Zwischen „Mikro-Strangulierung“ und Nachbarschaftskonflikt

Eine exklusive Runde: Beim zweiten Industrie-Frühstück des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden kamen Vertreter der Unternehmen mit Vertretern der Politik und der Verwaltung ins Gespräch.

Das sind die Sorgen der Industrie – Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden lädt zu exklusivem Informationsaustausch.

Regulierung durch staatliche Institutionen, Verkehrsprobleme, Fachkräftemangel, Digitalisierung oder auch sich abzeichnende Nachbarschaftskonflikte, wenn Wohngebiete an Industrieflächen heranrücken – die Themen, mit denen sich Unternehmen am Standort Hamburg befassen müssen, treffen mittelständische Industriebetriebe und die Großindustrie gleichermaßen. Das wurde beim zweiten Industrie-Frühstück deutlich, zu dem der Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden für den 10. Oktober Mitglieder sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung zu einem exklusiven Informations- und Meinungsaustausch ins Privathotel Lindtner eingeladen hatte. An der Frühstückstafel saßen unter anderem Vertreter von Airbus, Daimler Benz und Cargill – große, weltweit operierende Konzerne, die nach wie vor im traditionell industriegeprägten Hamburger Süden präsent und zudem attraktive Arbeitgeber sind.

Vor allem die Flut von Gesetzen und Verordnungen bereitet insbesondere den Mittelständlern häufig Probleme, wie Gastgeber Arnold G. Mergell ausführte. Im Vorstand des Wirtschaftsvereins ist er für den Bereich Industrie zuständig. Mergell, selbst Inhaber und Geschäftsführer eines mittelständischen Industrieunternehmens in Harburg, prägte in diesem Zusammenhang den Begriff der „Mikro-Strangulierung“ – nicht ohne zu betonen, dass jede Form der Regelung für sich betrachtet sicherlich ihre Berechtigung habe. Aber in der Masse seien die Auswirkungen auf den normalen Geschäftsbetrieb manchmal kaum noch zu bewältigen.


Programmierte Konflikte

Ein lokales Thema, das die Industrie beschäftigt, ist das Vordringen von Wohngebieten bis heran an ausgewiesene Industriegebiete. Insbesondere im Harburger Binnenhafen ist dies zu beobachten, wobei die Umnutzung und Mischung des Areals grundsätzlich positiv betrachtet wird. Mergell warnte jedoch auch vor programmierten Konflikten und warb dafür, die Trennung beider Nutzungen strikt einzuhalten. Ähnlich gelagerte Reibungspunkte gibt es auch im Wohnumfeld von Airbus. Das Unternehmen hat deshalb einen politisch besetzten Nachbarschaftsbeirat ins Leben gerufen, um sich zweimal jährlich mit Nachbarn und Politikern der umliegenden Bezirke auszutauschen. Auch im Planungsverfahren rund um die A26 Ost kommt es zu Konflikten, wie Christian Bartsch vom Industrieverband Hamburg berichtete. Er forderte die Harburger Befürworter der A26 auf, sich im Bürgerbeteiligungsverfahren ebenfalls zu melden – sonst kämen nur die Gegner aus Wilhelmsburg zu Wort.

Thomas Völsch: „Rufen Sie uns an“

Harburgs Bezirksamtsleiter, Thomas Völsch, rief allgemein zu Achtsamkeit auf – man dürfe nicht unnötige Gegensätze produzieren. Er verwies auf das starke Wachstum der Hansestadt Hamburg, was sich sowohl auf die Infrastruktur, das Ausweisen von Wohngebieten als auch die Nachfrage nach Arbeitsplätzen auswirke. Zum Thema „Mikro-Strangulierung“ sagte er: „Rufen Sie uns an, wenn es Probleme gibt. Wir haben immer ein offenes Ohr.“ Große Einigkeit herrscht bei einem anderen Thema: Der Wert der Technischen Universität Hamburg sowohl für den Standort Harburg als auch die Unternehmen vor Ort sei nicht hoch genug einzuschätzen, so der Tenor.