Die Hamburger Stadtentwicklung am Wendepunkt: Eine Zukunftsperspektive

Von Stefanie Bahr

Stellen wir uns die Frage, wie die Zukunft für das Leben, Wohnen und Arbeiten in Hamburg aussehen wird, gibt bereits ein Blick in die zurückliegenden Jahrzehnte viel Aufschluss über grundlegende Entwicklungsdynamiken: So haben sich die Prinzipien von Stadtplanern, Politikern und auch Immobilienkäufern immer wieder neu orientiert und das Stadtbild Hamburgs nachhaltig geprägt, wie in jüngerer Vergangenheit für alle Hamburger zu beobachten war. Doch blicken wir noch weiter zurück: In den Folgejahren nach 1950 standen die Zeichen zunächst auf Wachstum: Funktionaler Städtebau galt auch in Hamburg als vorherrschendes Paradigma, so wurden Büro-Stadtteile wie die City Nord, Industriegebiete wie Billbrook und separate Wohnsiedlungen nach dem Maßstab strikter Trennung konzipiert und umgesetzt. Parallel dazu wurde das Leben auf dem Land und in den norddeutschen Erholungsräumen immer populärer. Erst seit den 1970er Jahren wurde diese Trennung allmählich aufgebrochen, das urbane Leben mit seiner Dynamik, seiner kulturellen Vielfalt und der guten Versorgungslage kam wieder in Mode. Dies äußerte sich auch durch die Umgestaltung einstmaliger Industrie- und Gewerbeflächen zu attraktiven Wohnarealen; Arbeitsplatz und Wohnort rückten wieder näher zusammen. In Perfektion ist diese Entwicklung heute in der HafenCity erkennbar, die mit ihrer Symbiose aus hochwertigen Wohnimmobilien, facettenreichen Kultureinrichtungen und repräsentativen Office-Objekten den modernen Hamburger Zeitgeist widerspiegelt, ohne dabei das Erbe der altehrwürdigen Hafen- und Speicheranlagen zu verkennen.

Jetzt, im dritten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, kündigt sich ein erneuter Prinzipienwechsel an, der, durch die Corona-Krise beschleunigt, von den Megatrends Digitalisierung, automatisierte Mobilität und Dezentralisierung getragen wird. Dies wird etwa am Beispiel Home Office deutlich: War das Arbeiten von Zuhause in den vergangenen Monaten bereits aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen notwendig, wird nun aufgrund der erkannten Möglichkeiten dieses Arbeitsplatzmodells erwartet, dass sich eine ausgewogene Mischung aus Home Office und Präsenz im Büro auch dauerhaft in Unternehmenskonzepten etabliert. Für Erwerbstätige vieler Branchen bedeutet dies, dass der Weg zum Arbeitsplatz in den kommenden Jahren bei der Wahl des Immobilienstandortes an argumentativer Bedeutung verliert und wieder mehr Menschen in das Hamburger Umland oder an die Küste ziehen werden. Auch die Fortbewegung innerhalb der Stadtgrenzen steht vor einem Umbruch: Projekte wie die Verkehrsberuhigung des Jungfernstieges symbolisieren bereits jetzt, dass in kommenden Jahrzehnten immer weniger Autos und LKW in Hamburg zu sehen sein werden. Stattdessen wird verstärkt auf das Fahrrad, die öffentlichen Verkehrsmittel und auch Roboter gesetzt. Letztere können beispielsweise dazu beitragen, Paketdienste und Logistik zu entlasten und auf diese Weise auch für freiere Straßen in der Hansestadt sorgen. Verfolgen wir die aktuellen Ansätze konsequent weiter, sind wir in der Lage, Nachhaltigkeit und Lebensqualität in Hamburg zu steigern und gleichzeitig auch die Effizienz des lokalen Gewerbes branchenübergreifend zu fördern – eine Entwicklung, die mit Industrie 4.0, smarter Logistik und neu gedachter Mobilität gerade erst begonnen hat.

Stefanie Bahr ist in ihrer Funktion als Geschäftsleitung von Engel & Völkers Commercial Hamburg bestens mit den aktuellen Trends rund um Gewerbeimmobilien vertraut. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im Unternehmen und ihren Kenntnissen im Bereich Change Management hat Frau Bahr die städtebauliche Entwicklungen und branchenübergreifenden Innovationen stets im Blick und trägt so zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells von Engel & Völkers Commercial Hamburg bei.

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