Flüchtlinge als Fachkräfte für die Ernährungswirtschaft

Erster Schritt zum neuen Job? Ralf Hocker von foodactive trifft Ahmad Mukhtar, einem 48jährigen Pakistaner. Foto: Henning Lindhorst

Unternehmen treffen Migranten im Harburger Elbcampus.

Eine aktuelle Umfrage von foodactive unter den 500 Ernährungsbetrieben der Metropolregion Hamburg zeigt, dass sich 90 Prozent der befragten Unternehmen eine Beschäftigung von Flüchtlingen vorstellen können – sei es bei einem Praktikum, einer Festanstellung oder Ausbildung. Aktuell sind etwa 44 000 Personen in der Ernährungswirtschaft der Metropolregion Hamburg beschäftigt. 2016 erhielt foodactive eine Zuwendung der Stadt Hamburg, weil besonders hohes Potenzial für die Integration von Flüchtlingen in der Branche erwartet wird.

Franziska Wedemann, Vorstandsmitglied von foodactive begrüßte die Teilnehmer im Elbcampus. Das Harburger Back-Haus Wedemann ist bereits vorangegangen und hat Erfahrungen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen gesammelt. Nach einer Einleitung von Gesine Keßler-Mohr von der Handwerkskammer Hamburg referierte Jürgen Gallenstein von der Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration über das integrierte Angebot des Hamburger Modellvorhabens „Work and Integration for Refugees” (W.I.R.), das bereits bundesweit Beachtung gefunden hat. Dr. Oliver Brandt stellte im Anschluss die Ergebnisse der foodactive-Befragung vor, die im Februar gestartet wurde.

Vier Unternehmen sprachen auf einem Podium über ihre Praxiserfahrungen aus verschiedenen Perspektiven: Außer dem Start-up „Refugee Canteen“ und der Bäckerei Soetebier aus Winsen/Luhe gaben auch Vertreter von McDonald´s Nordheide und Dat Backhus, eine der großen Bäckereien in der Metropolregion mit mehr als 1000 Mitarbeitern in gut 120 Filialen, Auskunft über ihre ersten Erfahrungen mit der Beschäftigung von Flüchtlingen. Insbesondere stünden die Erlernung der deutschen Sprache und die Vorbereitung in der eigenen Belegschaft ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Podiumsteilnehmer gewährten wertvolle Praxiseinblicke und stimmten überein, dass funktionierende Netzwerke für Unternehmen wie Flüchtlinge gleichermaßen sehr wichtig seien, um trotz bürokratischer Hürden die Fachkräftesituation in der Ernährungsbranche durch die sinnvolle Integration von Flüchtlingen zu verbessern.

Auf dem „Marktplatz der Möglichkeiten“ im Elbcampus kamen die etwa 90 Teilnehmer anschließend mit Flüchtlingen direkt ins Gespräch. Es wurden Informationen ausgetauscht und Kontakte geknüpft – mit Gästen von Unternehmen und Initiativen unter anderem aus dem Wendland, dem Norden Hamburgs und der Süderelbe-Region. Workshops finden Mitte Juni in Uelzen und Hamburg bei Partnerunternehmen statt. Interessenten erhalten aktuelle Informationen und praktische Tipps für die Integration von Flüchtlingen persönlich und unter www.foodactive.de/flüchtlinge. Die Veranstaltung im Harburger Elbcampus fand in Kooperation mit der Hansestadt sowie den Handwerkskammern Hamburg und Braunschweig-Lüneburg-Stade statt. hl