Buchholz boomt, doch jetzt wird Gewerbefläche zur Mangelware

Christoph Diedering

Christoph Diedering, Vorsitzender der Buch­holzer Wirtschaftsrunde

Für Unternehmen im Großraum Hamburg und im Landkreis Harburg gibt es eine Reihe guter Gründe, den Standort Buchholz für sich zu entdecken. Mit rund 41 000 Einwohnern ist Buchholz nicht nur das Mittelzentrum mit hoher Lebensqualität in der Nordheide. Sie ist zudem die größte Stadt des Landkreises Harburg, eingebettet in die Metropolregion Hamburg mit hervorragenden Verkehrsanbindungen an die Autobahnen und Bundesstraßen.

Diese Attraktivität als Wirtschaftsstandort lässt sich leicht anhand der Verkäufe von Gewerbeflächen in den letzten Jahren und der hohen Zahl an Unternehmensneugründungen ablesen. Nachdem im Jahr 2014 immerhin etwa 3,4 Hektar Gewerbefläche allein im Gewerbegebiet III am Trelder Berg verkauft wurden, hat sich diese Zahl bereits jetzt im laufenden Jahr deutlich mehr als verdoppelt. Auch die bei der Erweiterung des Gewerbegebiets II Vaenser Heide entstandenen neuen Flächen waren bereits kurz nach Erschließungsbeginn fast vollständig abverkauft.

Die Fehler der Politik

Anzeige

Nun steht Buchholz vor der Situation, dass für neuansiedlungswillige Unternehmen lediglich noch wenige kleinere Restflächen im Gewerbegebiet III am Trelder Berg zur Verfügung stehen. Einem Unternehmen mit einem mittleren oder gar erhöhten Flächenbedarf könnte in Buchholz zurzeit kein Standort mehr angeboten werden. Der Flächennotstand für Gewerbe droht also nicht nur, er ist bereits eingetreten. Hinzu kommt, dass mittel- bis langfristig auch nicht mit einem Rückgang der Nachfrage zu rechnen ist. Im Gegenteil: In der Bedarfsprognose des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) der Stadt Buchholz wird beispielsweise von einem weiteren Flächenbedarf für Gewerbe von insgesamt rund 60 Hektar bis zum Jahr 2030 ausgegangen.

Durch diese Situation treten jetzt die Fehler der Politik aus den vergangenen Jahren zu Tage. Während die Erweiterung des Gewerbegebietes II Vaenser Heide nach den ursprünglichen Vorstellungen etwa 15 Hektar betragen sollte, wurde dies aufgrund des Widerstandes im Rat der Stadt auf gerade einmal 5,5 Hektar beschränkt. Der Bedarf an größeren Flächen war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits abzusehen. Hier wurde offensichtlich zu kurz oder gar rein parteipolitisch motiviert gedacht.

Auf die offensichtlich bestehende hohe Nachfrage und das bereits jetzt fehlende Angebot nicht kurzfristig zu reagieren, um damit auch die Fehler der Vergangenheit zu kompensieren, wäre ein erneutes Versäumnis, welches auf lange Sicht wohl zwingend zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Buchholz führen würde. Wenn heute ansiedlungswilligen Betrieben eine Absage erteilt werden müsste und bereits bestehenden Betrieben auch mittelfristig kein Erweiterungspotenzial geboten werden kann, wird es zu einer Abwanderung von Unternehmen und einem Rückgang von Gewerbe, verbunden mit einem Rückgang an Arbeitsplätzen und auch der Gewerbesteuereinnahmen kommen.

Die Ansiedlung von neuen Betrieben und der Ausweis von Gewerbeflächen ist also keine reine Klientelpolitik zugunsten der Wirtschaft. Die aus der Wirtschaft generierten Einnahmen werden dringend benötigt, um wichtige Infrastrukturmaßnahmen in Buchholz wie beispielsweise den Ausbau und Unterhalt der Kindergärten oder die Verbesserung der Verkehrssituation zu finanzieren, um hier nur einige Maßnahmen zu nennen.

Die Entscheidungsträger, also sowohl die Verwaltung wie auch der Buchholzer Rat, müssen sich auch zukünftig ihrer Verantwortung für das Wohl der Stadt und aller Bürger in Buchholz stellen und sollten das weitere Wachstum in Buchholz nicht gefährden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass in Buchholz aufgrund der gegebenen politischen Verhältnisse ein Stillstand entsteht. Wir rufen daher die Verwaltung und sämtliche Fraktionen dazu auf, rein parteipolitisch oder ideologische motivierte Positionen aufzugeben und im Interesse einer geordneten weiteren Entwicklung der Stadt Buchholz zu agieren. Die Entwicklung neuer Gewerbeflächen muss nun mit hoher Priorität vorangetrieben werden!

Anzeige

Fragen an den Autor: Christoph Diedering ist seit Anfang des Jahres Vorsitzender der Wirtschaftsrunde Buchholz, die unter Telefon 0 41 81/38 00 740  oder info@buchholzer-wirtschaftsrunde.de erreichbar ist.

Web: www.buchholzer-wirtschaftsrunde.de