„Das ist der alte Harburger Traum“

Foto: Wolfgang BeckerDas Bornemannsche Haus als Kunstobjekt: Der französische Künstler Julien de Casabianca betreibt das Projekt „Outings” (www.outings-project.org), bei dem „Alte Meister” aus dem Museum „befreit” werden und als Druck (Papier) mit Tapetenkleister im Stadtbild an Wänden angebracht werden – dort lösen sie sich mit der Zeit auf. Die Reaktionen von Passanten werden fotografiert und in die Internet-Galerie gestellt. Dass Hamburg dabei ist, ist Arne Weber, Eigentümer des Hauses, und Melanie-Gitte Lansmann zu verdanken, die ihrer neuen Rolle als personifizierte Verbindung zwischen dem Channel und der Harburger Innenstadt damit sofort gerecht wurde. Foto: Wolfgang Becker

Personeller Neustart: So wächst die Verbindung von Channel und Innenstadt

Mit Melanie-Gitte Lansmann kehrt die ehemalige Geschäftsführerin von channel hamburg e.V. zurück in den Binnenhafen – allerdings in neuer Konstellation. Sie bleibt Citymanagerin in Harburg und steigt zugleich als Gesellschafterin und Geschäftsführerin in die Agentur THINK ABOUT ein (siehe Bericht Seite 23). B&P-Redakteur Wolfgang Becker sprach mit Channel-Begründer Arne Weber und Melanie-Gitte Lansmann über die Chancen, die dieser personelle Schachzug für Harburg beidseits der trennenden Bahngrenze hat.

B&P: Wie bewerten Sie diese perso-nelle Neuaufstellung?

Weber: Wir haben jetzt die Traumkonstellation – auch aus Sicht des Bezirks. Eigentlich hatten sie uns hier Gitte ja weggelockt. Mit dem Ziel, die Lüneburger Straße voranzubringen. Wir hätten Frau Lansmann gern behalten, aber die Aufgabe des Citymanagements war verlockend. Wir hatten dann irgendwann den Punkt erreicht, dass hier im channel hamburg e.V. etwas passieren musste. Und so haben wir gemeinsam nach Wegen gesucht, wie sie beides machen kann. Das haben wir jetzt erreicht.



B&P: City-Management und channel hamburg e.V. – lässt sich das zeitlich miteinander vereinbaren?

Weber: Da muss Vieles von oben delegiert werden. THINK ABOUT ist eine Firma, die vernünftige Erträge erwirtschaften muss. Über Channel und City-Management hinaus müssen also auch noch andere Aufträge abgewickelt werden. Deshalb werden wir die Mannschaft von THINK ABOUT auch so konfigurieren, dass die Aufgaben zur Zufriedenheit beider Seiten erledigt werden können.

B&P: Nun haben wir also eine Zuständigkeit für den Norden und den Süden Harburgs. Gibt es eine Vision, wie sich beide Seiten gegenseitig befruchten können?

Weber: Es ist der alte Harburger Traum, von der Phoenix bis ans Wasser zu gehen. Wir haben immer gesagt: Uns trennt die Bahn. Aber es trennte uns auch immer im Kopf irgendwas – das eine war die teilweise desolate Innenstadt, das andere ein zukunftsweisendes Hightech-Areal. Wir wollten nicht, dass die negative Entwicklung hier herüberschwappt. Aber ich denke: Sicher kann der Channel auch von der City profitieren – und die City vom Channel. Anders ausgedrückt: Da gab es so zwei Lager und nun müssen wir gucken, was es wirklich an Synergien gibt und dass es ein Harburg gibt, das sein Gesicht positiv verändert.

B&P: Frau Lansmann, gibt es erste Aktionen, die grenzüberschreitend stattfinden?

Lansmann: Aktuell haben wir eine spontane Kunstaktion umgesetzt, die über den NDR an uns herangetragen wurde. Ein Pariser Künstler suchte witzige Standorte für seine Präsentation. Er hat Kunsthallen-Objekte sozusagen aus dem Museum befreit, hat sie auf Papier gedruckt und hier an die Wände gehängt. Da haben wir die Synergien genutzt, und so gibt es nun einige Stellen in der Innenstadt und auch welche im Binnenhafen.

B&P: Und so eine Aktion in Harburg?

Lansmann: Das Bezirksamt hatte die Anfrage vom NDR an uns weiter geleitet, sodass wir schnell reagieren konnten. Der Künstler kam dazu extra aus Paris angereist, hat die Bilder aufgehängt und ist am selben Tag zurückgeflogen.

B&P: Der Channel hat sich also ganz flexibel gezeigt und mit den besonderen Gebäuden hier die passende Kulisse geboten?

Lansmann: Das ist der Vorteil in Harburg. Wir sind hier so gut vernetzt, dass wir so eine Aktion mit wenigen Anrufen bei den Gebäudebesitzern – Herrn Weber, der TU Harburg und den Arcaden – innerhalb eines Tages lösen können. Da hilft es, dass ich sieben Jahre lang im Channel gearbeitet habe und nun auch die City gut kenne. Wir haben auch eine Verantwortung für die Menschen, für die jetzt im Binnenhafen die ganzen Wohnungen gebaut werden, eine attraktive City zu schaffen.

B&P: Während Ihrer Zeit hier im Channel gab es so tolle Veranstaltungen wie die „Nacht der Lichter“ – wird es eine Neuauflage in dem Sinne geben, dass es vielleicht auch südlich der Bahnstrecke leuchtet?

Lansmann: Also versprechen kann ich noch nichts, aber da sind wir dran. Wir haben ja schon zwei erfolgreiche „Nächte der Lichter“ gemacht. Der Grundgedanke war, durch einen Harburg-Lauf beide Teile, den Channel und die Innenstadt, zu verbinden. Ein Gesamtprojekt also, da wollen wir hin. Die Veranstaltung ist im wahrsten Sinne des Wortes zugleich ein Leuchtprojekt für den gesamten Hamburger Süden, das auch nach Hamburg rüberleuchtet. Deshalb wäre es eine tolle Sache, wenn wir die „Nacht der Lichter“ als verbindendes Element wieder aufleben ließen.

B&P: Herr Weber, aus all dem höre ich heraus, dass Ihnen das Engagement im Harburger Binnenhafen wieder richtig Freude macht und Sie nach manchem Frust zu der Erkenntnis gelangt sind, dass hier weitergearbeitet werden kann. Stimmt das?

Weber: Ich habe hier immer weitergearbeitet und eigentlich nie nachgelassen. Mein Herz schlägt natürlich ganz stark für den Channel, für den Harburger Binnenhafen. Hier habe ich die Ratten verscheucht. Die Leute haben mir die Pleite vorausgesagt, aber ich habe bewiesen, dass sich aus diesem versifften Industriestandort etwas machen lässt. Dass es so wird wie jetzt, das habe ich natürlich nicht gedacht. Das ist das Positive. Es läuft gut. Es sind viel mehr Leute im Boot, das Channel heißt, und rudern mit. Dabei hat uns der channel hamburg e. V. mit Gitte Lansmann als Geschäftsführerin richtig weitergebracht. Ohne den Verein wären wir nicht da, wo wir heute sind. Nach 25 Jahren gibt es immer noch viel zu tun, aber jetzt sind die Konturen zu erkennen, was das hier mal werden kann. Das Thema ist bei Gitte Lansmann in den richtigen Händen – sie hat jetzt sozusagen ganz Harburg im Griff und wird diese Aufgabe mit guten Mitarbeitern schaffen.