Sicherheitsrisiken beim Online-Kauf

Stade aktuell: Internet-Händler sparen nicht nur an Steuern.

Claus Duderstadt

Von Claus Duderstadt, Kassenwart des Vereins Arbeitsgemeinschaft Aktuelles Stade e.V.

Die Wettbewerbsverzerrungen sind groß, die Sicherheitsrisiken für Verbraucher enorm: Online-Plattformen wie Amazon und Ebay agieren als Logistik-Dienstleister für ausländische Händler. Damit umgehen sie das Produktsicherheitsgesetz und das Steuerrecht. Die deutschen Finanzämter können für die Produkte aus Drittstaaten keine Steuern eintreiben, die Marktüberwacher können die Ware nicht kontrollieren, kritisiert die Arbeitsgemeinschaft „Stade aktuell“.


Ohnehin stehen die Kaufleute vor Ort im großen Wettbewerb mit Online-Händlern, doch durch die Gesetzeslücken wird es der Kaufmannschaft noch schwieriger gemacht, so Claus Duderstadt, Kassenwart von „Stade aktuell“: „Die Wettbewerbsnachteile sind noch massiver.“

Die Branchenriesen Amazon und Co. treten als sogenannte Fulfillment-Anbieter auf. Sie lagern die Produkte von Händlern aus Drittstaaten – zum Großteil aus Asien – lediglich zwischen und versenden diese. Als Importeure gelten sie damit nicht. Eine wachsende Praxis: Von 2012 bis 2014 wuchs der Fulfillment-Markt weltweit um 65 Prozent, so Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des Stader Handelsverbandes Nordwest. Zwar ist den deutschen und europäischen Gesetzgebern die Problematik bekannt, doch entsprechende Gesetzesänderungen blieben bislang aus. „Das muss sich ändern“, fordert Rübsteck. „Fulfillment-Anbieter müssen genauso wie Hersteller und Verkäufer in die Pflicht genommen werden.“ Wie viel Mehrwertsteuern dem deutschen Fiskus entgehen, ist unklar – entsprechende Erhebungen fehlen.

Erneut sparen Händler aus Drittstaaten, wenn sie die Sicherheitsgesetze übergehen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) beziffert etwa den Anteil für die Einhaltung von Sicherheitsanforderungen an den Herstellungskosten von elektronischen Produkten auf mindestens 15 Prozent. „Wir sind doppelt im Nachtteil“, so Duderstadt von „Stade aktuell“.

Die Verbraucher kaufen zwar online günstig ein, gehen aber bei der Sicherheit und Reklamation hohe Risiken ein, mahnt Duderstadt – zumal zahlreiche Hersteller Gütesiegel zusätzlich fälschen würden: „CE steht nicht für China-Export.“ Die ansässigen Kaufleute haften für ihre Waren; Kunden können defekte Produkte vor Ort reklamieren. Ein wichtiger Pluspunkt für den stationären Handel neben der fachkundigen Beratung und dem umfassenden Service.

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