Flüchtlinge im Binnenhafen: So geht Welcome à la Harburg!

Foto: Wolfgang BeckerDie „Transit“ hat im Herzen des Harburger Binnenhafens festgemacht. Hier sollen 216 Menschen leben, die die Erstaufnahme bereits hinter sich haben. Foto: Wolfgang Becker

Beispiellose Initiative stellt umfassendes Hilfs- und Integrationsangebot auf die Beine

Das Thema Flüchtlinge sorgt nicht gerade für Begeisterung. Die Reaktionen wie im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude signalisieren eher blanke Ablehnung – weil ja die Grundstückspreise in der Nachbarschaft sinken könnten. Negative Schlagzeilen sind da programmiert. In Harburg ist das anders. Zwar stellt sich hier auch die Frage, inwieweit die vielleicht auf Jahre angelegte Unterkunft von Menschen auf einem Wohnschiff mitten im Herzen des Binnenhafens negative Auswirkung auf die Investitionsbereitschaft haben könnte, aber im Windschatten der vorsichtig gestellten Frage hat sich eine Flüchtlingsinitiative entwickelt, die bundesweit ihresgleichen suchen dürfte.


Schon Wochen vor dem Eintreffen der ersten Bewohner ließen sich Schulkinder mit Willkommensplakaten ablichten. Ein Shuttle-Bus wurde spendiert, beispielsweise um schwere Einkäufe oder Arztbesuche erledigen zu können. Private Anlieger, Firmen, Mitarbeiter von Firmen, sogar Harburger aus dem Bereich jenseits der Bahn und Vertreter von Institutionen im Binnenhafen tagten wochenlang und stellten sich auf die neuen Mitbewohner ein. Die Haspa stellt sogar ihre mittlerweile stillgelegte Filiale an der Harburger Schloßstraße als Anlauf- und Beratungsstelle inklusive Channel-Bike zur Verfügung. Die Räume in der ehemaligen Eros-Bar sind montags und dienstags von 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr besetzt.

Hans-Joachim Schulz, Geschäftsführer von channel hamburg e.V., half mit, die vielfältigen Angebote zu ordnen und zu strukturieren. Er sagt: „Das ist jetzt sehr gut gelungen. Darüber bin ich froh. Es ist einfach unglaublich, wie viele Menschen sich hier in irgendeiner Weise kümmern wollen. Das ist wirklich etwas Besonderes.“ An die 100 ehrenamtliche Helfer haben sich mittlerweile gemeldet, sagt Schulz. „Hier kommen Menschen her und fragen, ob sie was tun können.“ Auch die Institutionen ziehen mit: darunter die Kulturwerkstatt, der KulturSpeicher, die Süderelbe AG, die TuTech Innovation, channel hamburg und die TU Harburg. Gorch von Blomberg (KulturWerkstatt): „Unsere Integrationsbemühungen haben auch dazu geführt, dass Institutionen, die bislang nebeneinander existierten, plötzlich zusammenarbeiten. Auch das ist Integration.“

Es gibt mittlerweile eine eigene Facebook-Gruppe (Flüchtlingshilfe Binnenhafen), die Helfer haben sich weitgehend vernetzt. Es werden alte Computer fit gemacht, um auch auf der „Transit“ eine Infrastruktur zu schaffen. Es werden Sprachkurse angeboten, Jobs und Wohnungen sollen bald folgen. Die TU will sogar englischsprachige Vorlesungen für Flüchtlinge öffnen. An den Medien ging dieser Hype nicht spurlos vorbei. Im Fernsehen wurde berichtet, große Zeitungen griffen die Harburger Initiative thematisch auf. Tenor: Seht her, es geht auch anders!

Schulz: „Wir haben jetzt mehrere Dienstbereiche eingeteilt: Lotsen für Flüchtlinge, Sprachkurse, ein Welcome-Team und eine Mutter-und-Kind-Gruppe.“ Das alles geschah, bevor ein einziger Bewohner eingezogen war. Die jeweils Verantwortlichen bilden die Koordinierungsgruppe, die nun mit dem städtischen Wohnschiff-Betreiber „fördern & wohnen“ das weitere Vorgehen absprechen soll. Schulz: „Die Flüchtlinge müssen nach dem Einzug erst einmal zur Ruhe kommen, dann schauen wir mal, was konkret gebraucht wird.“ Immerhin sei angekündigt worden, dass auf dem Schiff auch Familien mit Kindern untergebracht werden sollen. wb

Kontakt: info@fluechtlingshilfe-binnenhafen.de

HaspaFiliale

Sie freuen sich über die sinnvolle Verwendung der leer stehenden Haspa-Räume an der Harburger Schloßstraße: Haspa-Regionalbereichsleiter Holger Knappe (von links), channel-hamburg-Geschäftsführer Achim Schulz, SAG-Immobilien-Chef Heinrich Wilke, Gorch von Blomberg (KulturWerkstatt Harburg) und Haspa-Regionalbereichsleiter Arent Bolte. Foto: Wolfgang Becker