Auf den Hund gekommen . . .

Martin Mahn

Von Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Tutech Hamburg GmbH

Unser Hund ist weg. Er ist die Großstadt nicht gewöhnt. Gut, dass es nette Leute gibt, die ihn beim nächsten Tierarzt abliefern. Der liest nur rasch den implantierten Transponder aus und weiß, wen er da vor sich hat und wem er gehört. Was bei Haustieren heute schon Realität ist, wird für den Menschen vermutlich in wenigen Jahren auch zur Anwendung kommen. Kinder weggelaufen, kein Problem, da sind sie ja – beim Eisladen um die Ecke. Wann kommt der Ehemann nach Hause – ah, er ist schon auf der Autobahn. Ein bisschen ID- und GPS-Tracking und schon läuft das. Okay, sofern ich denn auch wenigstens drei Balken Empfang auf dem Handy habe und meine Verbindung ein paar Mbit Leistung bringt. Was in unserem vermeintlich schon so digitalen Land bisher eher ein virtueller Wunsch bleibt, kaum, dass man sich zehn Kilometer von den Ballungszentren entfernt. Besucher aus dem erfolgreich volldigitalisiertem Baltikum (E-Government, E-Society, E-conomy, zack!) müssen sich bei uns vermutlich immer ein Grinsen verkneifen . . .

Humifizierte Hundemarke

Was so eine humanifizierte Hundemarke aber wirklich bedeuten kann, ist heute wohl noch gar nicht so richtig zu erfassen. Wer braucht dann noch fälschungssichere Pässe, wer Kreditkarten und wer einen Ausweis für die Krankkasse? Nein, alles fix per RFID auslesbar auf den subkutanen Chip geladen und gut ist. RFID? WPAN, WLAN, NFC, Bluetooth?
Blicken wir bei all den „Standards“ im Near oder Far Field, local oder personal vernetzt überhaupt noch durch?

Egal. Dein Transponder und Du. Das zählt. Wenn der dann mit Alexa, Siri oder Cortana (warum eigentlich nicht auch mal Herbert oder James?) verheiratet wird, dann können wir auch noch mit ihm sprechen und uns selbst Befehle geben. Hauptsache nicht anders herum, sonst sind wir nur noch fremdgesteuert. Oder sind wir das nicht auch so schon? So richtig blöd wird’s aber eben, wenn das elektronische Implantat abstürzt, sich aufhängt, einfach mal nicht mehr will. Da kriegt der PC-Notfallshop um die Ecke (sofern es den dann noch gibt) doch eine ganz neue Bedeutung. Auch für Mediziner mit ICT-Zusatzausbildung tun sich da zukünftig ganz neue Betätigungsfelder auf – in der mikroelektronischen Gesundheit!

Auch in mein Smart Office komme ich nur noch mit so einem Ding. Wenn denn das Büro will. Will es aber nicht immer und dann bleibt die Tür eben zu. Hmm, wo saß nochmal der Hausmeister? Öfters habe ich das gleiche Problem auch vor meiner eigenen Haustür. Und mit dem Auto. Bevorzugt, wenn es regnet.
Ma(h)n fühlt sich glatt an früher und das „Du kommst hier nicht rein!“ der Disco-Türsteher erinnert. Also auch altbekannt.

Tür auf? Wenn denn das Büro es will . . .

Aber die Digitalisierung in der Wirtschaft ist neu? Die vierte industrielle Revolution? Nö, auch nicht so wirklich. Denn Industrie 4.0 hat schon vor gut zehn Jahren begonnen – zum Beispiel mit „Solid State Light-ing“ (LED) in der Lichtbranche. Mit durchschlagendem Erfolg für den Verbraucher. Siehe Autos. H7-Ersatzlampe? Zum Aussterben verurteilt. Heute muss ich gleich den ganzen Scheinwerfer austauschen (lassen). Es lebe der Umsatz! Oder ich lasse ihn mir drucken. Wenn denn die Breitbandanbindung nicht auch so löchrig wäre wie unsere Straßen. Additive Fertigung, eigentlich eine schicke Sache. Heute das Ersatzteil und morgen das ganze Auto. Das ich mir vorher virtuell konfiguriert habe. Ob nun AR oder VR – am Ende müssen wir uns auch dieser Realität (echt?) stellen.

Wenn da denn zukünftig mal nicht Einiges durcheinander geht. Ich drucke mir die Welt, wie sie mir gefällt. Ob das meine Schuhe sind, mein Abendessen oder mein Haus. Vielleicht bleibe ich gleich auf dem Sofa sitzen und gehe nur noch virtuell vor die Tür. Blöd nur, dass virtuelle Steaks so wenig satt machen und
Mik-rochips so unverdaulich sind – wohl erneut ein Fall für den ICT-Mediziner.

Wer hat die Milch bestellt?

Der smarte Tierarzt hat übrigens sofort angerufen. Und unser abtrünniges Haustier ist längst wieder zu Hause im Körbchen. Nur ich stehe immer noch im Regen vor der Haustür. Und malträtiere den Transponder. Neben mir hält ein Elektro-Lkw. Mein Kühlschrank hat vorhin zehn Hektoliter Milch bestellt – kleiner Fehler im selbstlernenden Algorithmus. Aber was soll‘s, nobody is perfect. „Auf den Hund gekommen“ hat in unserer digitalen Welt also wohl zukünftig eine ganz andere Bedeutung.

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