Von kritischen Städtern und schwindenden Flächen

Foto: Wolfgang BeckerKreislandwirt Willy Isermann hat seinen Hof in Toppenstedt zum 1. Juli an seinen Sohn Stefan übergeben. Foto: Wolfgang Becker

Interview: Kreislandwirt Willy Isermann über die Situation der Landwirtschaft  im Landkreis Harburg

Der Landkreis Harburg ist trotz seiner Nähe zur Hansestadt Hamburg nach wie vor in großen Teilen ländlich geprägt. Das gilt für den Ostkreis Richtung Winsen stärker als für den Westkreis rund um Buchholz. B&P-Redakteur Wolfgang Becker sprach mit Kreislandwirt Willy Isermann aus Toppenstedt. Er spricht nicht nur für die noch rund 900 landwirtschaftlichen Betriebe (vor sieben Jahren waren es noch 1000), die rund 55 000 Hektar Fläche bewirtschaften. Der Kreislandwirt kennt das Geschäft auch aus eigener Anschauung im Vollerwerb: Die Isermanns betreiben Schweinemast, haben insgesamt 3000 Mastpätze im Betrieb und bauen das Grundfutter selbst an.

B&P: Landwirtschaft im Landkreis Harburg – wo drückt aus Ihrer Sicht der Schuh?


Isermann: Trotz der Lage im Hamburger Speckgürtel sind wir ja durchaus landwirtschaftlich geprägt, wo-bei sich die Dörfer immer mehr mit Leuten aus der Stadt bevölkern, die dann nicht immer damit einverstanden sind, wie gewirtschaftet wird – sprich Gülleausbringung, sprich Wochenendbetreib mit Maschinen. Das wird zunehmend ein Problem.



B&P: Von den 900 Betrieben werden etwa die Hälfte im Vollerwerb, die andere Hälfte im Nebenerwerb betrieben. Die Konzentration ist auch hier zu spüren. Wie entwickeln sich die Flächen?

Isermann: Von den 55 000 Hektar entfallen etwa 38 000 auf Ackerland. Insgesamt haben wir aber heute weniger Fläche – in den vergangenen sechs Jahren haben wir an die 700 Hektar verloren an Bauland und für Infrastrukturmaßnahmen. Das wird zunehmend ein Problem, gegen das wir uns auch wehren müssen.

B&P: Wo liegt der Schwerpunkt der landwirtschaftlichen Ausrichtung im Landkreis Harburg?

Isermann: Ackerbau spielt hier im Ostkreis eine Rolle, wobei wir hier auch viele Mischbetriebe haben. In unserem Betrieb, den jetzt mein Sohn übernommen hat, haben wir ja auch Schweinemast dabei. Veredelung brauchen wir. Unser Standort hat nur 30 Bodenpunkte, steht voll unter Beregnung. Im Bereich der Elbe ist dagegen überwiegend Grünland angesiedelt. Da ist Ackerbau kaum möglich. Dazwischen ist dann noch der Bereich Klecken/ Nenndorf, wo hervorragende Böden mit bis zu 70 Bodenpunkten sind. Superstandorte. Dort beschäftigt man sich nur mit Ackerbau.

B&P: Wie sehen Sie denn die Perspektive der Landwirtschaft – wird die Konzentration noch stärker zunehmen?

Isermann: Der Strukturwandel  geht weiter – da sollten wir uns nichts vormachen. Wenn es für die nachfolgende Generation nicht interessant genug gemacht wird, wenn wir nicht vorleben, dass es sich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb vernünftig arbeiten und leben lässt, wird es schwierig. Aber wenn das gelingt, dann finden wir auch junge Nachfolger.