Nachhaltigkeit – aus der Zeit gefallen

Dipl. Ing. Jürgen Enkelmann

Von Dipl.-Ing. Jürgen Enkelmann, Ge­schäftsführer der Wirt­schafts­för­der­gesellschaft mbH für Stadt und Landkreis Lüneburg

Wenn Sie bei Google den Begriff „Nachhaltigkeit“ eingeben, werden Ihnen mehr als zwölf Millionen Ergebnisse angezeigt. Wenn Sie ihn durch „Werthaltigkeit“ ersetzen sind es nicht einmal 250 000. Dass man Such-Algorithmen im Internet auch in Zeiten der Digitalisierung nicht überbewerten muss, ist beruhigend. Denn die Häufigkeit der Begriffsverwendung sagt leider nichts über deren Relevanz im Alltag aus.


Ein Beispiel hierfür ist die derzeit inszenierte Wachstumsstrategie. Dass sie nicht nachhaltig sein kann, hat der Ökonom Friedrich August von Hayek (1899 bis 1992) bereits vor 70 Jahren in seinem Aufsatz „The Use of Knowledge in Society“ (Die Verwertung des Wissens in der Gesellschaft) eindrucksvoll beschrieben. Danach ist das Wissen in einer Gesellschaft verteilt. Über Preise und Wettbewerb wird dies sichtbar gemacht, und daraus abgeleitete Handlungen werden koordiniert. Der Schlüssel liegt also in der Informationsfunktion von Preisen. Sie zeigt Knappheit an und setzt Anreize, um Angebot und Nachfrage auszugleichen.

Wenn Zentralbanken auf dem Geldmarkt die Zinsen gegen Null drücken, indem sie Staatsanleihen kaufen, wird die Signalwirkung der Zinsen außer Kraft gesetzt. Ein drohender Staatsbankrott wird nicht mehr adäquat angezeigt. Wenn Zentralbanken die Märkte mit billigem Geld fluten, sind Aktienpreise kein Anhaltspunkt mehr für zukünftige Gewinne von Unternehmen. So wird die Illusion geschaffen, dass Wohlstand auch ohne das ständige Streben jedes Einzelnen nach Effizienz möglich ist. Wer Hayek ernst nimmt, versteht, warum eine solche Wachstumsstrategie nicht nachhaltig sein kann.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat Mitte Dezember 2015 das Ende der Nullzins-Politik eingeläutet. Das ist ein Zeichen der Hoffnung. Es ist die erste Richtungsänderung bei den Zinsen seit 2006 und zugleich ein mutiger Schritt. Denn solange die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrem Kurs festhält, wird der Dollar wegen der Zinsdifferenz zum Euro tendenziell stärker. Das wird amerikanischen Firmen den Export nach Übersee erschweren.

Schritte hin zu mehr Normalität im Finanzsystem liegen im Interesse mittelständischer Unternehmen. Sie können ihre Wettbewerbsvorteile in einem interventionsfreien Marktumfeld besser ausspielen, ohne den leichten Zugang zu Kreditmitteln zu verlieren.

Die Rolle der KMU

Mit ihren Innovationsaktivitäten treiben kleine und mittlere Unternehmen (KMU) das wirtschaftliche Wachstum auch in der Region Lüneburg an und tragen wesentlich zur laufenden Modernisierung des Produktangebots und zur Steigerung der Produktivität bei. Innovationen durch KMU sichern die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes, schaffen Arbeitsplätze und tragen zum technologischen Fortschritt bei.

Die in diesem Zusammenhang häufig beklagten Defizite der KMU im Innovationsmanagement können relativ leicht kompensiert werden. Hierfür gibt es einfache Lösungen, auch durch Nutzung externer Ressourcen. Erprobte Konzepte zum Austausch von Wissen und Erfahrungen vor Ort und zwischen KMU sollen daher fortgeführt und gezielt verstärkt werden. Sie setzen Anreize für mehr Innovationen, dem eigentlichen Kern einer nachhaltigen Wachstumsstrategie.

Fragen an den Autor: enkelmann@wirtschaft.lueneburg.de