Innovation und Technologie auf dem Lande – Da geht doch was!

Michael Seggewiß

Von Michael Seggewiß,
Leiter der
Wirtschaftsförderung
Landkreis Stade GmbH

Rein statistisch gesehen sind Unternehmen in ländlich strukturierten Regionen wie dem Landkreis Stade weniger innovativ als Unternehmen in (großen) Städten. Der aufmerksame Beobachter stellt beim Verlassen des Zahlendschungels aber schnell fest, dass die Konzentration auf die Zahlen den Blick doch sehr einschränkt. Denn Innovationen sind nicht immer gleichzusetzen mit einem hohen Bekanntheitsgrad, mit einer hohen Anzahl an Patenten oder dem Sitz eines Unternehmens. Innovationen sind vielmehr das, was Unternehmen erfolgreich am Markt platzieren können.


Innovative Unternehmen und ein Sitz „auf dem Lande“ schließen sich also nicht aus; das zeigt beispielsweise das Unternehmen Viebrockhaus aus Harsefeld. Hier werden in eigenen Forschungshäusern und Innovationsabteilungen Produkte und Verfahren unter anderem aus den Bereichen Wärmedämmung, Materialbeschaffenheit und erneuerbare Energien getestet und optimiert. Die Ergebnisse kommen dem Häuslebauer zugute, dessen neues Heim durch die Einhausung mit speziellen Zelten wetterunabhängig errichtet oder bei dem die Qualitätssicherung über eine „Baucam“ gesichert wird. Das Unternehmen Eisbär Eis aus Apensen ist ein weiteres Beispiel. In der eigenen Entwicklungsabteilung wird die Basis geschaffen, um jedes Jahr rund 40 neue Produkte auf dem Markt platzieren zu können. Denn nur durch ein immer mehr auf die Jahreszeit und Anlässe angepasstes Sortiment lassen sich neue Käufergruppen erschließen.

Hieran arbeitet auch Elbe Obst: Das Ursprungsprodukt wird beispielsweise veredelt zu Apfelchips – eben Chips der besonderen Art. Dies gilt auch für Scheren: In der Scherenmanufaktur Paul in Harsefeld werden Qualitätsscheren hergestellt. Der Einsatz von neuen Materialien und die Entwicklung neuer Typen sorgen dafür, dass die Produkte in mehr als 60 Ländern der Welt im Wettbewerb vorn sind.

Die eigene Entwicklung und Herstellung sind auch ein Stützpfeiler des Atlantic Mineralölwerkes in Dollern. Hier wird an professionellen Produkten für die Reinigung, Pflege, Konservierung und Schmierung von Fahrrädern getüftelt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mehr als 30 Produkte zählen im weltweiten Fahrradzirkus zu den gefragtesten Pflegeprodukten.

Hidden Champions sind aber nicht nur auf der Stader Geest zu finden. In Drochtersen werden beispielsweise seit mehr als 100 Jahren Boote gebaut. Die Hatecke Werft hat sich in den letzten Jahrzehnten auf die Entwicklung und Herstellung von Rettungsbooten spezialisiert und liefert heute von Krautsand aus weltweit innovative Produkte für die maritime Wirtschaft. Hightech ist hier garantiert. Aber auch „neues Handwerk“ findet sich in Kehdingen und ist Technologieführer auf seinem Gebiet. Denn dort, genauer gesagt in Wischhafen, betreibt die Karl Meyer AG das europaweit erste CFK Recycling-Center für kohlenstofffaserhaltige Abfälle.