Hamburg Innovation Port: Gas geben und bremsen zugleich . . .

Katharina Fegebank (Grüne) vertritt im Hamburger Senat die Wissenschaft, also vor allem die Universitäten. Die Entwicklung der Technischen Universität Hamburg in Harburg begleitet sie mit Enthusiasmus.Katharina Fegebank (Grüne) vertritt im Hamburger Senat die Wissenschaft, also vor allem die Universitäten. Die Entwicklung der Technischen Universität Hamburg in Harburg begleitet sie mit Enthusiasmus.

INTERVIEW Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank zum Thema Hamburg Innovation Port – Sie spricht von der Projektplanung der zwei Geschwindigkeiten

Die Erweiterung der Technischen Universität Hamburg ist ein Thema, das sowohl die Uni selbst als auch das universitäre Umfeld und Akteure in Harburg seit Jahren umtreibt. Initiativen aus der Wirtschaft und aus den Wirtschaftsinstitutionen spielen dabei eine große Rolle. Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch hat die Entwicklung entscheidend vorangebracht, denn die TU ist eine starke Partnerin der Wirtschaft – das Thema Wissenschaft und Uni-Entwicklung fällt jedoch nicht in sein Ressort. Wissenschaftssenatorin ist die Grüne Katharina Fegebank. Sie ist verantwortlich dafür, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Einklang zu bringen. Mit ihr sprach B&P-Redakteur Wolfgang Becker

Die jüngste Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln für die Technische Universität Hamburg soll dazu führen, dass die Zahl der Studenten auf dem Hamburger Campus von 7000 auf 10 000 steigt. Was heißt das für die Frage der Unterbringung – wie soll das gelöst werden?
Wir haben jetzt erstmal eine Richtungsentscheidung getroffen, die Begeisterung ausgelöst hat. Auch im Bezirk, dort wird es mit Blick auf die Stadtentwicklung einen kräftigen Schub geben. Mit der Drucksache für das TU-Wachstum haben wir Leitplanken gesetzt – der neue Präsident braucht aber Handlungsspielräume. Mit ihm zusammen werden wir jetzt ausbuchstabieren, was es eigentlich heißt, die Zahl der Studierenden und der Professoren anzuheben. Das haben wir für die kommenden fünf Jahre mit 19 Millionen Euro unterfüttert – wohlgemerkt als erste Ausbaustufe.

Das heißt, es gibt noch mehr?
Das Wachstumskonzept ist zunächst auf zehn Jahre ausgelegt, unterteilt in zwei Phasen. Nach rund drei Jahren wird es evaluiert und basierend darauf gegebenenfalls nachgebessert. Das war jetzt der erste Pflock, den wir auch mit Blick auf die Begutachtung durch den Wissenschaftsrat eingeschlagen haben. Der Rat kam zu dem Ergebnis, dass es an der TU Hamburg richtige Perlen gibt. Die TUHH macht eine Top-Ausbildung, ist in der Lehre großartig und hat auch schon einige Forschungspflänzchen, die aber wachsen müssen. Die TU muss in der Forschung stärker werden. Gleichzeitig ist sie im Vergleich zu anderen Universitäten zu klein. Wenn sie den Anspruch hat, einmal die Technische Universität des Nordens, vielleicht sogar des nordeuropäischen Raums zu werden, muss sie wachsen. Das war für uns der Auslöser, gemeinsam mit der TU zu überlegen, wie wir den Wachstumspfad einschlagen können.

Aber wo sollen die dann 10 000 Studenten und die neuen Professoren bleiben?
Wenn wir hier zu einem Aufwuchs kommen, braucht das natürlich Platz. Nach jüngsten Gutachten war für die TUHH bislang genügend Platz vorhanden, aber das wird sich natürlich weiterentwickeln müssen – da gehen wir jetzt in die konkreten Planungen.

Sie wissen, Investoren haben es immer eilig und wollen Entscheidungen sehen . . .
…ich kenne die Gemengelage. Wir begleiten die Entwicklung mit Begeisterung.

Welche Chancen hat denn die Realisierung des Hamburg Innovation Port? Es gibt ja bereits ganz konkrete Vorstellungen und Entwürfe für die Fläche an der Blohmstraße im Harburger Binnenhafen.

Ich bin als unerschütterliche Optimistin zuversichtlich, dass da etwas entstehen wird, aber man muss auch sagen: Da prallen Welten aufeinander. Hier die Investoren, die wissen wollen, wann es losgeht, dort die TUHH, die gerade einen neuen Präsidenten hat und dabei ist, ein Wachstumskonzept zu entwickeln. Da muss man natürlich sensibel vorgehen. Das Präsidium der TUHH hat das Versprechen, selbst die Spielräume ausgestalten zu können und um klug zu überlegen, welche Fachbereiche wo untergebracht werden sollen. Die Verbindung der TUHH zu dem Vorhaben Hamburg Innovation Port liegt aber natürlich auf der Hand. Daher unterstützen wir den Austausch aller Beteiligten und begleiten die Entwicklung mit viel Wohlwollen.

Der Raumbedarf ist ja unbestritten vorhanden . . .
So etwas wächst mit der Dynamik der Wachstumsstrategie. Wir werden jetzt sehr schnell in die Planung gehen und eine Bestandsaufnahme machen, was sich wo in der TU befindet und was sich im Zugedes Aufwuchses dort für Raumbedarfe ergeben. An dem Punkt sind wir. Perspektivisch geht es also in die richtige Richtung.

Wie empfinden Sie denn das Engagement von Arne Weber, der als Investor für den Hamburg Innovation Port quasi Gewehr bei Fuß steht?
Das Projekt hat eine hochinnovative Kraft, und Herr Weber ist sehr visionär unterwegs. Was er in den vergangenen Jahrzehnten an Impulsen für die Stadtentwicklung und die Verbesserung der Lebensqualität gesetzt hat, das ist hervorragend. Das Zusammenspiel mit den verschiedenen Vertretern im Senat, also auch mit Herrn Horch und mir, ist sehr gut. Andererseits müssen wir in der Verwaltung und in der Wissenschaft auch dahin kommen, dass wir schneller auf Bedarfe reagieren können. Die Möglichkeitsfenster für Harburg sind gerade so weit offen – dort entsteht mit dem Hamburg Innovation Port, dem Zentrum für maritime Logistik, dem DLR, dem ICGT & Startup Dock und der TU Hamburg ein richtiger Technologie-Hotspot.

Das privatwirtschaftliche Engagement wird also durchaus begrüßt?
Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir mit dem Investor zusammenarbeiten wollen. Wir bitten nur um ein bisschen Geduld, denn es muss ja auch gut gemacht sein. Es muss ja vorher klar sein, wie und wofür gebaut werden soll. Sollen da studentische Arbeitsplätze und Räume für Startups geschaffen werden – oder doch eine Forschungsinfrastruktur? Das wirkt sich wiederum auf den Baukörper aus. Deshalb ist es wichtig, dass das TU-Präsidium jetzt intensiv darüber nachdenken kann.

Das heißt: Sie müssen Gas geben und bremsen zugleich, richtig?
Ja, das ist eine gute Formulierung. Wir haben nur einen Schuss. Das, was da gebaut werden soll, muss gut passen. Wir haben zwar Schwerpunkte an der TUHH, aber werden das auch künftig die Themen sein? Oder kommen neue Schwerpunkte hinzu, die auch gut zu Harburg passen? Werden sich weitere Verzahnungen mit anderen Universitäten entstehen? Und was bedeutet das für einen Hamburg Innovation Port? Diese Fragen wollen wir klären, um Ingenieurinnen und Ingenieure in Zukunft auszubilden.

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Dieser Artikel ist zuerst in der Magazin-Ausgabe 18 von Business & People erschienen. Die komplette Ausgabe sowie viele weitere Ausgaben können Sie kostenlos in unserer App „Business & People“ lesen. Hier bekommen Sie weitere Informationen unserer vorteilhaften App.