300 Experten aus aller Welt diskutieren über CFK

Foto: Wilfried StiefDr. Jens Holtmannspötter vom Bundeswehr-Institut in Erding hielt einen der ersten Vorträge – über Reparaturmethoden.

Elfte Convention lockt das Who is Who der Carbon-Forscher nach Stade.

Der leichte Baustoff CFK ist weiter auf dem Vormarsch. Im Flugzeugbau fing alles an, doch längst sind Kohlefaserverbundmaterialien der Stoff, aus dem Autos, Windkraftrotoren, Orthesen und sogar Gebäude erstellt werden. Weltweit interessieren sich Firmen und Forscher für CFK – jetzt  trafen sich 300 Fachleute aus 20 Nationen in Stade, um an der mittlerweile elften CFK Valley Stade-Convention teilzunehmen.

Als Partnerland stellte Dr. Gunnar Merz, Vorstandsvorsitzender von CFK Valley Stade, in seiner Eröffnungsrede Österreich vor. Nicht nur eine spannende Fußballgeschichte verbinde Österreich und Deutschland, sondern eben auch der Leichtbau – ein Fachgebiet, auf dem versierte Firmen hier wie dort aktiv seien, so Merz. So gehörten Produkte aus dem Nachbarland zur Weltspitze. In Stade sammelten Forscher in den vergangenen Jahrzehnten wertvolle Erfahrungen im Umgang mit dem leichten Werkstoff – vor allem im Flugzeugbau. Doch in einer Welt, die zunehmend auf leichte und damit in der Regel energie- und ressourcensparendere Produkte setzt, hat sich CFK neue Märkte erschlossen. Auch in Bereichen jenseits des Flugzeugbaus habe der Stoff Terrain erobert, sagte Merz am Rande der Veranstaltung.


Leicht und biegsam

Automobilbau und Formel 1 wären ohne CFK nicht das, was sie sind. Auch die E-Mobilität ist auf leichte Karosserien angewiesen, weil die Akkus so schwer sind. In der Medizintechnik hat der Werkstoff Fuß gefasst, denn leicht und biegsam wie er mittlerweile ist, kann er sogar Körperteile ersetzen, wie die Paralympics anschaulich zeigen. Eine weitere Anwendung: In den riesigen Rotorblättern der Windkraftanlagen kommt CFK stabilisierend zum Einsatz. Stades Wirtschaftsförderer Thomas Friedrichs folgert: „CFK hilft bei der Energiewende.“

Stade hat sich in den vergangenen Jahren zum internationalen Messestandort in puncto Carbonfaser gemausert. Sehr zur Freude von Bürgermeisterin Silvia Nieber, die die CFK-Experten im Stadeum begrüßte. Das hanseatische Flair nahmen die Gäste aus aller Welt gerne mit, gekommen waren sie aber aus anderen Gründen. So wie die Delegation aus Südkorea. Das Land fördert die Zukunftstechnologien und plant ein CFK Valley wie in Stade – nur größer. Die aufstrebenden Koreaner haben mit Marken wie Kia, Hyundai oder Samsung schon Zeichen gesetzt.

Der leichte Baustoff ist mittlerweile auch im Hausbau angekommen. Im vorigen Jahr war Dr. Amer Affan der Stargast der Convention. Sein Know-how erwarb der Forscher nach eigenen Worten auch in Stade. Daher schenkte er der Stadt eine futuristisch anmutende Bushaltestelle aus Carbon. Mittlerweile hat Affan in Frankreich ein Haus nach dem Lego-Prinzip errichtet, dessen drei vordere Glaswände in die hintere vierte Wand geschoben werden können. So etwas geht nur mit Carbon.

Der Verein CFK Valley wurde 2004 in Stade gegründet. Mehr als 100 internationale Unternehmen und Institute gehören dem Netzwerk rund um den Faserverbundwerkstoff an. Es gibt bereits einige kooperierende Ableger, zum Beispiel in Japan und Belgien.