„Das ist kein Flüchtling, das ist Achmet!“

Foto: Wolfgang BeckerSie reichen den Flüchtlingen die Hand und bauen die „Open Arms gGmbH“ in Harburg auf: Christoph Birkel hat dazu Birgit Rajski eingestellt.“ Foto: Wolfgang Becker

Plädoyer für Menschlichkeit: Christoph Birkel (hit-Technopark) baut mit Birgit Rajski in Harburg die „Open Arms gGmbH“ auf

Auf der ehemaligen Pferdekoppel am Bostelbeker Bogen in Harburg entsteht derzeit im Auftrag der Hansestadt Hamburg eine neue Wohnunterkunft, in der noch in diesem Jahr bis zu 168 Menschen untergebracht werden sollen – überwiegend Flüchtlinge. Die anfängliche Skepsis der Anlieger hat sich mittlerweile gewandelt. Wie an anderen Standorten auch, werden die Neu-Hamburger zunehmend auch als Chance verstanden. Für Christoph Birkel, Geschäftsführer des benachbarten hit-Technoparks, war es deshalb auch keine Frage, wie er sich verhalten würde. Seine Antwort auf das Hamburger Flüchtlingsthema: Birkel hat Anfang März Birgit Rajski eingestellt, um mit ihr gemeinsam die „Open Arms gGmbH“ aufzubauen.

Wie am besten geholfen werden kann, ist zurzeit Thema verschiedener Brainstorming-Runden. Birkel: „Ich finde, es ist unsere Pflicht, diese Menschen zu unterstützen. Es ist wichtig, dass wir sie mit offenen Armen aufnehmen. Leider zeichnet sich Deutschland zurzeit nicht gerade durch eine besondere Willkommenskultur aus.“ Dass sich das ändert, dazu will der Unternehmer einen Beitrag leisten: „Ich hatte schon immer vor, mich später einmal caritativ zu engagieren. Auch um etwas von den Möglichkeiten zurückzugeben, die ich bekommen habe.“

Hilfsangebot für alle Initiativen

Aus später ist nun jetzt geworden, denn das Problem, so Birkel, sei heute akut: „Der Zustrom von Flüchtlingen reißt nicht ab. Da müssen wir reagieren.“ Das Projekt „Open Arms“ soll übrigens kein Bostelbeker Thema bleiben. Birkel: „Wir wollen uns für ganz Harburg engagieren und arbeiten mit allen Initiativen zusammen. Es macht ja keinen Sinn, wenn alle alles versuchen, um zu helfen. Das muss koordiniert werden.“ Er schließt selbst eine Ausweitung der Aktivitäten auf ganz Hamburg nicht aus.

Birgit Rajski: „Wir sehen uns nicht nur als Ansprechpartner für die Flüchtlinge, sondern auch für die Anlieger, Unternehmen, die Politik, die Behörden und andere Institutionen.“ Dazu sollen die vorhandenen Netzwerke genutzt werden. Birkel: „Im hit-Technopark, in Harburg, in Hamburg und auch privat. Das ist eine Riesenaufgabe, für die wir Frau Rajski gewonnen haben.“ Die SPD-Bezirksabgeordnete hat viele Jahre als Referentin für Harburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete gearbeitet und kennt sich in den Strukturen bestens aus. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, sitzt im Sozialausschuss und weiß, wie Behörde funktioniert. Kurz: Die Frau hat den direkten Draht ins Rathaus.

Schnell in Lohn und Brot bringen

Birkel: „Wir suchen nach einem pragmatischen Weg, diese Menschen schnell in Lohn und Brot zu bringen.“ Dazu könne es auch nötig sein, Einfluss auf die Politik auszuüben.“ Dazu Birgit Rajski: „Wir sehen das neutral. ‚Open Arms‘ ist kein politischer Tendenzbetrieb. Wir haben keine politische Agenda, sondern wollen ein Gelingen des Miteinanders.“ Und eine positive Herangehensweise, wie Birkel betont, der selbst mit einer US-Amerikanerin indischer Herkunft verheiratet ist und aus eigener familiärer Anschauung weiß, wie schwer es ist, sich in Deutschland zu integrieren. Der Unternehmer: „Natürlich ist beim Thema Flüchtlinge nicht alles rosig. Aber wenn ich nur Bedenken habe, dann sehe ich auch nur Bedenken. Wir sollten nicht den Flüchtling sehen, sondern Achmet – den einzelnen Menschen. Und ihm eine Chance geben.“ wb