen wurde: Geschäftsführer Thomas Schwabel und seine Mannschaft schaffen gute Verbindungen – und das auf technisch höchstem Niveau. B&P stellt ab sofort eine Auswahl ungewöhnlicher VAV-Projekte vor.