Warum es gut ist, dass Hamburg keine Insel ist

Olaf ScholzHamburgs Erster Bürgermeister, Olaf Scholz, kam nach Stade, um ein Bekenntnis zur Metropolregion abzugeben. Oben rechts: Im Stadeum hatten sich mehrere Hundert Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung eingefunden. Fotos: Wolfgang Becker

150 Jahre IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum – Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zum Thema Metropolregion.

Sas Verhältnis der Hansestadt Hamburg zu den umliegenden Landkreisen in Niedersachsen war nicht immer das beste. Selbst zwischen Harburg und Hamburg offenbart der Blick in die Geschichte massive Keilereien im Kampf um die Hoheit auf der Elbe. Warum sollte das mit Stade anders gewesen sein. Hamburgs Erster Bürgermeister, Olaf Scholz, scheute den Blick zurück nicht, als er beim Neujahrsempfang der Industrie und Handelskammer Stade für den Elbe-Weser-Raum daran erinnerte, wie Stader Schiffe vor etwa 400 Jahren die Elbblockade der Hamburger durchbrachen. Heute ist alles anders. Heute steht die Metropolregion auf der Agenda ganz oben, denn auch Scholz weiß: Nur gemeinsam sind wir stark – und auf der Landkarte Europa wiederzufinden. Das brachte er in seinem Festvortrag deutlich zum Ausdruck. Hamburg braucht das Umland – das Umland braucht Hamburg. Auf diese einfache Formel lässt sich der Inhalt der Festrede vor mehreren Hundert Gästen im Stadeum bringen. Wer jetzt noch meinte, Hamburg pfeife auf die Nachbarn, der musste sich eines Besseren belehren lassen. Scholz: „Hamburg ist keine Insel!“ Er plädiert sogar dafür, die Industriegebiete in Stade, Brunsbüttel, Buxtehude und Hamburg als einheitlichen Raum zu betrachten. Scholz ist davon überzeugt, dass die Industrie eine Renaissance erleben wird – darauf müsse die Region vorbereitet sein. Als erstes Signal für diese Entwicklung nannte er die Siemens-Ansiedlung im Landkreis Cuxhaven. Ein Masterplan Industrie für den Unterelberaum könne ein weiterer wichtiger Schritt sein.

Plädoyer für mehr HVV

Auf offene Ohren stieß offenbar die Bitte von Landrat Kai-Uwe Bielefeld aus Cuxhaven, der an Scholz appellierte, den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) auf seinen Landkreis sowie die Landkreise Rotenburg, Uelzen und den Heidekreis auszuweiten. Sowohl die Kreise als auch das Land Niedersachsen seien bereit, sich für einen Metropoltarif zu engagieren – sprich: zu zahlen. Die Gespräche stimmten optimistisch, nur Hamburg müsse noch seinen Anteil beisteuern. Scholz ging darauf ein und ließ durchblicken, dass auch er an einer Einigung interessiert ist: Wer in dem schönen Land zwischen den Flüssen lebe, solle seinen Wohnort nicht aufgeben müssen, nur weil er in Hamburg arbeite.


Scholz appellierte daran, mehr in das Mit-einander zu investieren. Als richtigen Schritt sieht er es an, dass künftig auch Unternehmer in den Gremien der Metropolregion präsent sein werden. Er betonte zudem die Notwendigkeit der großen Verkehrsthemen wie Elbtunnel bei Glückstadt, A26 und (auf Hamburger Gebiet) A26 Neu. Diese Autobahn sei eben nicht nur eine Pendlerstrecke, sondern habe die Funktion, den Verkehr zu bündeln. Derzeit pendeln werktäglich
350 000 Menschen aus der Metropolregion nach Hamburg. 120 000 pendeln ihrerseits aus Hamburg ins niedersächsische und schleswig-holsteinische Umland.

Zuwanderer ein „riesiges Geschenk“

Zu Beginn der Veranstaltung hatte IHK-Präsident Thomas Windgassen unter anderem die demographische Entwicklung angesprochen und erläutert, dass die Generation der Baby-Boomer kurz vor der Rente stehe. Vor diesem Hintergrund stelle sich nicht die Frage, „ob wir uns Einwanderung leisten können, sondern, ob wir uns keine leisten können“. Ohne Zuwanderung werde das Wachstum in den kommenden Jahren sinken. Er bezeichnete die Zuwanderer, von denen 70 Prozent unter 30 Jahre alt sind, als „riesiges Geschenk“ – wenn es gelinge, sie in den Arbeitsmarkt und in die deutsche Ge sellschaft zu integrieren. Scholz ging auch darauf ein und betonte, dass Zuwanderung automatisch die Notwendigkeit eines stärkeren Wachstums der deutschen Wirtschaft bedeute. wb