„Arzt, Architekt, Airbus . . .“

Fotos: Julia Balzer20 asylsuchende Schüler der Halepaghen-Schule Buxtehude suchen Praktikumsplätze für ein freiwilliges Praktikum in den Sommerferien. Sie werden betreut von den Lehrern Katharina Graber und Javier Diaz. Fotos: Julia Balzer

Für Traumberuf dringend gesucht: Halepaghen-Schule in Buxtehude braucht Praktikumsplätze für junge Flüchtlinge.

Sie kamen vor eineinhalb Jahren nach Buxtehude. Die meisten von ihnen aus Syrien. Manche mit ihrer Familie, manche ganz allein. Und alle mit ihrer eigenen Geschichte. Sie haben eine Biografie, wie sie im Vergleich zu in Deutschland aufgewachsenen Jugendlichen unterschiedlicher nicht sein könnte. Aber eines haben sie gemeinsam: Träume vom Leben, von der Zukunft und dem Beruf, den sie einmal ausüben möchten. „Arzt, Architekt, Airbus“ hört man sie sagen, wenn man nach ihrem beruflichen Ziel in ihrer neuen Heimat fragt.

Doch bis dahin ist es ein langer und bisweilen schwieriger Weg, besonders für die jungen Asylsuchenden. Khaled ist 17 Jahre alt, kommt aus Syrien und möchte beruflich etwas im Bereich Buchhaltung oder im Bankwesen machen. Um in den Beruf einmal hineinzuschnuppern, hat er sich um eine Praktikumsstelle bei einer örtlichen Bank beworben – und eine Absage erhalten. „In der Absage war keinerlei Option auf einen späteren Versuch zu erkennen, sie klang endgültig, hoffnungslos“, sagt seine Lehrerin Katharina Graber.


Natürlich fehlt es diesen Jugendlichen, die erst mit der großen Flüchtlingswelle Ende 2015 hierhergekommen sind, noch an Sprachkenntnissen, besonders schriftlich. Aber sie sind in den sogenannten Sprachlernklassen täglich dabei, intensiv Deutsch zu lernen. Es sei eine enorme Entwicklung zu erkennen, betont Schulleiterin Bettina Fees-McCue und bittet die Unternehmen, „den Mut zu haben, Praktikantenstellen zu vergeben“. Die Arbeit mit den Flüchtlingen sei eine enorme Bereicherung. „Auch wenn nicht immer alles gleich auf Abhieb läuft – ich bin mir sicher, dass es für beide Seiten schnell eine Win-win-Situation geben wird“, wirbt Fees-McCue für ihre Schützlinge.

Auch wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Erleichterung der Integration noch besser sein könnten – die Schulformen müssten durchlässiger und die Schulen befugt sein, Sprachzertifikate als Teil der Bewerbungsunterlagen auszustellen – wünscht sich Bettina Fees-McCue noch mehr Engagement nicht nur der Betriebe. Was können wir gemeinsam leisten, um den jungen Leuten eine Chance auf dem Weg in den Beruf zu geben? Diese Frage müssten sich die örtlichen Betriebe und Unternehmen, die Industrie- und Handelskammer, die Kirche, das Jobcenter, karitative Einrichtungen und die Volkshochschule gemeinsam stellen und gemeinsam durch eine bessere Vernetzung beantworten und Fakten schaffen. „Es gibt vereinzelt schon positive Beispiele von Betrieben, die einen Beitrag zur Integration leisten, zum Beispiel durch das Angebot von Sprachlernkursen am Wochenende“, lobt Bettina Fees-McCue. Aber es reiche noch nicht. Ein Anfang wäre ein ausreichendes Angebot an Praktikumsplätzen.

Mohammed (16) hat auch eine Absage für eine Praktikumsbewerbung erhalten. Er gehört zu denjenigen, die vom Beruf als Ingenieur beim großen Flugzeugbauer träumten. Nun möchte er es als Schiffsingenieur bei einer Reederei versuchen. Erika kommt aus Rumänien, und auch ihre Bewerbungsunterlagen liegen bereit, um sie in einem Architekturbüro abzugeben. Wie ihre Mitschüler möchte sie ebenfalls in den Sommerferien ein freiwilliges Praktikum absolvieren, um einen Einblick in ihren Traumberuf zu bekommen.

In den drei Sprachlernklassen der Halepaghenschule sitzen nicht nur junge Leute mit dem großen Traum vom Akademikerberuf. Angesichts der bereits realisierten Schwierigkeit, das Abitur zu schaffen – viele jugendliche Migranten  haben Lücken in ihrer bisherigen Schullaufbahn im Heimatland – könnten sie sich erst einmal eine Ausbildung vorstellen; ob sie dann noch ein Studium anschließen, wird später entschieden.