Anleiten begleiten führen

Ute Stolberg bei ihrem Kunden, der Werner Hübner GmbH in Lüneburg. Die Firma unter Leitung von Hans-Georg Hübner fertigt im Bereich Lasermess­technik, Medizintechnik, Maschinen- und Anlagenbau. Das Unternehmen beschäftigt 97 Mitarbeiter, bildet derzeit 13 Jugendliche aus und wurde kürzlich zum Ausbildungsbetrieb des Jahres im Metallhandwerk gekürt zum dritten Mal nach 2009 und 2010. Fotos: Andreas Tamme

PORTRÄT Ute Stolberg, Abteilungsleiterin Unternehmensbetreuung bei der Volksbank Lüneburger Heide eG, legt großen Wert auf Personalentwicklung.

Welchen Berufsweg Ute Stolberg nach dem Abitur einschlagen würde, war ihrem Vater ziemlich klar. „Später könnt ihr machen, was ihr wollt – zuerst macht ihr eure Banklehre“, beschied er seinen beiden Töchtern. Gesagt, getan: Ute Stolberg, die ältere, beginnt ihre Ausbildung bei einer großen Bank in Lübeck. Zusammen mit 
20 weiteren Azubis, die sie sogleich als ihre Interessenvertreterin wählen. „Mit Menschen zusammenarbeiten, etwas mit ihnen, für sie bewirken, das wollte ich in meinem Beruf gern umsetzen. Ich wäre damals auch gern Lehrerin geworden“, sagt sie. Dieses Ziel verfolgt sie, leicht abgewandelt, auch beim anschließenden Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Hamburg, entscheidet sich für Personalführung und -entwicklung als Wahlfach. Und sie hält weiter Verbindung zu ihrer Bank, als „Werkstudentin“ und später, nach dem Diplom, als Trainee in Vorbereitung auf Führungsaufgaben. Doch der anschließende obligatorische Einstieg als Geschäftsstellenleiterin ist nicht mehr ihre Sache.

Sie schlägt ein neues Kapitel auf. Bei einer Raiff­eisenbank im südlichen Schleswig-Holstein, wo vor nunmehr 21 Jahren ihr Weg im genossenschaftlichen Bankbereich beginnt. Sie kann sich dort in einem Bereich engagieren, den sie schon länger im Auge hat: im Geschäft mit Unternehmen und gewerblichen Kunden. Sie ist für alles verantwortlich – für die Beratung, die Verhandlung über Kredite, Vertragsgestaltung und -abwicklung. Sie lernt unterschiedliche Mentalitäten kennen und einzuschätzen, berät, verschafft ihren Kunden Freiräume, begleitet sie durch herausfordernde Zeiten und feiert den Erfolg mit ihnen. „Und doch hätte ich selber aber am liebsten Personalentwicklung gemacht.“ Wenige Jahre später bietet sich diese Chance tatsächlich: Als Leiterin der Kreditabteilung führt sie eine Abteilung von zehn Mitarbeitern. Mit der Verantwortung für Baufinanzierungs-, Firmen- und Gewerbekreditberatung umfasst ihre Aufgabe nun das gesamte Spektrum des qualifizierten Kreditgeschäfts.


Die Ernennung zur Prokuristin verbindet die Bank mit der Fortbildung zum Führungs- und Vertriebscoach. Dem folgt eine weitere kontinuierliche Coaching-Ausbildung, die die Mitarbeiterführung zum Ziel hat. „Entscheidend für den Erfolg der Bank ist es heute, die Mitarbeiter als besonderes Qualitätsmerkmal zu entwickeln und wahrzunehmen – als ein Alleinstellungsmerkmal, welches das Unternehmen wesentlich von anderen unterscheidet.“ Mit den Mitarbeitern stetig neue Wege zum gemeinsamen Erfolg zu finden und die erforderlichen Veränderungsprozesse zu begleiten, das ist im oft sehr sachlichen und zahlenorientierten Bankgeschäft ein Führungsthema, das den Unterschied ausmacht und das sich Ute Stolberg auf die Fahnen geschrieben hat. „Jeder Mensch hat die Fähigkeit, durch die Veränderung des eigenen Denkens, Sagens, Tuns in gleichen Situationen zu anderen, möglicherweise besseren Ergebnissen zu kommen. Unter Führung verstehe ich, meinen Mitarbeitern diese Freiheiten in dem vorgegebenen betrieblichen Rahmen aufzuzeigen.“

Große Verantwortung

Ihre Aufgabe füllt sie aus. „Meine Tätigkeit war sehr breit aufgestellt, ich hatte auch eigene Kunden, insgesamt eine große Verantwortung.“ Aber irgendwann entsteht das Gefühl, im vertrauten beruflichen Umfeld nicht mehr weiterzukommen. Da trifft es sich gut, dass die Volksbank Lüneburger Heide eG gerade einen Generationswechsel in der Unternehmensbetreuung vorbereitet. So übernimmt sie hier am 1. April 2015 die Aufgabe als Abteilungsleiterin.

Dabei sieht sie sich nicht einfach als Chefin, sondern als fördernde Trainerin ihrer Mitarbeiter. Einmal im Jahr begleitet sie ihre Unternehmensbetreuer beim Kundenbesuch – bewusst nicht als Vorgesetzte, sondern als Coach. „Unsere Ziele möchte ich gemeinsam mit meinen Mitarbeitern und mit unseren Kunden erreichen. Dabei fixieren wir uns nicht auf Probleme, sondern denken in Lösungen: Wie ist es jetzt – wie sollte es sein? Was kann ich selbst dazu konkret beitragen?“
Ute Stolberg ist es wichtig, auch weiterhin persönliche Ansprechpartnerin für die eigenen Unternehmenskunden zu sein und das Denken in Lösungen, das sie mit ihren Mitarbeitern umsetzt, auch selbst zu leben und erlebbar zu machen. „Der Austausch mit meinen Kunden auch zu Fragen der Personalentwicklung als Schlüsselfaktor für nachhaltigen Erfolg ist dann oft gemeinsames Gesprächsthema, weil wir hier als regionale mittelständische Unternehmen über alle Branchen die gleichen Herausforderungen haben.“

Präsent und zugewandt

Offen, präsent, zugewandt, nachhaltig orientiert – so ließe sich Ute Stolberg in aller Kürze beschreiben. Als einfühlsame Chorsängerin, nun schon seit 44 Jahren, im Chor ihrer Kirchengemeinde. Oder als begeisterte Hobbygärtnerin – ihr Mann hat sich dem Erhalt und der Pflege alter Apfelsorten verschrieben. Als Halterin einer kleinen Schar von Zwerg­hühnern, „ein Hahn, ein Huhn und drei Nachwuchskräfte“. Oder als ausdauernde Rad-
Urlauberin, die mit ihrem Mann schon Reisen in 17 europäische Länder unternommen hat. All das ist ihr jedes Mal wieder eine tolle Erfahrung.