E-Mobilität: Keine einfache Lösung

Dipl. Ing. Jürgen Enkelmann

Von Dipl.-Ing. Jürgen Enkelmann, Ge­schäftsführer der Wirt­schafts­för­der­gesellschaft mbH für Stadt und Landkreis Lüneburg

Elektroautos sollen Mobilität und Umwelt versöhnen. Aber die E-Mobilität steht am Anfang und kann die Gesetze der Physik auch nicht aushebeln. Von 3,35 Millionen neu zugelassenen Pkw im Jahr 2016 waren gerade mal 11 400 Elektroautos. Trotz 4000 Euro Kaufprämie sind das nur
0,7 Prozent. Kernproblem der E-Autos sind die Hochleistungsbatterien, die in Millionenzahl benötigt werden. „Wenn die angestrebten zehn Millionen Elektroautos gebaut werden”, rechnet Hinrich Helms vom Institut für Energie und Umwelt (Ifeu) vor, „werden allein dafür 383 Prozent des weltweit gewonnenen Lithiums und  43 Prozent des Nickels benötigt.” Wo die Rohstoffe herkommen, lässt sich erahnen, nachdem sich China wichtige Schürfrechte in Afrika bereits gesichert hat


Aber die Herausforderungen der E-Fahrzeuge liegen nicht nur in der Batterieherstellung. Sie sind auch immer noch zu schwer, zu teuer, brauchen lange für die Ladung und reichen allenfalls für ein paar 100 Kilometer. Zwar wird auch in Deutschland an effizienteren Batterien geforscht, doch produziert werden sie in China und Südkorea. Es ist sicherlich kein Zufall, dass BMW im vergangenen Jahr die wichtigsten Mitglieder seines Entwicklerteams für Elektro-fahrzeuge an einen chinesischen Konkurrenten verloren hat.

Elektroautos stoßen zwar keine Schadstoffe aus, sie sind deshalb aber nicht klimaneutral. Beim heutigen Strommix (zwei Drittel Kohle und Gas) liegt der CO2-Ausstoß beim Stromer mit 199 Gramm je Kilometer sogar über einem Diesel (196 Gramm). Die guten Diesel-Daten beim CO2-Ausstoß werden allerdings durch den hohen Ausstoß an Stickoxiden (NOx) überlagert. Seitdem in den USA die Manipulationen bei VW aufgedeckt wurden, stehen sie im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Dass es den Amerikanern dabei nicht nur um Verbraucher- und Umweltschutz geht, sondern der Anti-Diesel-Kampf auch der eigenen Automobilindustrie dient, ist naheliegend. Die dortigen Autobauer produzieren kaum sparsame Diesel, dafür aber großvolumige und spritfressende Pick-ups und SUVs, an denen niemand Anstoß nimmt.

Weitere Möglichkeiten

Solange ungewiss ist, wie lange die teuren Akkus halten und wie man sie recycelt, sollten Benziner und Diesel weiter optimiert werden. Sicher reichen dazu Software-Updates allein nicht aus. Aber es gibt weitere Möglichkeiten. Nur eine davon ist die synthetische Herstellung von Diesel-Kraftstoff mit deutlich geringeren Stickoxidemissionen.

Weder Lüneburg noch die Metropolregion Hamburg sind Hochburgen der Automobilindustrie. Dennoch hängen auch hier viele Arbeitsplätze davon ab, dass Technologien nicht „verteufelt“ werden, bevor es wirkliche Alternativen gibt.  Indem Mobilitätsdienstleistungen weiterentwickelt werden, kann dennoch für Mensch und Umwelt viel getan werden. Auch in und für die Metropolregion Hamburg. Ideen sind vorhanden. Sie sollten in Pilotprojekten erprobt und seriös bewertet werden. Der beim „Dieselgipfel“ vereinbarte „Mobilitätsfonds“ kann dafür allenfalls ein erster Baustein sein. Kurzlebige PR-Effekte sind aber ebenso wenig gefragt wie Schwärmereien.

Fragen an den Autor: enkelmann@wirtschaft.lueneburg.de