Karen Pein, Geschäftsführerin der IBA Hamburg GmbH – Da gibt es noch was aufzuholen . . .

Karen PeinIBA-Geschäftsführerin Karen Pein spricht bei der Entwicklung des Stadtteils von einem historischen Ereignis. || Foto: IBA Hamburg

Interview: Karen Pein, Geschäftsführerin der IBA Hamburg GmbH, über künftige Projekte, Ziele und Perspektiven.

Mit Karen Pein hat die langjährige IBA-Projektkoordinatorin und Prokuristin die Nachfolge von Geschäftsführer Uli Hellweg angetreten. Er hatte die Internationale Bauausstellung von 2006 an verantwortet und nach dem Präsentationsjahr 2013 noch einige Zeit weitergeführt. Im Mai dieses Jahres dann der Wechsel: Mit Karen Pein (41) übernimmt eine versierte Stadtplanerin den Staffelstab, die nicht nur an der Technischen Universität Harburg studiert, sondern sich von Anfang an mit vielen IBA-Projekten intensiv beschäftigt hat. Kommt es nun zu einer Neuausrichtung der IBA, die als städtische Entwicklungsgesellschaft eine neue Rolle übernommen hat? B&P-Redakteur Wolfgang Becker sprach mit Karen Pein auf dem IBA Dock.

B&P: Sie haben im Mai die Nachfolge von Uli Hellweg angetreten. Ändert sich mit dieser Personalie etwas an der inhaltlichen Ausrichtung der IBA?

Pein: Im Wesentlichen kümmern wir uns heute um die neuen Aufgaben als Entwickler für Wohnquartiere und Gewerbegebiete. Damit haben wir bereits 2013 nach dem Ende der Internationalen Bauausstellung angefangen. Zusätzlich haben wir neue Aufträge in Wilhelmsburg und Billbrook bekommen. Und das öffentliche Interesse an unseren Projekten der Bauausstellung hält nach wie vor an. Deswegen bieten wir auch geführte Rundgänge wie die Smart City oder die Elbsprung-Tour weiterhin an.



B&P: Wird denn personell aufgestockt?

Pein: Wir haben einige personelle Wechsel und bauen jetzt das Team auf.

B&P: Was sind die derzeitigen Schwerpunkte der IBA?

Pein: Wir haben im Moment neun Gebiete, mit deren Entwicklung wir beauftragt sind. Zunächst beginnen wir mit einer Machbarkeitsstudie. Innerhalb eines Jahres gucken wir, was in dem jeweiligen Gebiet möglich ist, wie eine Bebauung aussehen könnte, wo Stolpersteine und Hindernisse lauern und wie hoch die Risiken sind. Und natürlich untersuchen wir die voraussichtlichen Kosten. Berücksichtigen müssen wir beispielsweise auch die Beseitigung möglicher Altlasten. Dann schauen wir uns die potenziellen Zielgruppen an und überlegen, wie ein Vermarktungskonzept aussehen könnte. Am Ende legen wir einen Prüfbericht vor, der der Politik als Entscheidungsgrundlage bei der Frage dienen soll, ob wir in die Entwicklung einsteigen oder nicht.

B&P: Wie geht es nach der ersten Phase weiter?

Pein: Wenn die Stadt das Vorhaben entwickeln will, beginnt die zweite Phase. Dann sind wir für ein definiertes Gebiet beauftragt, die Planung und Realisierung zu übernehmen. Wir begleiten den Bebauungsplan, für den die Bezirke zuständig sind, planen die Erschließung sowie die Grünflächen und vermarkten schließlich auch die Grundstücke. Ein großer Vorteil ist, dass wir vom Beginn der ersten Prüfung bis zur Umsetzung alles aus einer Hand anbieten können.

B&P: Wenn ich als Privatmann ein Gelände entwickeln möchte, kann ich mich da an die IBA wenden und Sie beauftragen?

Pein: Nein, das können wir nicht. Als 100prozentige städtische Tochter sind wir ausschließlich für die Stadt tätig.

B&P: Mit Wilhelmsburg und Harburg ist die IBA schwerpunktmäßig im Hamburger Süden gestartet – ändert sich das künftig?

Pein: Wir sind ja schon über die Elbe gesprungen – diesmal gen Norden. In Kooperation mit der HWF (Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, d. Red.) haben wir von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation den Auftrag, ein Handlungskonzept zur Revitalisierung des Industriestandortes Billbrook/Rothenburgsort zu erarbeiten. Aber momentan haben wir unseren Schwerpunkt noch im Süden.

B&P: Welche „Altlasten“ sind denn noch von der ursprünglichen IBA abzuarbeiten – einige Projekte sind ja doch etwas verspätet an den Start gegangen.

Pein: Wir begleiten noch die Projekte, für die IBA-Exzellenz-Mittel zur Verfügung gestellt wurden – wie das Maritime Wohnen am Kaufhauskanal in Harburg. Da kümmern wir uns gerade darum, wie der zweite Bauabschnitt umgesetzt werden könnte.