„Eine Lähmschicht kommt auf die andere Lähmschicht“

Foto: GdWAxel Gedaschko ist Jurist, war Landrat im Landkreis Harburg und wurde dann vom damaligen Hamburger Bürgermeister Ole von Beust in den Senat berufen – zunächst als Stadtentwicklungs- und später als Wirtschaftssenator, bevor er 2011 GdW-Präsident wurde. Er lebt in Buchholz. Foto: GdW

Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbandes der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (Berlin), zum Thema Wohnungsbau in
Deutschland – Er sagt: „Wohnungsbau muss Chefsache sein!“

Wir haben eine anhaltende Nachfrage nach Wohnraum in Deutschland. Welche Weichen muss die Politik stellen, um die Schaffung von Wohnraum zu beschleunigen?

Es fehlen tatsächlich mindestens noch 140 000 Wohnungen zusätzlich pro Jahr. Die sind in den vergangenen Jahren nicht gebaut worden – da haben wir einen Rückstau von mindestens 800 000 Wohnungen. Und es fehlt vor allem eine bestimmte Kategorie: preisgünstige Geschosswohnungen. Um die zu realisieren, braucht es auf allen politischen Ebenen mehr Drive. Die Erkenntnis ist da – in den Sonntagsreden wird der Wohnungsbau beschworen, aber am Montag wird dann anders gearbeitet.


Wer trägt dafür die Verantwortung?



Fangen wir mal mit der kommunalen Ebene an: Dort, wo gebaut werden müsste, fehlt es schlicht und ergreifend an baureifem Land. Zusätzlich haben die Kommunen die Planungskapazitäten in den vergangenen Jahren heruntergefahren, weil auch nicht so viel gebaut werden musste. Diese Kapazitäten jetzt wieder hochzufahren, ist gar nicht so leicht.

Es fehlen also Mitarbeiter in den Bauämtern?

Genau. Da hakt es. Zum Beispiel bei den Baugenehmigungen. Aber dann hakt es häufig auch in den politischen kommunalen Gremien, den Räten. Die Erkenntnis, dass es jetzt flotter gehen muss, steht gegen die Sorge vor dem Protest. Unsere Gesellschaft ist da mittlerweile zutiefst egoistisch gepolt. Wir erleben sehr oft, dass politische Entscheidungen schon sehr weit gediehen sind und unsere Unternehmen mit konkreten Planungen beginnen – und dann fällt der Rat mit einem Mal um. Weil es Gegenwind gibt, weil mit Bürgerentscheiden gedroht wird. Und schon ist die Planung vom Tisch.

Was lässt sich dagegen tun?

Wohnungsbau muss in jeder Kommune Chefsache sein. Das heißt: Der Chef muss in allen Strukturen alles dafür tun, dass Wohnungsbau möglich wird. Auch in den politischen Gremien. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist Hamburg mit Bürgermeister Olaf Scholz, der den Wohnungsbau absolut zur Chefsache gemacht hat und sich nicht zu schade ist, in einzelnen Runden dafür zu werben. Genau so müsste es auch in den Kommunen sein.