Mehr Gestaltungsfreiraum 
für den „German Mittelstand“

Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) bilden den Motor der deutschen Wirtschaft. Allein in Lüneburg sind über 8000 KMUs ansässig. Nicht zuletzt seit der jüngsten Weltwirtschaftskrise beneiden uns viele andere Volkswirtschaften um die Stärke dieses Unternehmenstyps und dessen Leistungsfähigkeit. Der Begriff „German Mittelstand“ wird weltweit mit beständiger Innovationsfähigkeit, hohen Erträgen und mit sicheren Jobs in Verbindung gebracht. Neben gewissenhaftem politischen Handeln ist es vor allem unseren KMUs zu verdanken, dass Deutschland die Wirtschaftskrise vergleichsweise glimpflich überstanden hat. Der „German Mittelstand“ basiert auf einem über 100 Jahre alten Verständnis. Dieses einzigartige Gefüge zu bewahren, zu fördern und zukunftsfähig zu machen, war und ist ein Hauptziel der Bundespolitik. Der fortschreitenden Digitalisierung und dem internationalen Innovationsdruck begegnet die Politik aktiv durch finanzstarke Förder­initiativen und hat dabei besonders KMUs im Blick. Viele Betriebe sehen sich aber noch vor eine weitere Herausforderung gestellt: den Fachkräftemangel (siehe auch Seite 38, d. Red.). Teilweise betreiben Unternehmen einen höheren Aufwand für die Werbung qualifizierter Mitarbeiter und Auszubildender als für die Werbung von Kunden. In Lüneburg, wie in vielen anderen Regionen in Deutschland, leistet das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Der Arbeitgeberverband Lüneburg unterstützt diese freiwillige Kooperation der lokalen Wirtschaft mit den ortsansässigen Schulen.

Ausbildungsberufe müssen darüber hinaus unbedingt attraktiver gestaltet werden. Die Möglichkeit einer späteren Selbstständigkeit kann hierzu beitragen. Auch an dieser Stelle leisten regionale Netzwerke, wie das Gründungsnetzwerk Lüneburg, einen nicht unerheblichen Beitrag. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Förderprogrammen ebnet die Initiative des Unternehmervereins Wirtschaftsforum Lüneburg seit fast 20 Jahren den Weg für Gründer. Der Fortbestand und vor allem der weitere Ausbau von KMUs kann so von Seiten der Wirtschaft aktiv gefördert werden.


Die Wirtschaft weiß sich oft selbst zu helfen

Eine zukunftsweisende Politik muss gerade den individuellen Charakter von KMUs anerkennen und sollte sich darauf beschränken, ein tragfähiges Fundament für die Weiterentwicklung von Betrieben zu stellen. Dies gilt auch für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier haben gerade kleine und mittlere Betriebe oft das Nachsehen, beispielsweise hinsichtlich einer betriebsnahen Kinderbetreuung. Der Gesetzgeber hat an vielen Stellen bereits nachjustiert. An mancher Stelle ist der Gesetzgeber bei der Unterstützung von Familien im Rahmen der Berufstätigkeit jedoch bekennendermaßen über das Ziel hinausgeschossen. Die Novellierung des Mutterschutzrechts stellt so einen Fall dar, gerade im Kontext der KMUs. Besonders die konkretisierende individuelle Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes von werdenden und stillenden Müttern und das komplette Arbeitsverbot bis zum Abschluss dieser Beurteilung und der möglichen Anpassungen gilt es kritisch zu betrachten. Gleiches gilt für das Arbeitsverbot der taktgebundenen Arbeit für Schwangere und Stillende. Beide Aspekte stellen gerade für kleinere Betriebe zusätzliche Herausforderungen dar, was ich, selbst Mittelständler und Handwerksmeister, gut nachvollziehen kann. Die Maßnahmen des neuen Mutterschutzrechts erst bei Betrieben ab einer Arbeitnehmeranzahl von beispielsweise 20 Personen greifen zu lassen, wäre mehr als sinnvoll.

Wir, das Handwerk, sind weiter als viele denken. Und mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen wird der „German Mittelstand“ auch weiterhin das Herzstück unserer erfolgreichen Wirtschaft sein.