Pragmatismus statt Marzipan

Von Jan Bauer, Vorsitzender Buchholz  Marketing e.V.

Von Jan Bauer, Vorsitzender Buchholz Marketing e.V.

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ – dieser oft zitierte Merksatz soll Zukunftsträumer auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Man kann aber auch entgegenhalten: Ohne Fantasie bewegt sich nichts. Wer in Politik und Wirtschaft verantwortlich handeln will, muss Vorstellungskraft für die Zukunft entwickeln, muss sich ein Bild machen von dem, was Wirklichkeit werden könnte.


Auch beim Stadtmarketing gibt es das Spannungsfeld zwischen großer Vision und pragmatischem Handeln. Den Wünschen aller Beteiligten, der Unternehmen, des Einzelhandels, der Anwohner, der Kultur, des Sports und des Tourismus‘ stehen die Möglichkeiten der Verwaltung und der Vereine gegenüber. Und es sind nicht nur die finanziellen Spielräume, die Konzentration auf das Machbare erfordern, sondern auch eine Grundregel des Marketings. Für die hat David Ogilvy, der amerikanische „Erfinder der Werbung“, mal ein treffendes Beispiel gegeben: „Wenn ich Ihnen einen Tennisball zuwerfe, werde Sie ihn fangen. Werfe ich fünf, fangen Sie gar keinen.“

Einen modernen Einzelhandelmix schaffen

Für Buchholz Marketing e.V. ist das eine Ziel, das man zuerst erreichen will, die Innenstadt-entwicklung, genauer gesagt die so genannte Aufenthaltsqualität. Wie bringt man Anwohner und Gäste dazu, sich noch mehr in der Stadt aufzuhalten? Zum Beispiel indem man Anreize durch einen modernen Einzelhandelsmix schafft und den Wohlfühlfaktor durch attraktive Veranstaltungen und pflegende Stadtbildprojekte stärkt. Freies WLAN und Stadtgrün ziehen dabei nachhaltiger als verkaufsoffene Sonntage, vielfältige regelmäßige Kulturangebote mehr als der eine Groß-event.

Die richtige Strategie für die Vermarktung der Stadt entsteht nicht bei einem externen Dienstleister, sondern im dauernden Zusammenspiel aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die durch ihre engagierten Mitglieder im Buchholz Marketing e.V. vertreten sind.

Die Stadt Buchholz in der Nordheide tritt im kommunikativen Wettbewerb der norddeutschen Städte nicht mit einer besonderen Eigenschaft hervor – keine Stadtmusikanten, kein Hafen und kein Marzipan. Aber sie vereint viele gute Eigenschaften, die sie zu einem wachsenden Zentrum im Landkreis Harburg machen. Statt um kommunikative Visionen von einer Traumstadt geht es also ganz pragmatisch um einen laufenden Optimierungsprozess im Dialog mit allen Beteiligten. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Innenstadt geht, erkennt die Vorzüge der lebendigen Stadt – und mit etwas Fantasie die wirksamen Ansatzpunkte für erfolgreiches Stadtmarketing.

Fragen an den Autor? jbauer@buchholz-stw.de