„Hamburg ist quasi vom Geld eingekreist“

Foto: Wolfgang BeckerWLH-Geschäftsführer Wilfried Seyer zeigt auf die Kaufkraft-Karte der GfK. Dort, wo es rot und dunkelrot ist, gibt es die größte Kaufkraft innerhalb der Metropolregion – in den Landkreisen Stormarn sowie Harburg und Pinneberg.

WLH-Chef Wilfried Seyer zu den Senatsplänen zur Schaffung eines Investitions- und Wachstumsfonds.

Mitten in die Überlegungen und Gespräche über die Venture-Capital-Kampagne für den Hamburger Süden (Seite 3) hinein platzte die Nachricht, dass sich der vom Hamburger Senat geplante 100 Millionen Euro schwere Investitionsfonds weiter verzögert. Den Plan von SPD und Grünen gibt es seit Jahresbeginn, aber er lässt sich nur schwierig umsetzen – und in den umliegenden Landkreisen steht die Überlegung im Raum, ob so eine Planung nicht auch Thema für die Metropolregion sein könne.

Der Investitions- und Wachstumsfonds, der vor allem Gründeraktivitäten zugute kommen soll, ist wieder einmal eine Hamburger Spezialität: Zehn Millionen Euro will die Hansestadt einbringen, 90 Millionen Euro sollen private Geldgeber drauflegen. Der Antwort auf eine Kleine Anfrage an den Senat ist zu entnehmen, dass erst 2017 eine Beschlussvorlage für die Bürgerschaft vorgelegt werden soll, in der unter anderem vorgegeben ist, dass der Fonds europaweit ausgeschrieben wird. Zudem soll ein Managementteam zusammengestellt werden, das Gespräche mit potenziellen Investoren führt – zwecks Einwerbung der offenen 90 Millionen Euro. Kurz: Das kann noch dauern. In Wirtschaftskreisen wird der 1:9-Ansatz bereits sehr skeptisch gesehen.


So macht es Bayern

Wilfried Seyer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg GmbH und zugleich Erster Vorsitzender des Business-Angels-Netzwerk Elbe-Weser e.V. (Banew), verweist auf das Pendant in München. Dort hat das Bundesland Bayern einen Investitionsfonds aufgelegt, der ganz anders aus-gestattet wird, wie B&P recherchiert hat: Mit dem Wachstumsfonds stellt der Freistaat aussichtsreichen Start-ups seit einigen Monaten (2015, die Red.) Wagniskapital zur Verfügung. Über den Fonds sollen via Kofinanzierung
250 Millionen Euro an Investitionen mobilisiert werden. Zudem wollen die LfA Förderbank Bayern und der Europäische Investitionsfonds (EIF) mit einem neuen Angebot Investitionen in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro aktivieren: Zum einen investiert die LfA 75 Millionen Euro in einen EIF-Dachfonds, der Wachstumskapital in Höhe von 375 Millionen Euro für bayerische Start-ups bietet. Zum anderen baut die LfA eine Ausfallgarantie des EIF in ihre Förderkredite ein, sodass sie für 1200 Betriebe neue Kredite in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung stellen kann. (Quelle: IHK-Magazin München und Oberbayern)

Wenn Hamburg sich anschickt, einen Investitions- und Wachstumsfonds einzurichten, warum dann nicht für die gesamte Metropolregion? Der Blick auf die aktuelle Kaufkraftkarte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt, dass das Geld vor allem im Hamburger Umland „sitzt“. Seyer: „Hamburg hat eine geringere Kaufkraftkennziffer als die Nachbarkreise. Deutlich höher ist die Kaufkraft in den Landkreisen nebenan. Harburg und Pinneberg sind nach Stormarn die zweitreichste Region innerhalb der Metropolregion. Hamburg ist quasi vom Geld eingekreist. Wenn ich privates Geld einsammeln möchte, würde ich mich auch dort umsehen. Was spräche also gegen eine Initiative auf Ebene der Metropolregion?“ Und: „Mein Vorschlag: Hamburg sollte prüfen, ob es nicht Sinn macht, einen Förderfonds für innovative Unternehmen gemeinsam mit Kapitalgebern aus dem Umland aufzusetzen.“

Im Alleingang unterwegs

Seyer weiter: „Wir haben in der offiziellen Metropolregion Gremien, die sich mit solchen Aktivitäten beschäftigen können, aber bislang wohl nicht befasst wurden. Leider werden die wirklich wichtigen Dinge nicht in der Metropolregion, sondern eher bilateral besprochen. Das widerspricht meines Erachtens im Grundsatz der Idee der Metropolregion.“ Jakob Richter, Leiter der Geschäftsstelle Metropolregion Hamburg, sieht keinen Anlass, die Hamburger Fonds-Initiative kritisch zu kommentieren: „Das ist für uns eher ein Randthema.“ wb