Die Welt mit anderen Augen sehen

Steffen WilkckeTauschte sein Büro bei der Sparkasse Lüneburg im Rahmen der Aktion „Hamburger Seitenwechsel“ eine Woche lang mit dem Harburger Hospiz: Steffen Wilcke, Leiter Mittelstand.

„Hamburger Seitenwechsel“: Steffen Wilcke, Leiter Mittelstand bei der Sparkasse Lüneburg, arbeitete eine Woche lang im Harburger Hospiz.

Es gehört Mut dazu, seinen vertrauten Platz im Leben einmal für einen begrenzten Zeitraum aufzugeben und gegen „ein anderes Leben“ einzutauschen. Steffen Wilcke, Leiter Mittelstand bei der Sparkasse Lüneburg, hat diesen Schritt gewagt und eine Woche lang im Harburger Hospiz am Blättnerring in Langenbek geholfen. Eben noch der Ansprechpartner für Unternehmer, die beispielsweise über einen Kredit verhandeln möchten, plötzlich eine unmittelbare Begegnung mit Menschen, die wissen, dass ihnen der Tod absehbar bevorsteht. Eben noch langfristige Planungen und Konzepte auf dem Tisch, plötzlich Vollkontakt zur Begrenztheit des Lebens. Die Aktion „Hamburger Seitenwechsel“ macht solche Erfahrungen möglich und sorgt hautnah dafür, dass Menschen in hoher beruflicher Verantwortung die Erdung behalten und ermutigt werden, die Welt auch mit anderen Augen zu sehen.

Der „Mann von der Bank“, wie ihn die Mitarbeiter im DRK-Hospiz nannten, wurde in den Arbeitsablauf voll integriert – Schichtbeginn um 8 Uhr. Vorbereitung des Frühstücks. Sterbenskranke Menschen beim Gang zur Toilette begleiten. Betten beziehen. Nicht gerade das also, was normalerweise auf dem Kalender zu finden ist. Und das Wichtigste: Zeit haben, um mit Menschen zu sprechen.

Steffen Wilcke lebt mit Frau und zwei Töchtern in Winsen. Hier die Familienwelt, dort die Kundenwelt der Sparkasse Lüneburg. Und nun ein echter Seitenwechsel – Kontakt zu Menschen, die das beschäftigt, was auf den letzten Metern eines Lebens wichtig ist. Ganz sicher nicht mehr der Job, aber vielleicht das, was man noch tun wollte, aber nie geschafft hat? Die Versäumnisse? Ebenso das Erreichte und die Erkenntnis, dass das Leben am Ende wie ein Hauch vorüberfliegt. 70, 80 oder mehr Jahre zählen kaum noch, wenn nur noch wenige Wochen bleiben. Steffen Wilcke: „Manche haben mir berichtet, dass sie von der Endlichkeit des Lebens überrannt wurden.“

Was nimmt der Manager mit? „Mehr Achtsamkeit, Wertschätzung und auch Demut“, sagt Steffen Wilcke. Ein Ergebnis könne sein, dass etwas mehr Emotionalität und Empathie in das rationale Tageswerk eines Bankers einfließen. Die Aktion sorge für deutlich mehr soziale Kompetenz, sagt Wilcke. Und: „Ich kann jedem nur empfehlen, ebenfalls einmal einen Seitenwechsel zu machen.“ wb

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